12.10.2017
Klaus Franken

Was haben wir doch für wilde Zeiten!

Baukultur – Olympia als Beispiel?

Es wird gebaut auf Teufel komm raus getreu dem olympischen Motto „höher, weiter, schneller“. Olympia hat ein Dopingthema – und was passiert beim Bau?

Quelle: Catella Project Management GmbH

Auch hier ist nicht alles Gold was glänzt und selbst für Bronze reicht es oft nicht wirklich. Die Kapitalschwemme wirkt wie die Dopingspritze, die alles beschleunigt, aber nicht unbedingt besser macht – in 10 Jahren werden wir die Bausünden des heutigen Booms beklagen!

Schnell und viel steht im natürlichen Konflikt mit Qualität und Stabilität. Was gebaut wird, bestimmen Bauträger, die aber nur bis zur Fertigstellung wirtschaftlich motiviert sind. Was passiert eigentlich danach? Nutzer, Anleger und Städte müssen später mit der in Beton gegossenen Wirklichkeit leben.

Die Betriebsphase ist deshalb viel wichtiger als die Bauphase. Der Nutzer ist der einzige, der mit seiner monatlichen Miete, den ganzen Immobilienzirkus finanziert – aber taucht der irgendwo bei den einschlägigen Tagungen der Branche auf? Die Anleger und die Städte sind die anderen, langfristig an das Projekt gebundene Partner. Was liegt näher als alle drei zusammen zu bringen und im Dialog zu erarbeiten, was zu bauen ist – so entsteht Baukultur statt Bausünden!

Bauen ist also Mannschaftssport und 10-Kampf – leider ist die Immobilienbranche noch zu oft in Einzeldisziplinen aufgeteilt. Experten gibt es für Wohnen, Handel, Büro, etc., aber wer hält den Triathlon durch? Die Mischung von Nutzungen ist ganz im Interesse der vorgenannten Projektpartner Nutzer - Anleger - Stadt. Ein Quartier mit verschiedenen Nutzungen ist stabil, nachhaltig und zukunftsfähig.

Zum Bauen gehören zwingend der spätere Betrieb und das Management des Projektes auch und gerade nach der Fertigstellung. Baukultur heißt Projektmanagement sowohl auf der Baustelle wie im laufenden Betrieb. Projektentwicklung erfordert technische, wirtschaftliche und soziale Kompetenz, um ein wirklich gutes Produkt entstehen zu lassen – oder wie wir bei Catella als schwedisches Unternehmen sagen – „logom“, das ist schwedisch und bedeutet nicht zu viel, nicht zu wenige, aber genau richtig.

Natürlich ist das anstrengend und erfordert intensives Training und langen Atem. Aber der ehrliche Sportler stellt sich dieser Herausforderung und wird den teuflischen Versuchungen des schnellen Geldes widersagen. 

Es lebe der olympische Geist und die nachhaltige Baukultur!

Das Event zum Thema
Der Autor
Klaus Franken
Geschäftsführer