13.07.2018
Michael Ehret FRICS

Wie bleibt die Region München Süd-West zukunftsfähig?

Silicon Lake statt Silicon Valley

Ist München sexy, modern und schnell genug? Diese Frage bekomme ich gestellt, wenn wir in Grundstücke investieren, Projekte initiieren und Nutzungskonzepte für Quartiere in der Region um München herum neu denken.

Wenn es um Trends für Woh­nen und Ar­bei­ten, wenn es um die An­sie­de­lung der krea­ti­ven Sze­ne geht, bli­cken wir ger­ne in die USA oder ver­glei­chen Mün­chen all­zu oft mit dem „hip­pen Ber­lin“. Da­bei hat ge­ra­de un­se­re Re­gi­on im Münch­ner Süd-Wes­ten nach­weis­lich all das, was ei­ne le­bens­wer­te Re­gi­on ausmacht.

For­bes hat kürz­lich in sei­ner 12. Aus­ga­be des „Mo­no­cle - Qua­li­ty of Life Sur­vey“ Mün­chen zur welt­weit le­bens­wer­tes­ten Stadt ge­kürt - und das vor To­kio, Wien, Zü­rich, Ko­pen­ha­gen, Ber­lin, Ma­drid und Mel­bourne. Die Stu­die ver­gleicht jähr­lich gro­ße und klei­ne Städ­te, un­ter an­de­rem im Hin­blick auf Work-Life Ba­lan­ce, glück­li­che Be­woh­ner und ein ef­fek­ti­ves öf­fent­li­ches Trans­port­sys­tem. Des Wei­te­ren aus­schlag­ge­bend für den ers­ten Platz ist die ho­he In­ter­na­tio­na­li­tät mit 18 Uni­ver­si­tä­ten und ei­nem hö­he­ren pro­zen­tua­len An­teil an in­ter­na­tio­na­len Be­woh­nern als Ber­lin. Die Stadt und ih­re Re­gi­on ha­ben Strahl- und Anziehungskraft.

Die Be­sin­nung auf die Be­ga­bun­gen der Me­tro­pol­re­gi­on Mün­chen – mit ih­ren viel­fäl­ti­gen Land­krei­sen, der Lan­de­haupt­stadt Mün­chen so­wie den cha­rak­ter­vol­len Ge­mein­den und Städ­ten - - hat nam­haf­te Un­ter­neh­men da­zu ver­an­lasst, ge­ra­de im Süd-Wes­ten zu ex­pan­die­ren und ih­ren Stand­ort ge­nau in die­ser Re­gi­on zu fes­ti­gen. Seit ge­rau­mer Zeit zeich­net sich ab, dass jun­ge Un­ter­neh­men und Spin-Offs eta­blier­ter Un­ter­neh­men und Hoch­schu­len sich an­sie­deln und am Stand­ort ver­wur­zeln, be­zie­hungs­wei­se sich ver­grö­ßern. Was wir fest­stel­len ist, dass Stand­ort­ent­schei­dun­gen im­mer stär­ker für die Mit­ar­bei­ter ge­trof­fen wer­den und des­halb Ur­ba­ni­tät und Le­bens­qua­li­tät auch in der Re­gi­on ge­sucht werden.

Un­se­re Be­ob­ach­tung ist, dass nicht nur die an­säs­si­gen, er­folg­rei­chen Welt­markt­füh­rer in der Re­gi­on Süd-West die krea­ti­ve Eli­te im­mer stär­ker an­zie­hen und hal­ten. Im schnell­le­bi­gen und di­gi­ta­len Zeit­al­ter ist in der Re­gi­on die not­wen­di­ge Rück­zugs­mög­lich­keit ge­bo­ten, um die Work-Life-Ba­lan­ce tat­säch­lich le­ben zu kön­nen. Dies ge­schieht, oh­ne auf Kom­fort, In­di­vi­dua­li­tät, Kul­tur und Mo­der­ne ver­zich­ten zu müs­sen. Auch der Stand­ort­fak­tor Si­cher­heit wird in der Re­gi­on rund um Mün­chen stark wahr­ge­nom­men. Fa­zit ist: Un­ter­neh­men in der Re­gi­on Süd-West wach­sen und su­chen Fach­kräf­te und Aus­zu­bil­den­de. Ei­ne Ar­beits­lo­sen­quo­te un­ter 4% und noch nied­ri­ger bei jun­gen Ar­beits­kräf­ten ver­deut­licht dies.

Durch flä­chen­de­cken­de und leis­tungs­fä­hi­ge Da­ten­net­ze kann von je­dem Stand­ort aus ge­ar­bei­tet wer­den. Neue For­men der Mo­bi­li­tät ent­ste­hen und wer­den durch die Un­ter­neh­men auch oft pri­vat ge­för­dert. Lan­ge Weg­stre­cken zur Ar­beit und Pen­del­fahr­ten in die Bal­lungs­räu­me hin­ein wer­den so deut­lich optimiert.

Wir von eh­ret + klein stel­len uns als Pro­jekt­ent­wick­ler un­er­müd­lich die Fra­ge, wie schaf­fen wir mit dem vor­herr­schen­den krea­ti­ven Mi­lieu ei­nen Mo­tor für die ur­ba­ne Ent­wick­lung der Re­gi­on? Wel­che An­sprü­che an Auf­ent­halts­qua­li­tä­ten, Ar­beits­um­ge­bun­gen, Ar­chi­tek­tur und In­di­vi­dua­li­tät stel­len jun­ge, krea­ti­ve und eta­blier­te Un­ter­neh­men und ih­re Mit­ar­bei­ter? Wie wer­den künf­ti­ge Ge­ne­ra­tio­nen, die sich zur Sze­ne ent­wi­ckeln, le­ben und auch ar­bei­ten wol­len? Wo ge­nau liegt die Be­ga­bung der Re­gi­on, und wor­an er­kennt man gu­te Quartiere?

