13.10.2017
Angela Rüter

Zwischen Markt und Regulierung: Die Zeichen der neuen (Bau-)Zeit in Berlin

Berlin ist eine große Baustelle

Der Trend zur Urbanisierung hält an, doch in Deutschland wird weiterhin zu wenig gebaut. Vor allem die Hauptstadt tut sich schwer.

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Bis 2030 werden bei anhaltendem Zuzug knapp 194.000 neue Wohnungen in Berlin benötigt, so die Voraussagen von Experten. Berlin wächst, aber die Ungleichheit auch.

Kluge Stadtpolitik ist nun gefordert. Es braucht einen Schulterschluss zwischen öffentlicher Hand und der Privatwirtschaft sowie mehr Flächen - und zwar jetzt. Sendet Berlins Senatorin Katrin Lompscher die richtigen Signale aus? Oder werden falsche Rezepte lediglich neu aufgekocht? Hat der rot-rot-grüne Senat die passenden Antworten parat? Oder wird die Wohnungskrise zum Dauerzustand?

Der vom Senat in Auftrag gegebene Mietspiegel, prognostiziert erst einmal zum Teil kräftige Preissteigerungen. Senatorin Katrin Lompscher verbreitete auf der diesjährigen EXPO REAL dennoch Optimismus. Berlin braucht Akzeptanz für neues Stadtwachstum. Denn es kann ja nicht sein, dass „wenn ich ausziehe, habe ich verloren“. Der private Sektor sollte auf jeden Fall in den sozialen Wohnungsbau miteinbezogen werden.

Mehr Platz durch Verdichtung?!

Nur durch eine konsequente Verdichtung der Stadt ist der Bedarf überhaupt zu decken. In Baulücken, auf den Dächern und durch die Ergänzung bestehender Quartiere müssten Forschern zufolge, Jahr für Jahr, 3000 Wohneinheiten neu entstehen – bis zum Jahr 2030 insgesamt 42.000. Zur Deckung des kurzfristigen Bedarfs setzt Lompscher auch auf kommunale Unternehmen: „Die sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften sollen bis 2021 mit rund 30.000 Wohnungen knapp ein Drittel des Neubaus in Berlin stemmen“, so ihre Vorstellung.

Dann ist es aber auch unbedingt notwendig, dass in der wachsenden Stadt Berlin nicht mehr über das „Ob“ von Neubau diskutiert wird, sondern nur noch über das „Wie“. Die Partizipation, die die Senatorin ganz oben auf ihre Agenda gesetzt hat, müsse zugunsten einer politischen „Priorisierung von Neubau“ zurücktreten, so die einhellige Meinung vieler Marktteilnehmer.

Aber die derzeitige Lage stellte sich oftmals ganz anders dar. Mindestens neun bis zwölf Monate länger benötigten viele Wohnungsunternehmen für die Realisierung von Wohnungsbauten, sollten die Partizipationsverfahren nach den derzeit verhandelten „Standards“ eingeführt werden. Zu Recht fürchten die Unternehmen die Mehrkosten. „not in my backyard“ – so der Tenor vieler Bürger, die gegen Bauprojekte Widerspruch erheben.

Mietpreisbremse bremst nicht wirklich ausreichend

Die Mieten steigen und steigen, trotz Mietpreisbremse. Bei dieser Diagnose sind sich alle Parteien einig. Völlig uneins sind sie aber über die Konsequenzen: Druck auf Vermieter erhöhen oder Mietpreisbremse abschaffen? Nachdem das Landgericht Berlin die Einschätzung geäußert hatte, die Mietpreisbremse sei verfassungswidrig, geht der Senat davon aus, dass sie weiterhin anzuwenden ist. Man werde sie sogar noch verschärfen im Sinne eines wirksamen Mieterschutzes. Gut gebrüllt Löwe!

Wettbewerb über Ideenvielfalt provozieren – ein ganz wichtiger Aspekt, der immer wieder von allen Seiten betont wird. Berlin braucht Wohnungsbauakteure für nachhaltige Stadtquartiere. Mischen Sie sich aktiv ein und intensivieren Sie den Dialog mit der Politik am 7. Dezember 2017.

Es bleibt noch viel zu tun auf der Baustelle Berlin.

Die Autorin
Angela Rüter
Geschäftsführerin
Heuer Dialog GmbH