01.06.2018
Mario Sander

7. Deutscher Logistikimmobilien-Kongress 2018

Flächenknappheit als Herausforderung für City Logistik

In einer Zeit, in der der E-Commerce-Anteil bald rund ein Fünftel des gesamten Einzelhandelsvolumens in Deutschland ausmacht, steigt die Nachfrage nach Logistikzentren rapide an.

Al­lei­ne im Jahr 2017 wur­den in Deutsch­land Wa­ren im Wert von 58,5 Mil­li­ar­den Eu­ro über den On­line-Han­del ver­kauft, was ei­ne Stei­ge­rung von elf Pro­zent aus­macht. Ei­ne der wirk­li­chen Her­aus­for­de­run­gen hier­bei ist die Flä­chen­knapp­heit und man­geln­de In­fra­struk­tur in­ner­halb der Großstädte.

Ein The­ma, mit dem sich der Re­al Es­ta­te Be­reich der Zech Group be­schäf­tigt.  Da­bei geht es um Kon­zep­te, wo Woh­nen, Ar­bei­ten, Han­del und Lo­gis­tik kom­bi­niert wer­den kön­nen. In­halt­lich auf je­den Fall ein wich­ti­ger Fak­tor in der Zu­sam­men­ar­beit von Städ­te­pla­nern und Projektentwicklern.

Schaf­fung ge­eig­ne­ter Rahmenbedingungen

Mit­hil­fe von mehr­ge­schos­si­gen Lo­gis­ti­k­im­mo­bi­li­en be­geg­net man in ame­ri­ka­ni­schen und asia­ti­schen Me­tro­po­len be­reits dem wach­sen­den Flä­chen­be­darf bei stei­gen­den Grund­stücks­prei­sen. So ist es in Asi­en be­reits üb­lich, dass Lo­gis­ti­k­im­mo­bi­li­en über vier bis sechs Stock­wer­ke ge­baut wer­den. Das Be­son­de­re hier­bei ist, dass über äu­ße­re Ram­pen auch LKWs pro­blem­los die obe­ren Ebe­nen er­rei­chen kön­nen. Da­für müs­sen bei uns al­ler­dings noch die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen ge­schaf­fen wer­den da­mit wir die­se Art der Lo­gis­ti­k­im­mo­bi­lie auch rea­li­sie­ren kön­nen. Bes­se­re Ver­kehrs­an­bin­dun­gen und kür­ze­re Ar­beits­we­ge für Mit­ar­bei­ter sind da­bei nur zwei Ar­gu­men­te, die da­für­spre­chen, Un­ter­neh­men in ei­ner städ­ti­schen Um­ge­bung anzusiedeln.

Stei­gen­de Grund­stücks­prei­se ver­sus kos­ten­freie Retouren

Die im­mer teu­rer wer­den­den Grund­stü­cke brin­gen aber nicht nur den Be­darf nach neu­en Kon­zep­ten für Lo­gis­ti­k­im­mo­bi­li­en mit sich, die kom­plet­te Lo­gis­tik­bran­che ge­rät da­durch enorm un­ter Druck. Bei Re­tou­ren­quo­ten von bis zu 80% im E- Com­mer­ce Be­reich, die bei vie­len Fir­men kos­ten­frei für den Käu­fer be­ar­bei­tet wer­den, ist es um­so wich­ti­ger kom­mer­zi­el­le und lo­gis­ti­sche Sicht­wei­sen un­ter ei­nen Hut zu brin­gen. So­mit fällt die Stand­ort­ent­schei­dung nicht im­mer auf den für das Ta­ges­ge­schäft bes­ten, son­dern auf den ver­meint­lich wirt­schaft­lich sinn­volls­ten Stand­ort, was wie­der­um im Kon­flikt mit dem Ziel im­mer kür­ze­ren Lie­fer­zei­ten steht.

In­fra­struk­tur für zu­künf­ti­ge E-Mobilität

Auch bei an­de­ren In­fra­struk­tur­pro­jek­ten ha­ben vie­le Städ­te Auf­hol­be­darf. E-Mo­bi­li­ty wird zu­künf­tig zen­tra­ler Be­stand­teil ei­nes smar­ten und res­sour­cen­scho­nen­den ur­ba­nen Le­bens­stils sein. Nicht nur Pri­vat­per­so­nen, auch Trans­port­un­ter­neh­men neh­men sich im­mer mehr die­sem The­ma an. Be­nö­tigt wird hier­für ein flä­chen­de­cken­des Netz an La­de­sta­tio­nen mit ei­ner ein­heit­li­chen Nut­zungs­struk­tur. In Deutsch­land wür­de bei ei­nem gänz­li­chen Um­stieg auf E-Mo­bi­li­tät zwi­schen 20 – 25% mehr Strom not­wen­dig sein. Die­se Vor­aus­set­zun­gen zu er­fül­len be­darf ei­ner lang­fris­ti­gen Planung.

Fa­zit

Städ­te und Län­der sind gut be­ra­ten, wenn sie bei der zu­künf­ti­gen Pla­nung und Ent­wick­lung ih­rer In­fra­struk­tur das Span­nungs­drei­eck In­dus­trie, Bür­ger und Po­li­tik im gleich­wer­ti­gen Aus­tausch be­rück­sich­ti­gen und hier­bei auch be­reit sind, über den be­rühm­ten „Tel­ler­rand“ hin­aus zu schau­en.  Al­le Par­tei­en kön­nen da­von pro­fi­tie­ren, wenn zu­künf­tig mehr Platz für wei­te­re Be­triebs­stät­ten – auch in Bal­lungs­räu­men ge­schaf­fen wird.

Ein gu­tes Bei­spiel hier­für ist die Ös­ter­rei­chi­sche Haupt­stadt Wien. Hier hat man früh­zei­tig er­kannt, dass es zu­künf­tig für das wirt­schaft­li­che Wachs­tum wich­tig ist, grö­ße­re Flä­chen in­ner­halb der Stadt für Be­triebs­stät­ten zu si­chern. So sieht das dor­ti­ge Fach­kon­zept „Pro­duk­ti­ve Stadt“ vor, ehe­ma­li­ge Pro­duk­ti­ons­flä­chen auch zu­künf­tig für Ge­wer­be­an­sied­lun­gen wie­der nutz­bar zu ma­chen und so­mit ei­ne Trend­um­kehr zur Wohn­be­bau­ung zu schaf­fen.  Die­se Maß­nah­me soll für ein kla­res Be­kennt­nis zur In­dus­trie und Wirt­schaft in­ner­halb der Stadt Wien sor­gen und neue Ar­beits­plät­ze für die Bür­ger schaf­fen und sichern.

Der Autor
Quelle: Deutsche Logistik Holding GmbH & Co. KG
Mario Sander
Geschäftsführer
Deutsche Logistik Holding GmbH & Co. KG
Deutsch
USD