14.09.2018
Katarina Adam

Navigieren in Zeitalter von Digitalisierung (Ein Überblick Teil II)

Immobilienwirtschaft 4.0

Die Beziehung zwischen Mensch und Technik befindet sich im Umbruch. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Digitalisierung wirft viele Fragen auf.

1. Vorwort

Be­zog sich der ers­te Be­richt ganz All­ge­mein auf die Fa­cet­ten der Di­gi­ta­li­sie­rung, wird mit der nach­fol­gen­den Er­ör­te­rung dar­auf ein­ge­gan­gen, wie die­se Fa­cet­ten schon heu­te in der Im­mo­bi­li­en­wirt­schaft ge­nutzt wer­den. So un­ter­schied­lich das Ver­ständ­nis zum The­ma Di­gi­ta­li­sie­rung, so un­ter­schied­lich ist auch die Ein­schät­zung ob der Not­wen­dig­keit ei­ner Di­gi­ta­li­sie­rungs­stra­te­gie. Vie­le wei­te­re Fak­to­ren spie­len dar­über hin­aus ei­ne Rol­le, die auch ab­seits der tech­ni­schen Fra­ge­stel­lun­gen an­zu­fin­den sind. So kann die Aus­ein­an­der­set­zung mit der Di­gi­ta­li­sie­rung al­lein schon aus dem­Zwang ge­sche­hen, dass mit dem Rück­zug der Ba­by­boo­mer Ge­ne­ra­ti­on Un­ter­neh­men vor der ge­wal­ti­gen Her­aus­for­de­rung ste­hen, die­se ent­ste­hen­den Lü­cken zu fül­len. Al­lein, so ein­fach fin­det sich nicht das rich­tig aus­ge­bil­de­te Per­so­nal für die ent­spre­chen­den Stel­len und Po­si­tio­nen. Da sich ab­seh­bar die Dis­kus­si­on um die Ar­beits­kräf­te ver­schär­fen wird, ist die Über­le­gung, Pro­zes­se zu di­gi­ta­li­sie­ren ei­ne lo­gi­sche Kon­se­quenz. Ob­wohl der deut­schen Im­mo­bi­li­en­wirt­schaft nach­ge­sagt wird, sehr tra­di­tio­nell zu sein, auch, was die Um­set­zung in Be­zug auf Di­gi­ta­li­sie­rung an­be­langt, so ist je­doch da­von ab­zu­ra­ten, hier ein all­ge­mein gül­ti­ges Ur­teil für die ge­sam­te Bran­che auszusprechen.

Nach­fol­gend sol­len die sicht­ba­ren An­sät­ze der Di­gi­ta­li­sie­rung in der Im­mo­bi­li­en­wirt­schaft zu­sam­men ge­tra­gen wer­den, um zu ei­nem kur­zem Fa­zit zu ge­lan­gen. Im letz­ten Teil die­ser Tri­lo­gie wird dann ei­ne Fa­cet­te der Di­gi­ta­li­sie­rung, näm­lich die Block­chain Tech­no­lo­gy in­ten­si­ver er­läu­tert und in der Im­mo­bi­li­en­land­schaft ver­or­tet. Zu­nächst aber folgt die Be­trach­tung ent­lang des Le­bens­zy­klus ei­ner Immobilie.

 

2 Im­mo­bi­li­en­wirt­schaft 2018

„Die Im­mo­bi­li­en­wirt­schaft“ ist ein weit ge­fass­ter Be­griff und um die Di­gi­ta­li­sie­rung der Bran­che im Jahr 2018 nach­zu­voll­zie­hen, ist ein mög­li­cher An­satz (von vie­len), sich über den Le­bens­zy­klus ei­ner Im­mo­bi­lie ei­nen struk­tu­rier­ten Über­blick zu verschaffen.

Der Le­bens­zy­klus ei­ner Im­mo­bi­lie kann wie folgt dar­ge­stellt werden:

Ab­bil­dung 1: Le­bens­zy­klus­kon­zept in An­leh­nung z.B. nach Gond­ring (1 s.u.)

In den ein­zel­nen Pha­sen sind je­weils ver­schie­de­ne Ak­teu­re tä­tig, die un­ter­schied­lich weit mit ih­rer Di­gi­ta­li­sie­rungs­kom­pe­tenz sind.

