04.02.2018
Yvonne Traxel

Niedrige Zinsen machen die (Immobilien-)Wirtschaft anfällig

Symposium Finanzierung

Wenn Thomas Meyer, Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Instituts und Kommentator der FAZ, von einer „Croupier-Wirtschaft“ spricht, wird man hellhörig. Was meint er damit?

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Im Kern spricht er von ei­nem auf­ge­bläh­ten Fi­nanz­sek­tor, der seit der Fi­nanz­kri­se 2007 im Ge­gen­satz zum pro­du­zie­ren­den Ge­wer­be nicht klei­ner ge­wor­den ist. Die EZB hat mit dem Kauf von An­lei­hen da­für ge­sorgt, dass sich in Eu­ro­pa ei­ne Kre­dit­bla­se bil­den konn­te, die den Fi­nanz­sek­tor er­nähr­te und das Rou­let­te-Spiel da­mit um­ge­kehrt hat: Der Fi­nanz­sek­tor gibt den Ton an, dem die Re­al­wirt­schaft folgt. Denn es gibt viel zu vie­le Crou­piers, die nun das Spiel be­stim­men. Die hoch ver­schul­de­tet „Crou­pier-Wirt­schaft“ ist je­doch an­fäl­lig für stei­gen­de Zin­sen. Die Zen­tral­ban­ken als Ka­si­no-Be­trei­ber kön­nen den An­stieg zwar ver­hin­dern. Aber kön­nen sie auch ei­ne Re­zes­si­on ver­hin­dern? Wohl kaum. Über Lö­sungs­we­ge für die EZB und das Nied­rig­zins-Di­lem­ma strei­ten sich die Experten.

Bit­co­in als di­gi­ta­le Wäh­rung umstritten

Ei­ne Kryp­to­wäh­rung wie Bit­co­in ist kein ge­setz­li­ches Zah­lungs­mit­tel. Trotz­dem er­lebt die di­gi­ta­le Wäh­rung, die in­ter­na­tio­na­le (Im­mo­bi­li­en-)Trans­ak­tio­nen an den Ban­ken vor­bei er­mög­licht, der­zeit un­ge­ahn­te Hö­hen – wenn­gleich mit star­ken Kurs­schwan­kun­gen. Bun­des­prä­si­dent Stein­mei­er sieht dar­in kei­ne Wäh­rung, son­dern „di­gi­ta­le Wett­spie­le", was der Han­del mit Bit­co­in ver­mut­lich auch ist. Denn es liegt na­he, dass der Hö­hen­flug Bit­co­in –ähn­lich wie stei­gen­den Prei­se bei Im­mo­bi­li­en und stei­gen­de Ak­ti­en­kur­se an den Bör­sen – ein Aus­druck der ak­tu­el­len Li­qui­di­täts­schwem­me im Markt ist.

Ob es hier zu ei­nem Crash kommt oder sich die Wäh­rung lang­fris­tig hält, bleibt ab­zu­war­ten. Zu­min­dest sind sich die Ex­per­ten ei­nig, dass die zu­grun­de lie­gen­de Tech­no­lo­gie der Block­chain zu­kunfts­wei­send ist und den Fi­nanz­sek­tor nach­hal­tig ver­än­dern wird. Schon jetzt gibt es Start-ups, die mit in­tel­li­gen­ten Platt­for­men neue Ge­schäfts­mo­del­le auf Ba­sis der Block­chain ent­wi­ckeln und für die Im­mo­bi­li­en- und Fi­nanz­wirt­schaft dis­rup­tiv sein werden.

Fol­gen für In­ves­to­ren und Projektentwickler

Die güns­ti­gen Ka­pi­tal­markt­kon­di­tio­nen ha­ben den Pro­jekt­ent­wick­ler­markt und das Ri­si­ko­ver­hal­ten ver­än­dert. In­sti­tu­tio­nel­le In­ves­to­ren, wie z. B. AXA Re­al Es­ta­te, stei­gen mit „For­ward Com­mit­ments" schon in der frü­hen Pha­se der Pro­jekt­ent­wick­lung in die Fi­nan­zie­rung mit ein, um sich bei Fer­tig­stel­lung den Im­mo­bi­li­en­kauf zu si­chern. Der Man­gel an Grund­stü­cken und Core Im­mo­bi­li­en hat mit da­zu ge­führt, dass die Ri­si­ko­be­reit­schaft ge­stie­gen ist. So spre­chen ei­ni­ge Markt­teil­neh­mer in­zwi­schen von sog. Ser­vice De­ve­l­opern, die ih­re Pro­jek­te ge­zielt für Pen­si­ons­kas­sen und Ver­si­che­run­gen ent­wi­ckeln. Der An­la­ge­druck ist groß, gu­te Im­mo­bi­li­en in A-La­gen hin­ge­gen rar.

Wo­hin führt die­se Ent­wick­lung? Wel­che Struk­tur der Fi­nan­zie­rung ist wann ge­eig­net? Ein Über­blick über In­stru­men­te wie Mez­za­ni­ne und an­de­re in­no­va­ti­ve For­men der Fi­nan­zie­rung ist si­cher­lich hilf­reich. Ich emp­feh­le den Be­such desSym­po­si­ums Fi­nan­zie­rung am 11. April 2018 in Frankfurt/Main.

 

Die Autorin
Bild: Heuer Dialog
Yvonne Traxel
Senior Projektleiterin
Heuer Dialog GmbH
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