15.12.2017
Gitta Rometsch

28. Jahresauftakt für Immobilienentscheider

Ruhe bewahren bei größter Belastung

Anna von Bötticher, Deutschlands erfolgreichste Apnoetaucherin in einem Gespräch mit unserer Geschäftsführenden Gesellschafterin Gitta Rometsch über sportliche und mentale Leistungen und persönliche Gedanken.

Auch ich bin Windsurferin und Yogalehrerin. Dennoch springe ich schon nach knapp einer Minute möglichst wieder auf mein Brett und das ozeanische Atmen, die sog. Ujjayi Atmung ist mir immer noch ein Rätsel. Mit großem Respekt und Bewunderung lese ich, was Apnoetaucher aus ihren Lungen ziehen können. Die Apnoetaucherin Anna von Bötticher beispielsweise taucht ohne Geräte, mit nur einem Atemzug und das sechs Minuten lang!

Frau von Bötticher, 6.12 Minuten, bis heute deutscher Rekord: Was denken Sie in diesen 6.12 Minuten? 

Da mir das reine Luftanhalten - auch Zeittauchen oder Statik genannt - schwer fällt, sind sechs Minuten hart für mich. Die ersten zwei Minuten kann ich mich treiben lassen, idealerweise lasse ich meinen Gedanken einfach freien Lauf. Danach wird es langsam schwieriger, Gedanken von "wie lange schon? Wie lange noch?" fangen an. Ich versuche, mich weiter abzulenken, indem ich mir ganz im Detail ausmale, wie ich beim Snowboarden bin: ganz allein, vor mir der perfekte Hang. Ich stehe auf, stoße mich ab, die erste Kurve, ich höre das Geräusch meiner Kante auf der hartgefrorenen Piste, spüre den Schnee der mir ins Gesicht fliegt. Damit bekomme ich eine Weile herum, die Zeit vergeht. Irgendwann aber wird es mühsam, man hat sehr stark das Bedürfnis, zu atmen. Dann durchzuhalten ist einfach Sport, ich arbeite mich in kleinen Abschnitten vorwärts, sage mir: komm, 15 Sekunden, das ist nichts, die schaffst du noch.... bis ich merke, jetzt muss ich wirklich auftauchen, oder aber einfach keine Lust mehr habe, mich zu quälen!

Was heißt das mental? 

Mental ist Statik ein Kraftakt für mich, da es mir einfach nicht liegt. Es ist aber sehr gutes Training, denn genau das zu tun, was man von Natur aus nicht so gut kann, ist oft besonders interessant. Dafür braucht man die größte mentale Stärke, denn man muss sich selbst auch noch motivieren und darf sich nicht erlauben, von vorn herein mit einem negativen "ich kann das eh nicht" Zustand an die Sache heran zu gehen. 

Was muss man bei dieser Sportart technisch beachten?

Wenn man einfach nur die Luft anhält, gibt es technisch erst mal nicht viel zu beachten - ausatmen, einatmen, Luft anhalten. Wer aber mehr will und wer vor allem in die Tiefe möchte, muss sich irgendwann mit dem Thema Druckausgleich in den Ohren befassen, das braucht Übung. Dazu kommt eine effektive Weise, sich zu bewegen - überflüssiger Energieaufwand verbraucht den wichtigen Sauerstoff. Man muss sich also sehr mit sich selber auseinandersetzen und lernen, sich ganz genau wahrzunehmen. Die Veränderungen festzustellen ist dann sehr interessant. Vor allem ist das Wichtigste: immer gut gesichert sein, niemals ohne einen Trainingspartner üben, auch nicht zuhause in der Badewanne!

 Was war Ihre absolute Grenzsituation?

Ich hatte einmal eine extreme Situation bei einem Weltrekordversuch in der Disziplin variables Gewicht, bei der man mithilfe eines Schlittens nach unten taucht, aber dann selber wieder nach oben schwimmt. Ein kleiner Fehler beim Druckausgleich in der Maske löste eine Kettenreaktion aus, die am Ende dazu führte, das ich in 40m ohnmächtig wurde. Ich wußte aber schon in 120m Tiefe, daß ich ein sehr großes Problem habe, ohne einordnen zu können, was es bedeutet. In dieser Tiefe den Gedanken zu haben: "es kann sein, daß ich es nicht schaffe" war schon extrem.

 Haben Sie schon einmal um Ihr Leben fürchten müssen? 

Sicher war der oben genannte Unfall meine größte Gefahr beim Tauchen. Ich hatte allerdings auch schon vorher kritische Situationen erlebt, noch beim Tauchen mit Gerät. Auch den Hurrikan Maria mitzumachen war nicht ganz ohne!

Als Zivilistin trainieren Sie Eliteeinheiten der Bundeswehr….und Manager. Was haben diese beiden Gruppen gemeinsam?

Wer sich auf hohem Niveau bewegt, ganz gleich, in welchem Bereich, kann es sich nicht leisten, zu sehr die Scheuklappen aufzuhaben. Ich erlebe hier Menschen, die mir durchaus mit - gesunder! - Skepsis begegnen, da sie gewohnt sind, sich erst mal ihr eigenes Bild zu machen. Sobald sie aber merken, dass sie etwas neues erleben oder wichtige Details dazu lernen können, sind sie extrem offen für alles, was ich vorschlage. Die Zusammenarbeit auf dieser Ebene ist eine wirkliche Herausforderung, die mir enorm viel Spaß macht. 

 

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Die Autorin
Gitta Rometsch
Geschäftsführerin
Heuer Dialog GmbH