Im Seg­ment der Pro­jekt­ent­wick­lung wird der In­itia­tor des Pro­jek­tes sei­ne ur­ei­ge­ne Un­ter­neh­mens­stra­te­gie zu­grun­de le­gen und in An­pas­sung an das be­stehen­de Port­fo­lio die Kon­zep­ti­on star­ten. Schon hier­bei wä­re zu fra­gen, wie die Da­ten­ana­ly­se, die zu ei­ner Ent­schei­dung ge­führt hat, ge­fer­tigt wur­de: mehr oder we­ni­ger ma­nu­ell oder sind Da­ten über bei­spiels­wei­se neu­ro­na­le Net­ze ana­ly­siert wor­den. Neu­ro­na­le Netz­wer­ke in der IT bil­den qua­si nach, wie das Ner­ven­sys­tem von Le­be­we­sen auf­ge­baut ist und wie in­ner­halb die­ses Netz­wer­kes ge­lernt wird: Ein Ba­by ver­bin­det durch sei­ne all­täg­li­chen Er­fah­run­gen mehr und mehr Syn­ap­sen­und lernt da­durch. Die­ses wird in der IT si­mu­liert und Netz­wer­ke die­ser Art ler­nen da­her täg­lich da­zu. Künst­li­che In­tel­li­genz macht sich ge­nau die­ses zu eigen.

PWC un­ter­stellt Künst­li­cher In­tel­li­genz vier Funk­tio­nen (2):

1. Au­to­ma­ti­sie­ren­de In­tel­li­genz: Au­to­ma­ti­sie­rung von ma­nu­el­len / ko­gni­ti­ven und rou­ti­ne­mä­ßi­gen / nicht rou­ti­ne­mä­ßi­gen Aufgaben.

2. Un­ter­stüt­zen­de In­tel­li­genz: Men­schen hel­fen, Auf­ga­ben schnel­ler und bes­ser zu erledigen.

3. Er­wei­tern­de In­tel­li­genz: Men­schen hel­fen, bes­se­re Ent­schei­dun­gen zu treffen.

4. Au­to­no­me In­tel­li­genz: Au­to­ma­ti­sie­rung von Ent­schei­dungs­pro­zes­sen oh­ne mensch­li­ches Eingreifen.

Die­ser Ein­tei­lung fol­gend wird die „un­ter­stüt­zen­de und er­wei­tern­de In­tel­li­genz“ nach der De­fi­ni­ti­on von PWC für das Seg­ment Pro­jekt­ent­wick­lung gro­ßen Ein­fluss neh­men und bei­spiels­wei­se Ri­si­ko­ma­nage­ment­pro­zes­se nach­hal­tig ver­bes­sern (3).

Zur Re­la­ti­vie­rung kann man aber auch fest­hal­ten, dass be­reits seit Jah­ren die CAD-Tech­nik Ein­zug in die Pla­nungs­pha­se ge­hal­ten hat. Zu­neh­men­de Rech­ner­leis­tung er­mög­li­chen je­doch heu­te (und erst recht in der Zu­kunft) Tech­no­lo­gi­en, die vor we­ni­gen Jah­ren schlicht zu teu­er wa­ren. Heu­te sind Ge­bäu­de­kom­ple­xe mit­tels Vir­tu­al Rea­li­ty / Buil­ding In­for­ma­ti­on Mo­de­ling (BIM) plan­bar. Es kann im vir­tu­el­len Raum ge­prüft und ge­tes­tet wer­den, wie not­wen­di­ge Ver­kehrs­flä­chen sinn­voll ein­ge­bracht wer­den und wie sich die Pro­fi­ta­bi­li­tät des Ge­bäu­des durch op­ti­ma­le Grund­riss­ge­stal­tung stei­gern lässt. Eben­falls kann mit dem De­sign „ge­spielt“ werden.

Der di­gi­ta­le Zwil­ling ei­nes Ge­bäu­des er­mög­licht Si­mu­la­tio­nen von po­ten­ti­el­len Si­tua­tio­nen und er­leich­tert Ent­schei­dun­gen, be­vor ein Bag­ger auf die Bau­stel­le fährt. Kos­ten wer­den durch die­se Ana­ly­se im Vor­feld re­du­ziert, da der di­gi­ta­le Zwil­ling vir­tu­ell bis in die kleins­te Ecke hin­ein­bli­cken kann, Fehl-Kon­zep­tio­nen kön­nen ent­deckt und be­ho­ben so­wie ei­ne hö­he­re Ter­min­ein­hal­tung im ei­gent­li­chen Bau­pro­zess er­reicht war­den (4).

