24.08.2018
Felix Embacher

Fach-Dialog Mikrowohnen

Wie entwickeln sich die "Micro-Living-Märkte" weiter?

Lesen Sie das Interview mit Felix Embacher, Partner bei bulwiengesa, wie sich die Märkte für Studentenwohnen und Serviced Apartments entwickeln. Die Fragen beziehen sich auf die Studie 2018 von bulwiengesa und Union Investment „Micro-Living in Europa“.

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Herr Em­ba­cher, Sie ha­ben zu­sam­men mit Uni­on In­vest­ment die eu­ro­päi­schen Märk­te un­ter­sucht. Wo ste­hen wir in Deutsch­land im Ver­gleich zu an­de­ren Län­dern bei dem Seg­ment Mikrowohnen?

Fe­lix Embacher: Deutsch­land pro­fi­tiert von sei­ner wirt­schaft­li­chen Stär­ke und sei­ner Viel­zahl an in­ter­es­san­ten In­ves­ti­ti­ons­stand­or­ten. Die An­ge­bots­sei­te im Woh­nungs­bau ten­diert zu­neh­mend ge­ra­de in Me­tro­po­len und Gro­ß­städ­ten in Rich­tung Apart­ments und kommt da­mit den sich wan­deln­den Wohn­be­dürf­nis­sen ur­ba­ner Ziel­grup­pen nach. Die Nach­fra­ger­sei­te ist so­wie­so im­mer schnel­ler als die Bau­tä­tig­keit und nimmt die­se Pro­duk­te über­wie­gend sehr gut an. Mit­un­ter ist aber auf der Ent­wick­ler­sei­te ein ge­wis­ser Her­den­trieb zu er­ken­nen, der da­zu führt, dass ei­ni­ge Stand­or­te heu­te be­reits sehr gut mit spe­zi­ell hö­her­prei­si­gen Apart­ments ver­sorgt sind.

Im Ver­gleich zu an­de­ren eu­ro­päi­schen Län­dern ist in die­sem Markt­seg­ment Deutsch­land mal nicht die „Lo­ko­mo­ti­ve“ – spe­zi­ell im Be­reich Stu­den­ten­woh­nen hat UK un­ein­hol­bar die Na­se vor­ne und im Be­reich Ser­vi­ced Apart­ments ist Frank­reich viel kon­so­li­dier­ter – bie­tet aber den­noch span­nen­de In­vest­ment­chan­cen und den bes­ten Ren­di­te­gap zu Staatsanleihen.

Wo lie­gen die In­vest­ment-Hot­spots bei Stu­den­ten­woh­nen und Ser­vi­ced Apartments?

Fe­lix Embacher: Im Be­reich Stu­den­ten­woh­nen ist UK ganz klar der eu­ro­päi­sche Hot­spot. Die dor­ti­ge Markt­pro­fes­sio­na­li­tät und Aus­dif­fe­ren­ziert­heit hin­sicht­lich An­ge­bot und In­vest­ments ist sonst nur mit den USA zu ver­glei­chen. Die eu­ro­päi­schen Kern­märk­te se­hen wir mit se­lek­ti­ven Markt­po­ten­zia­len, auf­stre­ben­de Märk­te bie­ten Nach­hol­po­ten­zia­le und hö­he­re Renditen.

Da­ge­gen ist im Seg­ment Ser­vi­ced Apart­ments Deutsch­land der In­vest­menthot­spot, was ins­be­son­de­re an der aus­dif­fe­ren­zier­ten Be­trei­ber­struk­tur und an der Tat­sa­che liegt, dass die Be­trei­ber nur in den sel­tens­ten Fäl­len auch Ei­gen­tü­mer der Im­mo­bi­lie sind. Im eu­ro­päi­schen Kon­text se­hen wir hö­he­re Ren­di­ten und Wachs­tums­po­ten­zia­le auch in Kern­märk­ten, auf­stre­ben­de Märk­te bie­ten noch First-Mover-Chancen.

Wo se­hen Sie am meis­ten Po­ten­zi­al für wei­te­res Wachs­tum? Wel­che Stand­or­te und „Pro­dukt­klas­sen“ sind zu­künf­tig attraktiv?

Fe­lix Embacher: Im Be­reich Stu­den­ten-/Busi­nes­sa­part­ments liegt ins­be­son­de­re in Deutsch­land noch viel Po­tenzial, spe­zi­ell im mitt­le­ren Preis­seg­ment. In den klei­ne­ren Märk­ten Ös­ter­reichs, Po­lens, Schwe­dens, Spa­ni­ens und Ir­lands sind die In­vest­ment­po­ten­zia­le per se li­mi­tiert, kön­nen aber bei sehr gu­ten Ob­jekt- und Stand­ort­ei­gen­schaf­ten ei­ne sinn­vol­le Al­ter­na­ti­ve sein, so­fern die lo­ka­le Woh­nungs­markt­si­tua­ti­on im Apart­mentsegment eher an­ge­spannt ist.

Im Seg­ment Ser­vi­ced Apart­ments wei­sen die Nie­der­lan­de, Großbri­tan­ni­ens, Frank­reich und Deutsch­land gu­te bis sehr gu­te Mög­lich­kei­ten für In­vest­ments hin. Pro­jek­te un­ter­schied­li­cher na­tio­na­ler und in­ter­na­tio­na­ler An­bie­ter sind in Pla­nung, Markt­ein­trit­te ste­hen teil­wei­se bevor.

Was sind die Trei­ber neu­er, in­no­va­ti­ver Kon­zep­te und was lei­ten Sie dar­aus für die Zu­kunft ab?

Fe­lix Embacher: Be­son­ders span­nend fin­de ich al­le Kon­zep­te, die au­ßer­halb der „sor­ten­rei­nen“ Stu­den­ten- oder Ser­vi­ced Apart­ments lie­gen und Ziel­grup­pen an­spre­chen, die mit­ten im Le­ben ste­hen und nicht nur be­ruf­lich be­ding­te tem­po­rä­re An­mie­tungs­grün­de ha­ben. Ge­ra­de im Be­reich Co-Li­ving se­hen wir span­nen­de Ent­wick­lun­gen, die dem Mi­cro Li­ving Seg­ment ei­nen neu­en Schub ge­ben und es für neue Ziel­grup­pen öff­nen können.

 

Hier fin­den Sie die aus­führ­li­che Stu­die "Mi­cro-Li­ving in Eu­ro­pa" von Uni­on In­vest­ment und bulwiengesa.

Der Autor
Quelle: bulwiengesa AG
Felix Embacher
Bereichsleiter
BulwienGesa AG
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