23.09.2018
Christian Tackenberg

In Frankfurt sondierten Interessierte die kommende Industrialisierung des Bauens im Allgemeinen und den aufstrebenden Modulbau im Besonderen.

„Der Prozess ist der Chef“

Die Erdbevölkerung vor allem in den Städten wächst rasant, Grundstücks- und Baupreise steigen und auf Baustellen grassiert der Fachkräftemangel. Es muss etwas passieren.

Bei schönstem Spätsommerwetter traf sich im Frankfurter House of Logistics and Mobility (HOLM) eine illustre Schar aus Modulbauern, „herkömmlichen“ Projektentwicklern, Händlern und Vertretern der Wohnungswirtschaft.

Allen Beteiligten ist klar, dass es mit der herkömmlichen Methode – jedes Haus wird im Prinzip als Einzelanfertigung gebaut - nicht gelingen wird, den oben beschriebenen Herausforderungen Herr zu werden.

Max Bögl hat sich deshalb für einen (noch) ungewöhnlichen Weg entschieden, man holte sich Unterstützung aus der Automobilindustrie. Markus Richthammer, Vorstand Industrie bei Max Bögl, hat jahrelang bei BMW Prozesse in Warenbeschaffung, Produktion und der dafür notwendigen Logistik optimiert. Dieses Denken in Prozessen – dass jeder Arbeiter eben nicht nur für seine Teilleistung verantwortlich ist – fehle in der Bauwirtschaft noch sehr, so Richthammer. Um bei diesem Prozessdenken auch die Mitarbeiter mitzunehmen sei eine völlig neue Kultur in den Unternehmen notwendig. So gelte in der Automobilwirtschaft das Prinzip, dass jeder Arbeiter für den Arbeitsschritt seines Vorgängers verantwortlich sei. Was erstmal ungewöhnlich und vielleicht auch ungerecht klingen mag, sorgt aber dafür, dass Fehler schneller behoben werden und Mitarbeiter den gesamten Produktionsverlauf im Blick haben anstatt ausschließlich ihren Arbeitsschritt: „Der Prozess ist der Chef“.

Wie hoch das Thema Modulare Bauweise auch bei klassischen Projektentwicklern mittlerweile aufgehangen ist, zeigte sich u.a. auch daran, dass im anschließenden Panel der Projektentwickler Instone durch seinen Vorstand Kruno Crepulja vertreten war. Unter Moderation von Thomas Beyerle von Catella suchten die Diskutanten Antworten auf die Frage wie, bzw vielmehr, wie stark sich die Bauwirtschaft industrialisieren muss.

Ganz wesentlich, darüber waren sich die "Panelists" einig, wird es sein, in den Fertigungsprozess vom Baustoff- und Systemlieferanten über das Werk des Modulbauers bis zum fertigen Produkt auf der Baustelle die Zulieferer mit einzubinden. Denn nur, wenn sie Teil des Prozesses werden, d.h. wie die Zulieferer in der Automobilwirtschaft für das Gelingen des fertigen Ganzen mit verantwortlich sind, wird aus der Bauwirtschaft irgendwann mal eine Industrie.

Was mit Modulbau bereits heute möglich ist, konnten die Teilnehmer dann bei der Besichtigung des Merck Innovation Centers in Darmstadt erleben. In nur sieben Monaten Bauzeit hat der Gastgeber des Tages, ADK Modulraum, für den Pharmakonzern Merck ein zweistöckiges Gebäude bereitgestellt, in dem der Arzneimittelhersteller seine Innovationsabteilung aus anspruchsvollen High Potencials unterbringen konnte. Dass der Kunde immer noch zufrieden oder sogar begeistert ist, erzählte der zuständige Projektleiter bei Merck den teilnehmern während dewr ausgiebigen Führung gleich selbst.

Der Nachmittag ging mit Vorträgen, Praxisbeispielen und einem Innovationspanel zu Ende. Interessant war das Beispiel einer modular gebauten Apotheke, die sich bei Bedarf innerhalb kürzester Zeit um eine weiteres Element erweitern lässt. Eine Idee, die vor allem die im Publikum sitzenden Real-Estate-Verantwortlichen der Händler mit Interesse verfolgt haben dürften.

Fazit des Tages: Modulares Bauen ist die Zukunft, Modulbauer bieten immer hochwertigere Produkte an und mit jedem neuen Pilotprojekt wächst das Vertrauen bei Wohnen, Handel und Büro, es doch einmal mit modularer Bauweise zu probieren.

Der 3. Fach-Dialog Modulares Bauen ist in Vorbereitung, aller Voraussicht nach am 30. Oktober 2019.

 

Der Autor
Christian Tackenberg
Projektleiter
Heuer Dialog