07.09.2018
Jürgen M. Volm

Die Basis wirtschaftlichen Bauens

Modulare Planung

Wie lässt sich die Qualität der Gebäudeplanung und der Bauausführung sicherstellen, ja weiter verbessern? Ein Ansatz ist die Kombination von modularer Planung und Integrationsplanung.

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Aus­gangs­punkt der mo­du­la­ren Pla­nung ist das Pro­jekt­ko­or­di­na­ten­sys­tem. Es ord­net die Geo­me­trie des Ge­bäu­des von den kleins­ten bis zu den grö­ß­ten Struk­tu­ren auf der Grund­la­ge ei­ner ho­mo­ge­nen Ma­ß­ord­nung in mög­lichst re­gel­mä­ßi­ge Teil­flä­chen. Die­se wer­den ins­be­son­de­re von der Nut­zungs­kon­zep­ti­on und den An­for­de­run­gen zur Wan­del­bar­keit des Ge­bäu­des bestimmt.

Al­le Räu­me und Bau­tei­le wer­den auf die­ses Pro­jekt­ko­or­di­na­ten­sys­tem be­zo­gen und er­hal­ten hier­über ei­ne ein­deu­ti­ge Orts­kenn­zeich­nung. Die Re­gel­mä­ßig­keit des Pro­jekt­ko­or­di­na­ten­sys­tems be­stimmt da­bei die Kom­ple­xi­tät und Viel­falt der Ge­samt­kon­struk­ti­on. Pro­jekt­ko­or­di­na­ten­sys­te­me kön­nen aber auch in glei­cher Prä­zi­si­on kom­ple­xe­re Ar­chi­tek­tur­geo­me­tri­en bis hin zu Frei­for­men ma­the­ma­tisch beschreiben.

Ist ein Ge­bäu­de­plan ein­mal durch das Pro­jekt­ko­or­di­na­ten­sys­tem fi­xiert, star­tet die Mo­du­la­ri­sie­rung des Ent­wurfs. Da­bei wird die Ge­bäu­de­struk­tur in Teil­auf­ga­ben (Mo­du­le) zer­legt. Die Mo­du­la­ri­sie­rung um­fasst die ge­sam­te Ge­bäu­de­struk­tur vom Roh­bau über die Fas­sa­de, den Aus­bau, die Ge­bäu­de­tech­nik bis zur Aus­stat­tung. Da­zu zäh­len Bü­ro­ar­beits­plät­ze, Be­spre­chungs­räu­me, Quiet Booths, Gar­de­ro­ben, Tee­kü­chen, Ko­pier­räu­me und Teamspaces.

Die Er­schlie­ßung der Nut­zungs­mo­du­le mit Heiz-/Kühl- und Lüf­tungs­kom­po­nen­ten so­wie die Aus­stat­tung mit tech­ni­schen Ap­pa­ra­ten wie et­wa Brand- und Prä­senz­mel­dern, Steck­do­sen, oder Schal­tern wer­den zum Bei­spiel in Tech­nik­mo­du­le ge­fasst. Bei ih­rer Ar­beit de­fi­nie­ren die Pla­ner ei­nen gan­zen Ka­ta­log un­ter schied­li­cher Mo­du­le. Je häu­fi­ger sich ein Mo­dul ver­wen­den lässt, um­so ef­fi­zi­en­ter wer­den die Pla­nung, der Bau und der Be­trieb des Ge­bäu­des – in­di­vi­du­el­le Ein­zel­lö­sun­gen wer­den ver­mie­den. Mit ei­nem Re­strik­ti­ons­plan wer­den dann die Spiel­re­geln de­fi­niert, wie die Mo­du­le auf dem Pro­jekt­ko­or­di­na­ten­sys­tem ver­or­tet wer­den. Mo­du­le er­hal­ten so ih­re Ei­gen­schaf­ten: zum Bei­spiel, dass sie nur ent­lang ei­ner Fas­sa­de lie­gen dür­fen, aber nie­mals am Gebäudekern.

Kom­plet­tiert wird der Pla­nungs­an­satz durch die In­te­gra­ti­ons­pla­nung. Auf Ba­sis der ver­schie­de­nen Mo­dul­ka­ta­lo­ge so­wie der aus­for­mu­lier­ten Schnitt­stel­len zwi­schen den Mo­du­len set­zen die Ex­per­ten aus den ver­schie­de­nen Pla­nungs­dis­zi­pli­nen wie Ar­chi­tek­tur, In­nen­ar­chi­tek­tur und Ge­bäu­de­tech­nik die­se wie­der zu ei­nem funk­tio­nie­ren­den Gan­zen zusammen.

Wie in an­de­ren In­dus­tri­en ge­lingt es durch die Mo­du­la­ri­sie­rung, die Kom­ple­xi­tät des Ent­wurfs deut­lich zu re­du­zie­ren. Die in­te­gra­le Pla­nung kann sich auf die Aus­ar­bei­tung der Mo­dul­ka­ta­lo­ge kon­zen­trie­ren. Glei­che Or­te und Kon­struk­tio­nen wer­den nur ein­mal ge­plant. Die Schnitt­stel­len und Re­strik­tio­nen ge­währ­leis­ten, dass die Mo­du­le zu ei­nem kon­flikt- und kol­li­si­ons­frei­en Ge­samt­ge­bil­de zu­sam­men­ge­führt wer­den kön­nen. Auf Ba­sis der Ka­ta­lo­ge kön­nen ein­fach un­ter­schied­li­che Kon­fi­gu­ra­tio­nen des „Gan­zen“ fle­xi­bel er­zeugt wer­den. Dar­aus re­sul­tie­ren Ge­bäu­de mit ho­her Wan­del­bar­keit, die den An­for­de­run­gen ih­rer Nut­zer ent­spre­chen – oder die­se noch übertreffen.

Die Vor­tei­le des Vor­ge­hens aus mo­du­la­rer Pla­nung und In­te­gra­ti­ons­pla­nung lie­gen auf der Hand:

  •  Der Bau­herr er­hält ein wirt­schaft­li­ches Ge­bäu­de, auch dann, wenn er Wert auf in­di­vi­du­el­le Ar­chi­tek­tur legt.
  • Er er­hält ei­ne si­che­re Pla­nungs- und Bau­qua­li­tät vom ers­ten Tag an – auch durch ei­ne deut­li­che Komplexitätsreduktion.
  • Der Nut­zer steht im Mit­tel­punkt, da auf Ba­sis des Mo­dul­ka­ta­logs sehr schnell und fle­xi­bel auf sich än­dern­de An­for­de­run­gen re­agiert wer­den kann.
  • Der Pla­nungs­auf­wand re­du­ziert sich, da Feh­ler schnell er­kannt und im Wei­te­ren ver­mie­den werden.
  • Der Pla­nungs­an­satz wird ins­be­son­de­re beim Bü­ro­bau, aber auch in der In­dus­trie, et­wa im La­bor­bau, eingesetzt.

Auch für den Woh­nungs­bau er­ge­ben sich Po­ten­zia­le, denkt man zum Bei­spiel an das Ma­nage­ment von Mietersonderwünschen.

Kurz: Er lässt sich über­all dort ein­set­zen, wo ei­ne ho­he Wan­del­bar­keit und ein schnel­les Re­agie­ren auf ge­än­der­te An­for­de­run­gen er­for­der­lich sind.

Der Autor
Quelle: Drees & Sommer SE
Prof. Jürgen M. Volm
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