09.09.2018
Angela Rüter

Nachbericht zum Immobilien-Dialog Büromarkt Berlin

Ist Berlin 2020 ausverkauft?

Zu Beginn des diesjährigen Immobilien-Dialogs Büromarkt Berlin wurde es den Teilnehmern angesichts der aktuellen Einschätzungen und Zahlen schon ein wenig schwindelig: Rekordzahlen auf dem Investmentmarkt!

Keine andere Stadt hat diese Wachstumsdynamik. 62.200 Bürobeschäftigte bis 2030!!

So berichtete Birgit Monteiro, Stadträtin aus Lichtenberg, wie groß der Druck auf die gewerblichen Flächen derzeit ist. Und das vor dem Hintergrund, dass in allein in ihren Bezirk 236 Hektar an Gewerbeflächen verloren gegangen ist. Der Bezirk brauche aber dringend Flächen für die Infrastruktur, für Kitas und Schulen. Ihr Kollege aus Kreuzberg, Florian Schmidt, unterstrich die Notwendigkeit von Urbanität und Identität. „Die urbane Mischung sollte auch für die gewerbliche Nutzung gelten“, so Schmidt. Der Schlüssel liege in der Liegenschaftspolitik und er forderte, dass Unternehmen und Investoren auch etwas für die Infrastruktur und für die Allgemeinheit einbringen müssten.

Lebendiger Teil der Kieze auf das Quartier übertragen

Thomas Bergander von der Taurecon stellte das Projekt „Heidestraße“ vor. „Wir bauen einen Mix“, so Bergander. 136.000 Quadratmeter Büroflächen für Corporates, Start-ups und Co-Working Spaces, kombiniert mit Wohnen und Einzelhandel: Mix ist like Berlin! Heißt denn auch das Motto.

Entsteht in Berlin „Facebook 2.0“?

Ganz anders geht Timon Rupp an sein Projekt heran. Er entwickelt und betreibt „The Drivery“ und freut sich darüber, dass Berlin „hoffentlich nie fertig ist“. Denn aus seiner Sicht fördert die Unfertigkeit die Kreativität. Berlin sei in der Lage, TOP-Talente aus aller Welt anzuziehen. Hier könnten das „Facebook 2.0“ entstehen. Die Kreativszene ist und bleibt eine Art Zwischennutzung für viele Gebäude und Flächen. Man solle auch einmal über eine Mietpreisbindung für Start-ups nachdenken, so Rupp.

Dr. Stefan Rief vom Fraunhofer Institut brachte das Aspekt des Technologieclusters in die Diskussion ein. Dies sei wichtig, um sowohl Start-ups als auch Etablierte Firmen in Berlin zu halten. Hier sei der Senat dringend aufgefordert, daran zu arbeiten. 

Bürgerstadt Berlin?!

Zum Abschluss des Tages lud Heuer Dialog zu einer hochkarätig besetzten Expertenrunde ein. Berlin 2050: Ideen und Vision für die Zukunft der Stadt. Auf jeden Fall werde Berlin dichter. Denn Dichte sei gleich Schönheit, so Prof. Bernd Albers. Frau Prof. Regina Leibinger forderte, dass die urbane Mischung erhalten werden müsse. Stefan Richter von Stiftung Zukunft Berlin setzte sich für Berlin als Bürgerstadt zu entwickeln, ein. Die Bürger müssten und sollten sich stärker verantwortlich fühlen. Berlin brauche unbedingt eine Zukunftsstrategie. Eine Bürgerstadt Berlin brauche klare Strukturen und eine gesamtstädtische Debatte darüber.

Die Autorin
Angela Rüter
Geschäftsführerin
Heuer Dialog