20.04.2018
Christian Tackenberg

Die großen Anbieter spekulieren mehr und mehr auf große Unternehmen statt (nur) auf Startups und Freelancer

Coworking wird erwachsen

Coworker waren 2017 für die größten Abschlüsse in fast allen Top-7-Städten verantwortlich. Doch die jungen Aufsteiger wollen mehr.

"Die Flä­chen­ver­mie­tung ist Ge­schich­te!" Die­se An­sa­ge muss­ten die Teil­neh­mer erst mal sa­cken las­sen. Mit sei­nen The­sen zur Zu­kunft der Ar­beit und des Bü­ros zog der Stutt­gar­ter Self­made­man und Co­wor­king-... Ver­zei­hung, Spaces-An­bie­ter Hei­ner Scholz von der LIVE AT GmbH die Zu­hö­rer in sei­nen Bann. Will er doch nicht we­ni­ger als den Re­al-Es­ta­te-Markt re­vo­lu­tio­nie­ren. Wenn Scholz recht be­hält, fal­len in den nächs­ten zehn Jah­ren 50 Pro­zent der klas­si­schen Bü­ro­ar­beits­plät­ze weg und die ver­blei­ben­den ver­la­gern sich in krea­ti­ve Räume.

Und dass die gro­ßen Co­wor­king-An­bie­ter mehr und mehr ge­stan­de­ne Un­ter­neh­men als Nut­zer (auch der "Mie­ter" ist wohl bald Ge­schich­te) ge­win­nen will, be­ton­te auch Se­li­na Zeh­den von ren­t24. Man ha­de­re mit dem Be­griff Co­wor­king ("Hass­lie­be"), weil man sich eben nicht nur an Fre­e­lan­cer und jun­ge Start­ups rich­te, son­dern sich in­zwi­schen als voll­wer­ti­ger Bü­ro­an­bie­ter se­he - Com­mu­ni­ty inkusive.

Apro­pos Com­mu­ni­ty. Ob die Mit­ar­bei­ter ei­nes gro­ßen Un­ter­neh­mens, die, sa­gen wir als Pro­jekt­grup­pe, tat­säch­lich den krea­ti­ven Aus­tausch mit Un­ter­neh­mens­frem­den su­chen, sah ein an­de­rer Re­fe­rent skep­tisch: "Ab ei­ner ge­wis­sen kri­ti­schen Grö­ße des Teams wird das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­dürf­nis in­ner­halb des Un­ter­neh­mens be­frie­digt." Gro­ße Un­ter­neh­men su­chen in Co­wor­king-Spaces dem­nach vor al­lem zwei Din­ge: Fle­xi­bi­li­tät und ei­nen Rund­um-Ser­vice. Wenn die tem­po­rär an­ge­mie­te­ten Flä­chen dann noch ei­ne die Krea­ti­vi­tät an­re­gen­de Um­ge­bung bie­ten - um­so besser.

Dass Cor­po­ra­tes sich auch selbst hoch­mo­der­ne, mit­ar­bei­ter­freund­li­che Um­ge­bun­gen schaf­fen und wie die­se aus­se­hen kön­nen, er­fuh­ren die Teil­neh­mer in ein­drucks­vol­len Use Ca­ses. Ob Adi­das, Daim­ler, Al­li­anz oder Sie­mens: Zu­min­dest ih­re Krea­tiv­ab­tei­lun­gen wol­len Welt­kon­zer­ne an­ge­mes­sen un­ter­ge­bracht wis­sen. Zwei Trei­ber konn­ten für die­se Ent­wick­lung iden­ti­fi­ziert wer­den. Der Fach­kräf­te­man­gel - an­spre­chen­de Ar­beits­wel­ten sind ei­ne Waf­fe im "War for Ta­lents" - und die ge­än­der­ten Wer­te der "Ge­ne­ra­ti­on Y". Wäh­rend frü­her Geld und Sta­tus für die Be­rufs­wahl ent­schei­dend wa­ren, fragt die neue Ge­ne­ra­ti­on auch nach dem Sinn und dem 'Wie' ih­rer Ar­beit (Ge­ne­ra­ti­on "Why?").

Auf­fal­lend war die Ru­he wäh­rend des ge­sam­ten Ta­ges, al­le hör­ten ge­spannt zu und vie­le Teil­neh­mer mach­ten sich No­ti­zen. Ob Be­stands­hal­ter, Pro­jekt­ent­wick­ler, Be­ra­ter oder Fi­nan­zie­rer: Sie al­le woll­ten sich ei­nen Ein­druck ver­schaf­fen, ob Co­wor­king nur ein Trend ist oder ei­ne an­hal­ten­de Ent­wick­lung und vor al­lem wie sie re­agie­ren müssen.

Zu­min­dest die ers­te Fra­ge konn­te die Ver­an­stal­tung zu­frie­den­stel­lend beantworten.

Co­wor­king bleibt.

Der Autor
Heuer Dialog
Christian Tackenberg
Projektleiter
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