Si­cher ist hier­von vie­les noch Zu­kunfts­mu­sik, zu­mal in Deutsch­land BIM nicht ein­mal bei öffent­li­chen Bau­vor­ha­ben zwin­gend ein­zu­set­zen ist. Wie viel ter­min­ge­nau­er sich da­mit öffent­li­che Bau­ten wir z.B. der Großflug­ha­fen Ber­lin, die Elb-Phil­har­mo­nie oder der Stutt­gar­ter Bahn­hof fer­tig­stel­len lässt, ist der­zeit wil­de Spe­ku­la­ti­on, aber der Be­weis wird spä­tes­tens ab 2020 er­fol­gen, wenn dann bei Bau­ten die­ser Art BIM zwin­gend vor­ge­schrie­ben ist.

Di­gi­ta­le Da­ten­räu­me exis­tie­ren heu­te eben­falls und kön­nen in all den un­ter­schied­li­chen Pha­sen des Le­bens­zy­klus von Nö­ten sein. Ob In­for­ma­tio­nen zu Aus­schrei­bun­gen, ei­ner Due Dil­li­gence oder an­de­ren Pro­zes­sen, Da­ten­räu­me wer­den im­mer mehr zu vir­tu­el­len Plät­zen, die nicht mehr phy­sisch auf­ge­sucht wer­den müs­sen. Ein wei­te­res Bei­spiel der fort­schrei­ten­den Di­gi­ta­li­sie­rung im Alltag.

Ein nicht ganz so all­täg­li­ches Sze­na­rio ist da­ge­gen das fol­gen­de: Der Ein­satz von un­be­mann­ten Flug­ge­rä­ten, um­gangs­sprach­lich auch Droh­nen ge­nannt, die wäh­rend der Bau­pha­se täg­lich und gern auch mehr­fach über das Bau­feld flie­gen, um den Bau­fort­schritt zu scan­nen. Kleins­te Ab­wei­chun­gen von der ei­gent­li­chen Pla­nung kön­nen sehr viel schnel­ler ent­deckt wer­den, da die Droh­nen schon heu­te ei­ne ho­he Mess­ge­nau­ig­keit auf­wei­sen und zen­ti­me­ter­ge­nau die Ab­wei­chun­gen fest­stel­len kön­nen. Zi­vi­le Droh­nen wer­den so­mit zum Hel­fer der Bau­lei­tung. Das na­he Wien ent­ste­hen­de, neue Stadt­vier­tel As­pern tes­tet den Ein­satz von zi­vi­len Droh­nen in der­Im­mo­bi­li­en­wirt­schaft (5). Schon heu­te kön­nen die­se Droh­nen, aus­ge­stat­tet mit bei­spiels­wei­se einer

Di­gi­tal- oder Wär­me­bild­ka­me­ra Ge­bäu­de, In­dus­trie­an­la­gen, Brü­cken etc. auf Schä­den über­prü­fen, En­er­gie­ver­lus­te lo­ka­li­sie­ren, Flä­chen­auf­maß neh­men etc.

En­er­gieeffizien­te Smart Buil­dings stel­len ei­ne wei­te­re, schon heu­te be­stehen­de Mög­lich­keit der Di­gi­ta­li­sie­rung in der Im­mo­bi­li­en­wirt­schaft dar. So­wohl bei der Pla­nung und Er­stel­lung als auch in der Nut­zung nimmt die Be­deu­tung von Smart Buil­dings zu. Zu­nächst ver­steht man un­ter dem Be­griff Smart Buil­dings die „ Kom­bi­na­ti­on von In­tel­li­genz und Nach­hal­tig­keit durch den Ein­satz von Com­pu­ter und in­tel­li­gen­ten Tech­no­lo­gi­en, um die op­ti­ma­le Kom­bi­na­ti­on von Ge­samt­kom­fort und En­er­gie­ver­brauch zu er­rei­chen“ (6). das ver­netz­te Haus. In Ab­gren­zung da­zu ver­steht man un­ter ei­nem Smart Home