Wir ha­ben es uns zur Auf­ga­be ge­macht, Zu­kunfts-Trends und Le­bens­mo­del­le zu er­ken­nen, ent­spre­chen­de Nut­zungs­kon­zep­te zu ent­wi­ckeln und in en­ger Zu­sam­men­ar­beit mit den Ak­teu­ren vor Ort und den zu­künf­ti­gen Nut­zern in nach­hal­ti­ge Kon­zep­te und Ar­chi­tek­tu­ren zu übersetzen.

Die an­ony­men, aus­tausch­ba­ren Un­ter­neh­mens- und Ar­beits­wel­ten un­se­rer Städ­te und die kom­mer­zi­el­le Ar­chi­tek­tur wer­den im­mer un­be­lieb­ter und sind oft­mals sinn­los ge­ras­ter­te Hül­len oh­ne Wert. Ar­chi­tek­tur soll­te aus der In­ter­ak­ti­on mit Bür­gern, Nut­zern und Nach­bar­schaf­ten ent­ste­hen, um An­ker­plät­ze und Or­te zu schaf­fen, in­di­vi­du­el­le Adres­sen zu bil­den und um den Nut­zern die Iden­ti­fi­ka­ti­on zu er­mög­li­chen und die Wer­tig­keit des Or­tes zu ver­mit­teln. Ar­beit, Frei­zeit und pri­va­tes Le­ben ver­schmel­zen na­he­zu und fin­den in ein- und der­sel­ben Re­gi­on statt.

Auch Mün­chen und sein Um­land sind mo­dern und stän­dig in Be­we­gung. Die Be­woh­ner ar­bei­ten in die­ser Welt lo­kal, glo­bal und di­gi­tal. Wir be­we­gen uns heu­te im­mer stär­ker in di­gi­ta­len, so­zia­len Net­zen, stark be­schleu­nigt von der In­for­ma­ti­ons­flut. Wir brau­chen die Mög­lich­keit zum Rück­zug, Or­te der Ru­he, Si­cher­heit und Ge­bor­gen­heit. Wir müs­sen Puf­fer­zo­nen schaf­fen zwi­schen Pri­vat und Öf­fent­lich - aber gleich­zei­tig lö­sen sich Ar­beits- und Pri­vat­welt im­mer mehr auf. Nut­zer wol­len ihr so­zia­les Um­feld als Gan­zes mit­ge­stal­ten - und zwar in un­mit­tel­ba­rer Nähe.

Und im­mer wie­der schau­en wir in die USA, an­statt uns auf uns zu be­sin­nen. Si­li­con Val­ley ist ein be­deu­ten­der Stand­ort der IT- und High-Tech-In­dus­trie und ge­hört zur Me­tro­pol­re­gi­on San Fran­cis­co. Die Ent­wick­lung war und ist ge­trie­ben durch die Uni­ver­si­tä­ten und die Eta­blie­rung von Un­ter­neh­men, die sich aus und mit der Hoch­schul­land­schaft wei­ter­ent­wi­ckel­ten. Te­ckies, Hip­pies, Life­style und viel Na­tur tru­gen da­zu bei, dass sich dort die krea­ti­ve Eli­te wohl fühlt. Die Re­gi­on hat Un­ter­neh­men und In­no­va­tio­nen her­vor­ge­bracht und zeigt uns auf, wel­che Wir­kun­gen aus dem di­gi­ta­len Wan­del auf uns zu­kom­men. Wir sind wie ge­bannt über die Er­folgs­re­zep­te und Trei­ber die­ser boo­men­den Internetwirtschaft.

Wir kön­nen vom Si­li­con Val­ley ler­nen und soll­ten es nicht ko­pie­ren. Wir ver­ei­nen zwi­schen den Se­en im Mün­che­ner Süd-Wes­ten eta­blier­te Welt­markt­füh­rer aus In­dus­trie und Dienst­leis­tung, hoch­schul­ba­sier­te und pri­va­te For­schungs- und Ent­wick­lungs­zen­tren, hip­pe Start-Ups und die klu­ge, krea­ti­ve Szene.

Stadt- so­wie Quar­tiers­ent­wick­lung und die da­mit ein­her­ge­hen­de, ur­ba­ne Pro­jekt­ent­wick­lung sind für uns mit viel Neu­gier­de ver­bun­den; und es gilt zur Rea­li­sie­rung nach­hal­ti­ger Pro­jek­te neue Or­te zu ent­de­cken. Ge­fragt sind in­no­va­ti­ve Ge­samt­stra­te­gi­en zum The­ma Woh­nen, Di­gi­ta­li­sie­rung, Mo­bi­li­tät, Ge­sund­heit, Bil­dung so­wie neu­es Arbeiten.

De­zen­tra­le, un­ent­deck­te Or­te mit gro­ßem Po­ten­ti­al zu fin­den und preis­be­wusst qua­li­täts­reich Neu­es zu schaf­fen ist at­trak­tiv für die Un­ter­neh­mens­an­sied­lung und die Ent­ste­hung neu­er Quar­tie­re. Die krea­ti­ven Un­ter­neh­men, jun­ge eben­so wie eta­blier­te, agie­ren wie Schwär­me, sie be­fin­den sich al­le in dy­na­mi­schen Entwicklungsprozessen.

Wir müs­sen Si­li­con Val­ley nicht ko­pie­ren – son­dern kapieren!

Der Autor
Quelle: Ehret + Klein Real Estate Competence GmbH
Michael Ehret FRICS
Geschäftsführer
ehret + klein
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