27.04.2018
Heiko Meinen

Der Keynote-Speaker des 2. REAL INNOVATION im Interview

"Digitalisierung ist kein Selbstzweck"

Wie generiere ich mehr Kundennutzen? Wird die Immobilien zum Datensammler? Welche neuen Geschäftsmodelle entstehen aus der digitalen Transformation? Prof. Dr. Heiko Meinen von der Hochschule Osnabrück weiß es ...

Quelle: Heuer Dialog

Herr Prof. Meinen, ist die Immobilienwirtschaft innovativ?

Wie an den vielen StartUps zu erkennen ist, gibt es eine starke Innovationskraft, die oftmals aber durch branchenfremde Akteure getrieben wird. Für die Immobilienwirtschaft ist nun wichtig zu erkennen, welche der Innovationen im Zusammenhang mit den vorhandenen Geschäftsmodellen genutzt bzw. zur Veränderung der Branche führen können und somit adaptiert werden sollten.

 

Sie sagen, der Kundenutzen müsse am Anfang jeder Innovation stehen. Warum?

Als Hochschullehrer bin ich einerseits der Meinung, dass Innovationen selbstverständlich zunächst auch ohne Bezug zu wirtschaftlichen Zielsetzungen entstehen dürfen und müssen. Damit wird eine hohe Vielfalt ermöglicht und längerfristiger Wandel unterstützt, ohne Notwendigkeit des kurzfristigen Erfolgs.

Andererseits müssen sich heute alle Unternehmensbereiche auf den Kundennutzen ausrichten, um erfolgreich und profitabel sein zu können sowie im Wettbewerb zu bestehen. Mir erscheint Digitalisierung aktuell zu oft Selbstzweck zu sein. Im unternehmerischen Sinne kann sie nur sinnvoll werden, wenn sie den Kundennutzen unterstützt und somit dem Zielsystem des Unternehmens folgt. Daher hängen Innovation und Kundennutzen eng miteinander zusammen.

 

Können Sie uns Beispiele geben? Welche Use Cases schweben Ihnen vor?

Ich sehe hier drei Ebenen:

  1. Welche digitale Innovation hilft bei der Optimierung vorhandener Geschäftsprozesse (z.B. BIM)?
  2. Wie können Neuerungen dabei helfen, das Geschäft zu erweitern (z.B. Big Data-Nutzung)?
  3. Welche zusätzlichen Geschäftsmodelle können durch den digitalen Wandel entstehen und inwiefern verändern sie das traditionelle Geschäft oder machen es überflüssig (z.B. Online-Makler, Einzelhandel, Musikwirtschaft)?

 

Die Immobilie ist künftig losgelöst von ihrem Unterbringungszweck, sondern in erster Linie als Datensammler zu betrachten?

Das wohl nicht. Aber möglicherweise muss man sich von der einfachen Formel Ertrag je Quadratmeter mal Fläche abzgl. Kosten = Gewinn als einzige Grundlage für die Erfolgs- und Wertbestimmung verabschieden. Wenn Anleger den Wert der Daten erkennen, der aus Immobilien gewonnen werden kann, gibt es möglicherweise auch ganz andere Werttreiber und Player auf dem Markt.

 

Welche Impulse erhoffen sie sich vom 2. REAL INNOVATION?

Eine gute Diskussion, die zur Weiterentwicklung der Branche führt, wäre schön.

Der Autor
Prof. Dr. Heiko Meinen
Institut für nachhaltiges Wirtschaften in der Bau- und Immobilienwirtschaft, Hochschule Osnabrück