Be­deut­sam sind hier­bei ver­än­der­te An­for­de­run­gen an un­se­re Art des Le­bens und Ar­bei­ten. Hier­bei wer­den Lö­sun­gen an­ge­strebt, die Kom­fort, Schutz, Si­cher­heit und En­er­gieeffizi­enz bie­ten. Ge­bäu­de wer­den hier­zu mit Sen­so­ren aus­ge­stat­tet, die un­ter­ein­an­der ver­netzt sind und in­tel­li­gent auf die je­wei­li­ge An­for­de­rung re­agie­ren kön­nen. Be­stands­bau­ten sind von die­sen Lö­sun­gen nicht aus­ge­nom­men. In so ge­nann­ten Smart Buil­dings wer­den die an­fal­len­den Da­ten ge­sam­melt und ver­wen­det, um z.B. die Hei­zung, Kli­ma­an­la­gen, Licht­sys­te­me etc. ge­mäß den Be­dürf­nis­sen der Nut­zer effizient zu steu­ern. Im Ide­al­fall kann so ein ver­bau­tes Sys­tem z.B. fest­stel­len, ob ein Raum gleich­zei­tig be­heizt und ge­kühlt wird. Die­se En­er­gie-Ineffizi­enz wird evtl. durch Men­schen nicht wahr­ge­nom­men. Sen­so­ren je­doch kön­nen hier­aus ei­ne Mel­dung an das Ge­bäu­de­ma­nage­ment sen­den, auf das Pro­blem auf­merk­sam ma­chen und es be­he­ben las­sen. Die Nut­zer selbst kön­nen per App ne­ben In­for­ma­tio­nen wei­te­re Ser­vices ab­ru­fen. Auch wenn hier ei­ni­ges Fu­tu­ris­tisch an­mu­tet, in der Rea­li­tät des Jah­res 2018 gern noch mit Zet­teln am be­rühm­ten „schwar­zen Brett“ ge­ar­bei­tet wird, so sind den­noch die ers­ten Bau­ten mit die­sen Aus­stat­tungs­merk­ma­len im Bau (7).

Ver­folgt man den Le­bens­zy­klus wei­ter, dann ist ne­ben dem Be­trei­ben der Im­mo­bi­lie auch die Ver­mark­tung der Flä­chen ei­ne wei­te­re in­ter­es­san­te Fa­cet­te des Di­gi­ta­li­sie­rungs­pro­zes­ses. Wie fin­den Mie­ter und Ver­mie­ter, Käu­fer und Ver­käu­fer heu­te zu­sam­men? Be­vor so be­kann­te Platt­for­men wie Im­mo­bi­li­en­s­cout24 oder Im­mo­net den Markt be­herr­schen, wur­den An­zei­gen in den üb­li­chen Ta­ges­zei­tun­gen auf­ge­ge­ben. Die vor­mals nur am Wo­chen­en­de ak­tua­li­sier­ten An­ge­bo­te heut­zu­ta­ge sind 24/7 on­line ver­füg­bar. Doch auch das jet­zi­ge Platt­form­mo­del ent­wi­ckelt sich wei­ter und es wer­den auch in die­sem Seg­ment vie­le Er­neue­run­gen er­war­tet. So wird das so ge­nann­te „Mie­ter-/Käu­fer-Matching" ein­fa­cher über Al­go­rith­men ge­steu­ert, um mit den ent­spre­chend vor­ab de­fi­nier­ten Fil­tern den pas­sen­den Mie­ter / Käu­fer zu fin­den. Es wer­den noch viel­fäl­tig an­de­re Pro­zes­se in der Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen An­bie­ter und Su­chen­den di­gi­ta­li­siert werden.

Ein den ge­sam­ten Le­bens­zy­klus be­glei­ten­der Pro­zess ist der der Fi­nan­zie­rung und In­ves­ti­ti­on: Oh­ne ent­spre­chend fi­nan­zi­el­le Mit­tel kein Pro­jekt, das zum Ob­jekt wird. Hier­bei ist Mit­tel­be­schaffung (Fi­nan­zie­rung) die ei­ne Sei­te der Me­dail­le und die Mit­tel­ver­wen­dung (In­ves­ti­ti­on) die an­de­re. Die We­ge, wie heu­te die not­wen­di­gen Mit­tel ak­qui­riert wer­den kön­nen, sind durch die so ge­nann­ten Fin-Techs viel­fäl­ti­ger geworden.

