07.09.2018
Jürgen M. Volm

Die Basis wirtschaftlichen Bauens

Modulare Planung

Wie lässt sich die Qualität der Gebäudeplanung und der Bauausführung sicherstellen, ja weiter verbessern? Ein Ansatz ist die Kombination von modularer Planung und Integrationsplanung.

Quelle: © joel-flipe-227420-unsplash.com

Ausgangspunkt der modularen Planung ist das Projektkoordinatensystem. Es ordnet die Geometrie des Gebäudes von den kleinsten bis zu den größten Strukturen auf der Grundlage einer homogenen Maßordnung in möglichst regelmäßige Teilflächen. Diese werden insbesondere von der Nutzungskonzeption und den Anforderungen zur Wandelbarkeit des Gebäudes bestimmt.

Alle Räume und Bauteile werden auf dieses Projektkoordinatensystem bezogen und erhalten hierüber eine eindeutige Ortskennzeichnung. Die Regelmäßigkeit des Projektkoordinatensystems bestimmt dabei die Komplexität und Vielfalt der Gesamtkonstruktion. Projektkoordinatensysteme können aber auch in gleicher Präzision komplexere Architekturgeometrien bis hin zu Freiformen mathematisch beschreiben.

Ist ein Gebäudeplan einmal durch das Projektkoordinatensystem fixiert, startet die Modularisierung des Entwurfs. Dabei wird die Gebäudestruktur in Teilaufgaben (Module) zerlegt. Die Modularisierung umfasst die gesamte Gebäudestruktur vom Rohbau über die Fassade, den Ausbau, die Gebäudetechnik bis zur Ausstattung. Dazu zählen Büroarbeitsplätze, Besprechungsräume, Quiet Booths, Garderoben, Teeküchen, Kopierräume und Teamspaces.

Die Erschließung der Nutzungsmodule mit Heiz-/Kühl- und Lüftungskomponenten sowie die Ausstattung mit technischen Apparaten wie etwa Brand- und Präsenzmeldern, Steckdosen, oder Schaltern werden zum Beispiel in Technikmodule gefasst. Bei ihrer Arbeit definieren die Planer einen ganzen Katalog unter schiedlicher Module. Je häufiger sich ein Modul verwenden lässt, umso effizienter werden die Planung, der Bau und der Betrieb des Gebäudes – individuelle Einzellösungen werden vermieden. Mit einem Restriktionsplan werden dann die Spielregeln definiert, wie die Module auf dem Projektkoordinatensystem verortet werden. Module erhalten so ihre Eigenschaften: zum Beispiel, dass sie nur entlang einer Fassade liegen dürfen, aber niemals am Gebäudekern.

Komplettiert wird der Planungsansatz durch die Integrationsplanung. Auf Basis der verschiedenen Modulkataloge sowie der ausformulierten Schnittstellen zwischen den Modulen setzen die Experten aus den verschiedenen Planungsdisziplinen wie Architektur, Innenarchitektur und Gebäudetechnik diese wieder zu einem funktionierenden Ganzen zusammen.

Wie in anderen Industrien gelingt es durch die Modularisierung, die Komplexität des Entwurfs deutlich zu reduzieren. Die integrale Planung kann sich auf die Ausarbeitung der Modulkataloge konzentrieren. Gleiche Orte und Konstruktionen werden nur einmal geplant. Die Schnittstellen und Restriktionen gewährleisten, dass die Module zu einem konflikt- und kollisionsfreien Gesamtgebilde zusammengeführt werden können. Auf Basis der Kataloge können einfach unterschiedliche Konfigurationen des „Ganzen“ flexibel erzeugt werden. Daraus resultieren Gebäude mit hoher Wandelbarkeit, die den Anforderungen ihrer Nutzer entsprechen – oder diese noch übertreffen.

Die Vorteile des Vorgehens aus modularer Planung und Integrationsplanung liegen auf der Hand:

  •  Der Bauherr erhält ein wirtschaftliches Gebäude, auch dann, wenn er Wert auf individuelle Architektur legt.
  • Er erhält eine sichere Planungs- und Bauqualität vom ersten Tag an – auch durch eine deutliche Komplexitätsreduktion.
  • Der Nutzer steht im Mittelpunkt, da auf Basis des Modulkatalogs sehr schnell und flexibel auf sich ändernde Anforderungen reagiert werden kann.
  • Der Planungsaufwand reduziert sich, da Fehler schnell erkannt und im Weiteren vermieden werden.
  • Der Planungsansatz wird insbesondere beim Bürobau, aber auch in der Industrie, etwa im Laborbau, eingesetzt.

Auch für den Wohnungsbau ergeben sich Potenziale, denkt man zum Beispiel an das Management von Mietersonderwünschen.

Kurz: Er lässt sich überall dort einsetzen, wo eine hohe Wandelbarkeit und ein schnelles Reagieren auf geänderte Anforderungen erforderlich sind.

Der Autor
Prof. Jürgen M. Volm
Partner
Drees & Sommer SE