30.04.2018
Robert Franke

"Dresden ist auf dem Weg zu einer der führenden Smart Cities in Europa. Durch Innovation und neue Technologien gestalten wir die Stadt zukunftsfähig."

Smart City Dresden

Ob Verkehr, Energie oder Wohnen: in Dresden soll künftig alles "smart" werden. Ob man an der Elbe nur einem Hype hinterherrennt oder sich dahinter mehr verbirgt, haben wir Dr. Robert Franke, Leiter der Wirtschaftsförderung Dresden, gefragt.

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Herr Franke, Dresden soll zur „smartesten City Europas“ werden. Was ist damit gemeint?

Alle Städte stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Die bestimmenden Themen sind Energie, Digitalisierung und Mobilität. Unser Ziel ist es, eine intelligente, saubere Stadt zu schaffen, die den Herausforderungen des Klimawandels, den Herausforderungen der Zukunft insgesamt begegnen kann. Wir wollen das urbane Umfeld neu gestalten und die Lebensqualität durch Innovationen und neue Technologien verbessern.

Wir beteiligen uns daher u. a. an einem großen Smart City-Projekt, das von der EU gefördert wird. Hier sind wir eine sogenannte Lighthouse City, d. h. von unseren Erkenntnissen werden andere Städte profitieren und diese für ihre Wandlungsprozesse nutzen. Aufgrund der starken Technologiekompetenz unserer Forschungseinrichtungen und Unternehmen sind wir in der Lage, praktikable Lösungen zu entwickeln, die anderen Städten als Vorbild dienen können. 28 Partner in 8 verschiedenen Ländern bündeln in diesem Projekt ihre Kräfte.

 

"Smart Mobility“ bedeutet …?

Der Verkehr ist eine große Herausforderung für moderne Metropolen. Das gilt auch für Dresden. Über eine halbe Million Menschen leben in unserer Stadt, Tendenz steigend. Diese müssen intelligent bewegt werden, und zwar möglichst umweltfreundlich, komfortabel und schnell – ganz gleich, wie sie unterwegs sind. Digitale Vernetzung, autonomes Fahren, Leichtbaufahrzeuge, klimafreundliche Alternativantriebe, die Verknüpfung von Individual- und öffentlichem Verkehr, neue Mobilitätskonzepte – das bedeutet Smart Mobility.

 

Die Voraussetzungen für Dresden mit seiner Exzellenz-Universität und den Hochtechnologie-Unternehmen müssten doch eigentlich ideal sein?

Sie sind es! In Dresden werden die Zukunftstechnologien für die Mobilität von morgen und übermorgen erforscht, entwickelt und in die Anwendung gebracht. Die internationale Spitzenforschung an der Exzellenzuniversität TU Dresden - aber auch an den vielen außeruniversitären Forschungseinrichtungen - liefert die für die Mobilitätswende entscheidenden Technologien bei Mikroelektronik, Software, Energiemanagement, 5G-Mobilfunk, Leichtbau und intelligenten Werkstoffen. Dieses enorme Knowhow trifft hier in Dresden auf Anwender wie Volkswagen, Daimler und Bosch, welche dieses für ihre Innovationssprünge benötigen.

Nur ein Beispiel: Dresden ist der größte Halbleiter-Standort in Europa. Und Halbleiter sind eine Schlüsseltechnologie für die vernetzte Welt. Ohne Halbleiter könnte beispielsweise schon heute kein Auto mehr fahren. Aus Dresden kommen die Technologien für IoT-Anwendungen und die Mobilität der Zukunft. Das ist auch ein Grund, warum der Weltkonzern Bosch hier über einer Milliarde Euro in den Bau einer neuen Halbleiterfabrik investiert.

 

Wie funktioniert die Arbeitsteilung zwischen Stadt und Wirtschaft?

Ziel ist es, die Stadt, die Industrie und die Bürger zusammenbringen. Nehmen wir als Beispiel das EU-Smart City-Projekt MAtchUP. Wir bringen die Bedürfnisse der Einwohner mit den smarten Lösungen in Einklang. An diesem Prozess beteiligen wir die Bürgerinnen und Bürger. Damit wir unsere Vision aber umsetzen können, brauchen wir natürlich starke Partner vor Ort, die über das entsprechende Knowhow verfügen und die benötigten Technologien und Ressourcen bereitstellen. Als Stadt bieten wir sozusagen das Testfeld, schaffen Schnittstellen. Es ist insgesamt eine Teamarbeit, die wir also Stadt koordinieren und leiten. Ohne unsere Partner wäre das nicht möglich. Mit dabei sind: Vonovia, das Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI, die EA Systems Dresden GmbH, die DREWAG - Stadtwerke Dresden GmbH, die Dresdner Verkehrsbetriebe AG, die TU Dresden und außerdem noch Siemens, die Gläserne Manufaktur von Volkswagen und die STESAD GmbH. Gemeinsam gestalten wir unsere Zukunft.

 

Wie sieht die Smart City Dresden in 30 Jahren aus?

Beim Blick in die Glaskugel müssen wir gar nicht so weit in die Zukunft schauen. Schon jetzt tragen neue Technologien dazu bei, dass wir in der Stadt Maßnahmen effektiver umsetzen können und die gesetzten Ziele erreichen. Das soll in Zukunft natürlich noch viel stärker zu Tage treten. Ich kann mir gut vorstellen, dass in den Randbereichen der Stadt, wo keine klassischen ÖPNV-Angebote finanzierbar sind, autonomer Verkehr die Gegend erschließt. Wir werden uns auf jeden Fall über einen schadstoffarmen Individualverkehr freuen können, da wir über ein gut ausgebautes, stabiles Elektromobilitäts-Infrastrukturnetz verfügen werden. Zudem wird der Umstieg auf und die Nutzung neuer Mobilitätsdienstleistungen einfacher werden, da alle Anbieter eine gemeinsame Plattform nutzen.Und natürlich sind Dresdner Unternehmen weltweit bekannt und anerkannt für ihre Technologien und Marktführer mit ihren Produkten. Schon heute kommen aus Dresden Technologien und Produkte, die in IoT-Anwendungen in der industriellen Produktion, in neuen Mobilitätslösungen,in intelligenten Stromnetzen oder in der Gesundheitsbranche eingesetzt werden – und weltweit Standards setzen.

 

Erfahren Sie alles Rund um das Thema Smart City in Dresden am 26. Juni 2018 beim Immobilien-Dialog Dresden im felix im Lebendigen Haus.

Der Autor
Dr. Robert Franke
Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Dresden