Im klas­si­schen Um­feld die­ser bei­den As­pek­te war es lan­ge Zeit üb­lich, ei­nen In­ter­me­di­är da­zwi­schen ge­schal­tet zu ha­ben. Das konn­te ei­ne her­kömm­li­che Uni­ver­sal- oder auch Spe­zi­al­bank sein oder auch ein Bro­ker. Durch den Kol­lap­se der Fi­nanz­wirt­schaft in 2008 mit­samt sei­nen Fol­gen ist die Po­si­ti­on der In­ter­me­diä­re ins Wan­ken ge­ra­ten. Die nicht nur tech­ni­sche son­dern auch kon­zep­tio­nel­le Wei­ter­ent­wick­lung von bei­spiels­wei­se di­gi­ta­len Wäh­run­gen hat dieG­ren­zen so­wohl was die Fi­nan­zie­rung als auch die In­ves­ti­ti­on an­be­langt, auf­ge­weicht (8). Die

Al­lo­ka­ti­on von Gel­dern kann bei­spiels­wei­se durch so ge­nann­tes Crowd­fun­ding er­fol­gen. Crowd­fun­ding oder auch Schwarm­fi­nan­zie­rung be­deu­tet im Kern, dass sich vie­le an der Fi­nan­zie­rung von Pro­jek­ten be­tei­li­gen. Konn­te man zu Be­ginn des ak­tu­el­len Jahr­zehnts über die­se Fi­nan­zie­rungs­form eher klei­ne­re Sum­men im un­te­ren fünf-stel­li­gen Be­reich sam­meln, sind heu­te im Spät­som­mer 2018 auch Mil­lio­nen-Pro­jek­te möglich.

Crowd­fun­ding steigt in der Gunst der An­le­ger, weil es Klein­st­an­le­gern (mit Ti­cket-Grö­ßen von we­ni­gen 100 EU­RO) er­mög­licht, in Im­mo­bi­li­en zu in­ves­tie­ren. Durch die mehr und mehr di­gi­ta­len Pro­zes­se zur Fin­dung von Pro­jekt und In­ves­to­ren ist der An­teil an Ver­triebs­kos­ten und Ver­wal­tungs­auf­wand ge­rin­ger. Dies be­deu­tet für (Kleinst-) In­ves­to­ren ei­ne zu­meist at­trak­ti­ve­re Ren­di­te als im Ver­gleich zu her­kömm­li­chen Pro­duk­ten, die die klas­si­schen Ver­triebs­we­ge durch­lau­fen. Zu­sätz­lich sind die ver­gleichs­wei­se kur­zen Lauf­zei­ten im Ver­gleich zu z.B. ge­schlos­se­nen Im­mo­bi­li­en­fonds von Interesse.

Ei­ne be­son­de­re Form des Crowd­fun­dings ist der so ge­nann­te „In­iti­al Co­in Offer­ing“ (ICO), mit de­nen Pro­jek­te fi­nan­ziert wer­den, die Block­chain-ba­sier­te Ge­schäfts­mo­del­le ver­fol­gen. Die Wort­wahl soll ganz be­wu­ßt an den „In­iti­al Pu­blic Offer­ing“ (IPO), dem Bör­sen­gang, er­in­nern (9). Je­doch han­delt es sich nicht um die Emis­si­on von Ak­ti­en, son­dern um die Aus­ga­be so ge­nann­ter To­ken, de­nen ver­schie­de­ne Funk­tio­nen zu­ge­ord­net wer­den kön­nen. Die­se di­gi­ta­len To­ken kön­nen, ge­nau wie Ak­ti­en, als Wert­auf­be­wah­rungs­mit­tel ver­stan­den und mit ak­ti­en­ähn­li­chen Rech­ten ver­se­hen wer­den. Dar­über hin­aus lässt sich dem To­ken ei­ne be­stimm­te Funk­tio­na­li­tät zu­ord­nen (10).

Die Ba­Fin weist zu Recht dar­auf hin, dass es sich bei ICO-Pro­jek­ten um sol­che Pro­jek­te han­delt, die üb­li­cher­wei­se noch in ei­nem sehr frü­hen und ggfs. auch noch ex­pe­ri­men­tel­len Sta­di­um sind. Das da­hin­ter lie­gen­de Ge­schäfts­mo­dell steckt in der Ent­wick­lung und die Ri­si­ken ei­nes To­tal­ver­lus­tes bei ei­ner sol­chen Be­tei­li­gung darf nicht un­ter­schätzt werden.

