18.09.2017
Thomas Weissbrod
Juliane Sakellariou

„Quartiersgestaltung und Stadtentwicklung liegen vermögenden Familien am Herzen“

Unternehmerfamilien im Dialog am 5. und 6. März in Königstein im Taunus

Vermögende Familien haben andere Anlagehorizonte und Investitionsmotivationen als institutionelle Investoren. Thomas Weißbrod erläutert im folgenden Interview die liegenschaftsbezogenen Interessen & Strategien vermögender Familien.

Heuer Dialog GmbH

Juliane Sakellariou, Projektleiterin Heuer Dialog GmbH im Gespräch mit Thomas Weißbrod, Geschäftsführer der deutschen Immobilientochter des Calibrium-Investment Office, Single Family Office einer deutschen Unternehmerfamilie und deren Privatstiftung.

 

Welchen Stellenwert haben Immobilien für Ihre Familie und wie beurteilen Sie die aktuellen Perspektiven privater Investoren am Immobilienmarkt?

Herr Weißbrod: In der Gesamtportfolioallokation fokussieren wir uns auf drei Investmentklassen. Dabei bezieht sich 1/3 der Gesamtallokation auf Immobilieninvestments verschiedener Art. Eine gute Mustervorlage für den Aufbau der Allokationen, gerade in Bezug auf Rendite-Risiko-Aspekte, bietet das Yale Portfolio. Dabei sind bei Vermögen im Milliarden-Bereich 20 – 30% Immobilienanteil vorgesehen. Im Umkehrschluss braucht ein Family Office dann wiederum Spezialisten für die Betreuung der einzelnen Assetklassen.

Im Allgemeinen kann man sagen, dass die Investitionsmöglichkeiten für vermögende Familien gut sind, aber es bedarf auch Flexibilität. Es ist beispielsweise kaum möglich, sich nur auf Wohnen in einer bestimmten Stadt zu fokussieren. Eine solche Strategie wird nicht erfolgreich sein. Der breitere Blickwinkel ist wichtig. Man muss in der Lage sein eine diversifizierte Anlagestrategie zu fahren, unabhängig davon, ob diese auf das In- oder Ausland ausgerichtet ist. Ein Family Office, das sich nur auf einen Standort und eine Assetklasse festlegt, hat Marktparameter, die die Familie dazu zwingen, die überhitzten Preise zu akzeptieren oder keine Transaktionen zu machen. Somit bleibt schlicht kein Spielraum mehr. Wir investieren derzeit beispielsweise in einer Toplage in den Niederlanden. Diversifizierung muss sein. 

 

Gibt es ein spezifisches Anlageverhalten von vermögenden Familien? Was sind die strategischen Maximen, die den Anlageentscheidungen zu Grunde liegen?

Herr Weißbrod: Ein bestimmtes Anlageprofil von Family Offices gibt es nicht. Allerdings unterscheiden sich die Entscheidungen vermögender Familien massiv von denen institutioneller Investoren. Generationenübergreifendes Denken, Langfristigkeit und Nachhaltigkeit sind Schlüsselfaktoren. Institutionelle Investoren fokussieren sich außerdem auf kurze Zeitspannen wie zum Beispiel fünf Jahre. Fonds denken aus diesen Gründen auch bei der Instandhaltung kurzfristiger. Für eine vermögende Familie müssen die Rendite und die Lage stimmen, dann halten sie der Nachhaltigkeit halber auch gerne bis zu 100 Jahren.

Vermögende Familien erwerben auch Objekte mit gesellschaftlichem Wert. Oft steht bei diesen Investitionen nicht die Rendite im Vordergrund, sondern der Gedanke der Investition in die nächste Generation. Der Anlagehorizont liegt bei uns zwischen 30 – 50 Jahren. Familien sehen sich in der Verantwortung. An unserem Standort in Mannheim stehen wir im Kontakt mit der Stadt und die Stadt kann sich auf das Engagement der Familie verlassen. Quartiersgestaltung und Stadtentwicklung liegen Familien am Herzen. In der Anlagestrategie ist auch die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft maßgeblich. Wir vermieten unsere Objekte nicht an Spielhallen. Wenn kein passender Nutzer gefunden werden kann, wird das Objekt leer gehalten, um der Kommune keinen Nachteil zu schaffen.

 

Wie wichtig ist der Austausch unter Familien Ihrer Ansicht nach?

Herr Weißbrod: Ein Austausch auf Augenhöhe ist wichtig und richtig. Oft tauscht man sich sonst nur in einem sehr kleinen Rahmen aus, da dieser abhängig von Vertrauen ist. Außerdem versuchen viele Familien unterhalb des Radars tätig zu sein und obwohl sie sich kennen und ihre Kontakte haben, bleibt der Austausch so oft limitiert. Ein Dialog von Gleichgesinnten, die denselben Anlagehorizont haben, ist deshalb exorbitant wichtig.

 

Welchen Mehrwert bietet Ihrer Meinung nach der Jahreskongress „Zukunft privater Liegenschaften – Unternehmerfamilien im Dialog“ für Familien?

Herr Weißbrod: Im Rahmen dieser Veranstaltung kommen Gleichgesinnte auf einer Plattform zusammen, die es in dieser Form in Deutschland noch nicht gibt. In diesem handverlesenen Kreis kann man den Dialog suchen, ohne stets den Haken bei guten Angeboten suchen zu müssen. Dies ist besonders wichtig, da vermögende Familien und ihre Vertreter die Weisheit kennen: „Die möchten nur Ihr Bestes, Ihr Geld!“. Es ist eine Chance für einen offenen Gedankenaustausch in einem sorglosen Umfeld. Fragen können gestellt und ein Netzwerk gemeinsam etabliert werden.

Das Event zum Thema
Die Autoren
Thomas Weissbrod
Geschäftsführer der deutschen Immobilientochter des Calibrium-Investment Office, Single Family Office einer deutschen Unternehmerfamilie und deren Privatstiftung
Juliane Sakellariou
Projektleiterin
Heuer Dialog