13.04.2018
Manuel Jahn

Ist der Kunde weg oder nur woanders?

Abstimmung mit den Füßen

Schlimmer als keine Daten sind für Kaufleute falsche oder zweifelhafte. Mit der Ankündigung der Aachener Grundvermögen, vor den eigenen Immobilien insg. 150 Lasermessanlagen zu installieren, wird zum Thema Innenstadtfrequenzen ein neues Kapitel geöffnet.

Der Fonds­in­itia­tor und Fonds­ma­na­ger, der seit über 40 Jah­ren fo­kus­siert in eta­blier­te und ge­wach­se­ne in­ner­städ­ti­sche Ein­kaufs­la­gen in­ves­tiert, möch­te sich nicht län­ger auf Stich­tags­an­ga­ben der Mak­ler­häu­ser oder gar das La­men­tie­ren sei­ner Mie­ter verlassen.

Kon­sum­for­scher be­mer­ken bei der re­gel­mä­ßi­gen Aus­wer­tung ih­rer Con­su­mer Pa­nels schon seit län­ge­rem, dass die Ein­kaufs­häu­fig­keit ins­ge­samt zu­rück­geht. Aber Re­tail ist De­tail, und so ver­wun­dert es nicht, dass die Si­tua­ti­on in ver­schie­de­nen Bran­chen, Be­triebs­ty­pen oder La­gen des deut­schen Ein­zel­han­dels gro­ße Un­ter­schie­de of­fen­bart. Seg­men­te, in de­nen der On­line­han­del nen­nens­wer­te Markt­an­tei­le hin­zu­ge­won­nen hat, sind na­tur­ge­mäß stär­ker von Kauf­zu­rück­hal­tung in phy­si­schen Lä­den be­trof­fen als an­de­re. Im Ge­gen­satz da­zu wer­den in ei­ni­gen La­den­ge­schäf­ten z. B. durch die Kunst der Ver­füh­rung auch hö­he­re Durch­schnitts­bons als frü­her ge­ne­riert; rück­läu­fi­ge Fre­quen­zen kön­nen so durch­aus auch aus­ge­gli­chen oder über­kom­pen­siert werden.

Und über­haupt: Wem nüt­zen ge­naue­re Fre­quenz­zah­len, wenn kei­ner­lei Un­ter­schied ge­macht wer­den kann zwi­schen kau­fen­dem und schau­en­dem Kun­den? So er­hö­hen Weih­nachts­märk­te, Os­ter­märk­te, Gro­ß­ver­an­stal­tun­gen oder De­mons­tra­tio­nen zwei­fels­oh­ne die Fre­quen­zen, was aber nicht zwangs­läu­fig zu mehr Um­satz in der La­den­kas­se führt, durch­aus das Ge­gen­teil be­deu­ten kann.

Die Ana­ly­se der nack­ten Um­satz­zah­len in den ver­schie­de­nen Ein­zel­han­dels­sor­ti­men­ten bringt da­ge­gen ganz ein­deu­ti­ge Be­fun­de, nach­zu­le­sen im ak­tu­el­len Ha­bo­na-Re­port und un­ter www.​habona.​de für Sie verfügbar:

So ha­ben im Zeit­raum 2012 – 2016 aus­ge­rech­net die für In­nen­städ­te und Fu­ß­gän­ger­zo­nen prä­gen­den Wa­ren­häu­ser um 6,8 %, Be­klei­dungs­ge­schäf­te um 5,8 % und das Sor­ti­ment Un­ter­hal­tungs­elek­tro­nik sta­tio­när so­gar um 28,1 % an Um­satz ver­lo­ren. Zum Ver­gleich: Im sel­ben Zeit­raum hat der Um­satz mit Le­bens­mit­teln und Dro­ge­rie­wa­ren um 10,1 % zu­ge­legt. Un­ab­hän­gig von den Pas­san­ten­fre­quen­zen ver­schiebt sich of­fen­bar das für lan­ge Zeit gül­ti­ge Ko­or­di­na­ten­sys­tem im deut­schen La­den­ein­zel­han­del: Struk­tu­rell ver­liert Non­food – und zwar über­wie­gend ins In­ter­net so­wie durch Preis­ver­fall, wäh­rend Food ge­winnt – und zwar aus der ge­wach­se­nen Freu­de der Kon­su­men­ten an Fri­sche, Qua­li­tät und Emo­ti­on. Da Food über­wie­gend de­zen­tral und wohn­ort­nah ein­ge­kauft wird, fin­det die­se Er­folgs­ge­schich­te über Auf­bruch und In­no­va­ti­on im Ein­zel­han­del weit­ge­hend oh­ne die In­nen­städ­te statt.

In­so­fern geht die Mü­he der rich­ti­gen Pas­san­ten­zäh­lung an der ei­gent­lich re­le­van­ten Fra­ge im Ein­zel­han­del weit vor­bei: Wie schaf­fen es Ein­zel­han­del, Han­dels­im­mo­bi­li­en­wirt­schaft und Stadt­pla­nung, in­ter­es­san­te, viel­fäl­ti­ge und über­ra­schen­de Or­te und An­ge­bo­te zu ent­wi­ckeln? Die­se Fra­ge und mög­li­che Ant­wor­ten möch­te ich ger­ne mit Ih­nen im Rah­men des kom­men­den Re­tail­er-Mee­tings am 8. Mai 2018 in der Stadt­hal­le Soest erörtern.

Der Autor
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Manuel Jahn
Head of Business Development
Habona Invest GmbH
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