Un­ab­hän­gig von den ho­hen Ri­si­ken und den di­ver­sen Fall­stri­cken, die­se Form der Fi­nan­zie­rung er­freut sich stei­gen­der Be­liebt­heit: In 2016 wur­den auf die­se Wei­se ca. 95 Mio. USD ein­ge­sam­melt. In 2017 stieg die­se Zahl schon auf gut 6 Mrd. USD um in 2018 bis En­de Au­gust schon bei 18 Mrd. USD zu lie­gen (11). Je­doch muss auch fest­ge­hal­ten wer­den, dass im Som­mer 2018 die Be­geis­te­rung für die­se Form der In­ves­ti­ti­on merk­lich ab­kühlt. Es gab zu vie­le Pro­jek­te, die sich als we­nig nach­hal­tig er­wie­sen haben.

 

3. Kon­se­quen­zen der Digitalisierung

Un­ter­neh­men, die heu­te an ih­rer Di­gi­ta­li­sie­rungs­stra­te­gie ar­bei­ten, kön­nen sich bei der Viel­zahl der An­ge­bo­te und Mög­lich­kei­ten schnell über­for­dert füh­len. Das für das ei­ge­ne Un­ter­neh­men„Rich­ti­ge“ zu fin­den, be­darf aus Sicht der Au­to­rin ei­ne in­ten­si­ve Aus­ein­an­der­set­zung mit den un­ter­neh­mens­ei­ge­nen Pro­zes­sen. Erst wenn die­se ana­ly­siert sind, kön­nen ne­ben den Ent­schei­dun­gen, wie man die Road­map der ei­ge­nen Di­gi­ta­li­sie­rung for­mu­liert, wei­ter­füh­ren­de Ent­schei­dun­gen ge­troffen wer­den. Die stra­te­gi­sche Fra­ge­stel­lung be­ginnt da­her auch bei der Über­le­gung „Make or Buy“, ei­ne Fra­ge­stel­lung, die grund­le­gen­de Ge­schäfts­funk­tio­nen um­fasst. Ei­ne Stu­die von PWC aus dem Jah­re 2011 ver­deut­licht die nach An­sicht der Au­to­ren drei Säu­len, die die­ser Ent­schei­dungs­fin­dung un­ter­lie­gen (12):

- Busi­ness Strategie

- Risiken

- Öko­no­mi­sche Faktoren

Trei­ber in die­sem Kon­text ist die Fra­ge nach den Zie­len, die er­reicht wer­den sol­len. Wei­ter­hin muss ana­ly­siert wer­den, was die Kern­kom­pe­tenz des Un­ter­neh­mens aus­macht und wie die­se durch die Di­gi­ta­li­sie­rungs­stra­te­gie un­ter­stützt wird.

Fällt im zu Zu­ge der zu tä­ti­gen Ana­ly­sen die Ent­schei­dung, dass das Un­ter­neh­men be­stimm­te, ge­wünsch­te Auf­ga­ben nicht selbst er­brin­gen kann oder will, muss die Al­ter­na­ti­ve auf dem Markt ge­sucht wer­den. Start­ups mö­gen viel­leicht heu­te noch nicht die ge­sam­te Wert­schöp­fungs­ket­te ei­nes Un­ter­neh­mens un­ter­stüt­zen (kön­nen), je­doch sind sie in klei­nen Teil­pro­zes­sen sehr er­folg­reich. Ähn­lich wie bei dem Pro­zess der Fi­nan­zie­rung und der Fin-Techs su­chen so ge­nann­te Prop-Tech, wel­che Teil­pro­zes­se sie bes­ser, schnel­ler, schlan­ker und effizien­ter dar­stel­len kön­nen als es in Un­ter­neh­men üb­lich ist. Die­se Spe­zia­li­sie­rung und der Pro­zess zur Über­prü­fung ge­eig­ne­ter Al­li­an­zen ist zu­neh­mend zu beobachten.

 

4. Fazit

Zwar wird gern ge­sagt, dass es zur Di­gi­ta­li­sie­rung der Im­mo­bi­li­en­wirt­schaft in Deutsch­land noch ein sehr wei­ter Weg sei, aber es zeigt sich, dass die­ses eher ein ober­fläch­li­ches Ur­teil ist. Vie­le Pro­zes­ses sind zu­min­dest an­satz­wei­se di­gi­ta­li­siert und die Un­ter­neh­men ha­ben sehr wohl ver­stan­den, dass noch an­de­re Mög­lich­kei­ten ne­ben Ex­cel exis­tie­ren. Aber, es ist auch zu­gleich er­kenn­bar, dass die Bran­che ih­re Leucht­tür­me hat, in der brei­ten Mas­se je­doch noch vie­les auf­zu­ar­bei­ten ist.

Die Fa­cet­ten der Di­gi­ta­li­sie­rung sind eben­so viel­fäl­tig wie es die im Markt tä­ti­gen Un­ter­neh­men sind. Und die Trans­for­ma­ti­on der Pro­zes­se stoppt nicht beim Matching von Mie­tern und Ver­mie­tern re­spek­ti­ve Käu­fern und Ver­käu­fern. Cloud Com­pu­ting, Sen­so­ren und das In­ter­net of Things, die Ver­schlan­kung von Ver­wal­tungs­ab­läu­fen, der Ein­satz von neu­en di­gi­ta­len Bank­ser­vices etc. sind Trei­ber und In­spi­ra­ti­on für die Un­ter­neh­men der Branche.

Wir le­ben in sehr span­nen­den Zei­ten, wo Fluch und Se­gen der Tech­nik qua­si nur ei­nen Maus- Klick von­ein­an­der ent­fernt sind. Aus Angst vor den neu­en tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten den Kopf in den Sand zu ste­cken und dar­auf zu hoffen, dass „das“ ir­gend­wie weg­geht, wird nicht funk­tio­nie­ren. Ne­ben der ur­ei­ge­nen Neu­gier­de bleibt den Un­ter­neh­men nichts an­de­res üb­rig, als sich mit dem tech­nisch Mach­ba­ren aus­ein­an­der zu set­zen, und sei es, um zu ent­schei­den, ob das Mach­ba­re auch sinn­voll für die ei­ge­nen Pro­zes­se ist.

In­ter­es­san­ter­wei­se hat ei­ne Stu­die der Deut­schen Te­le­kom vom De­zem­ber 2017 fest­ge­stellt, dass Un­ter­neh­men, die in der Di­gi­ta­li­sie­rung kei­ne Be­dro­hung son­dern eher ei­ne Her­aus­for­de­rung se­hen, ei­ne po­si­ti­ve Kor­re­la­ti­on zwi­schen Di­gi­ta­li­sie­rungs­grad und Um­satz­ent­wick­lung auf­wei­sen (13).

In­spi­ra­ti­on, An­re­gung und neue Er­kennt­nis­se in Hin­blick auf die­se Mög­lich­kei­ten las­sen sich in gut fünf Wo­chen auf der Ex­po Re­al in Mün­chen ein­fan­gen. Es bleibt spannend!

 

Prof. Dr. Ing Ka­ta­ri­na Adam

HTW Berlin

 

 Fuß­no­ten

(1) Vgl. Gond­ring, (2009) S. 40

(2) Vgl. PWC:https://​www.​pwc.​de/​de/​real-​estate/​digital-​real-​estate/​kue​nstl​iche-​int​elli​genz-​in-​der-​imm​obil​ienb​ranc​he.​html, ein­ge­se­hen am 21.08.2018

(3) An­mer­kung der Au­to­rin: heu­te lie­gen noch kei­ne Er­kennt­nis­se wie, wie groß in Zah­len aus­ge­drückt der Ein­fluss von KI sein wird. Schät­zun­gen zu wird der An­teil am Deut­schen BIP um jähr­lich 10 Mrd. Eu­ro stei­gen kön­nen (vgl. McKin­sey Re­port: Smar­te­ning up with Ar­ti­fi­ci­al In­tel­li­gence (AI)), wenn KI früh­zei­tig ein­ge­setzt wird.

(4) Vgl. BCG:https://​www.​bcg.​com/​pub​lica​tion​s/​2017/​process-​ind​ustr​ies-​eng​inee​red-​pro​duct​s-​bim-​rev​olut​ion-​comes-​bui​ldin​g-​mat​eria​ls.​aspx#​chapter4 ein­ge­se­hen am 21.08.2018

(5) Vgl.https://​www.​siemens.​com/​inn​ovat​ion/​de/​home/​pic​ture​s-​of-​the-​future/​dig​ital​isie​rung-​und-​sof​twar​e/​dig​ital​e-​ass​iste​nten-​zivile-​drohnen-​als-​bau​leit​er.​html ein­ge­se­hen am 23.08.2018

(6) Vgl. Wang et al (2012): Mul­ti-agent con­t­rol sys­tem with in­for­ma­ti­on fu­si­on ba­sed com­fort mo­del for smart buildings

(7) Vgl. z.B. Cu­be Berlin;https://​www.​caimmo.​com/​de/​presse/​news/​artikel/​ca-​immo-​feiert-​ric​htfe​st-​fuer-​cube-​berlin-​das-​smart-​bui​ldin​g-​erhaelt-​wir​edsc​ore-​zer​tifi​zier​ung-​in/ ein­ge­se­hen am 23.08.2018

(8) auch di­gi­ta­les Geld kann mitt­ler­wei­le nur noch ein­mal und nicht mehr­fach aus­ge­ge­ben wer­den; die Funk­ti­on des di­gi­ta­len Gel­des glei­chen de­nen der Fi­at-Wäh­rung: Auf­be­wah­rungs­funk­ti­on, Tausch­funk­ti­on und Recheneinheit.

(9) vgl. Ba­FIN, 2017,https://​www.​bafin.​de/​Sha​redD​ocs/​Ver​oeff​entl​ichu​ngen/​DE/​Fac​hart​ikel/​2017/​fa_​bj_​1711_​ICO.​html

(10) Vgl. Hahn / Wons, 2017, S. 10

(11) Vgl.https://​www.​coi​nsch​edul​e.​com/​stats.​html?​yea​r=201​8, ein­ge­se­hen am 24.08.2018

(12) Vgl. PWC, 2011,https://​www.​str​ateg​yand.​pwc.​com/​media/​file/​Str​ateg​yand​_​Make-​or-​buy-​sound-​dec​isio​n-​making.​pdf ein­ge­se­hen am 24.08.2018

(13) Vgl.https://​www.​dig​ital​isie​rung​sind​ex.​de/​wp-​content/​uploads/​2017/​11/​Dig​ital​isie​rung-​Studie-​Mit​tels​tand-​web.​pdf , S. 7, ein­ge­se­hen am 29.08.2018

 

Li­te­ra­tur

Gond­ring, Hans­pe­ter (2009): Im­mo­bi­li­en­wirt­schaft, Hand­buch für Stu­di­um und Pra­xis, 2.​Auflage, Mün­chen: Vahlen.

Hahn, Chris­to­pher / Wons, Adri­an (2017): In­iti­al Co­in Offer­ing (ICO), Un­ter­neh­mens­fi­nan­zie­rung auf Ba­sis der Block­chain-Tech­no­lo­gie, Wies­ba­den, Sprin­ger Gabler

Wang, Z., Wang, L., Do­u­nis, A.I. and Yang, R. (2012), “Mul­ti-agent con­t­rol sys­tem with in­for­ma­ti­on fu­si­on ba­sed com­fort mo­del for smart buil­dings”, Ap­plied En­er­gy, Vol. 99, pp. 247-254.

https://​www.​bafin.​de/​Sha​redD​ocs/​Veroeffent­li­chun­gen/DE/Fach­ar­ti­kel/2017/fa_b­j_1711_I­CO.html

https://​www.​bcg.​com/​pub​lica​tion​s/​2017/​process-​ind​ustr​ies-​eng​inee​red-​pro​duct​s-​bim-​rev​olut​ion- comes-building-materials.aspx#chapter4

http://​www.​caimmo.​com/​de/​presse/​news/​artikel/​ca-​immo-​feiert-​ric​htfe​st-​fuer-​cube-​berlin-​das- smart-building-erhaelt-wiredscore-zertifizierung-in/

https://​www.​coi​nsch​edul​e.​com/​stats.​html?​yea​r=201​8

https://​www.​pwc.​de/​de/​real-​estate/​digital-​real-​estate/​kue​nstl​iche-​int​elli​genz-​in-​der- immobilienbranche.html

https://​www.​str​ateg​yand.​pwc.​com/​media/​file/​Str​ateg​yand​_​Make-​or-​buy-​sound-​dec​isio​n- making.pdf

https://​www.​siemens.​com/​inn​ovat​ion/​de/​home/​pic​ture​s-​of-​the-​future/​dig​ital​isie​rung-​und- software/digitale-assistenten-zivile-drohnen-als-bauleiter.html

 

 

 

 

Die Autorin
Bild: Katarina Adam
Prof. Dr. Katarina Adam
Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
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