09.10.2017
Katrin Förster

Mit Smart-Home-Technologie wurde das erste Mehrfamilienhaus der Welt realisiert, das sich selbst mit Energie versorgt.

Das weltweit erste energieautarke Mehrfamilienhaus steht in der Schweiz

Das Leuchtturmprojekt steht für die erfolgreiche Symbiose von Architektur und Umwelttechnik, Gestaltung und Energiebewusstsein.

Son­nen­licht braucht die­ses Ge­bäu­de. Denn da­mit ge­winnt das ers­te en­er­gie­aut­ar­ke Mehr­fa­mi­li­en­haus der Welt die En­er­gie, die sei­ne Be­woh­ner ver­brau­chen. Die­ses Pio­nier­pro­jekt zeigt, was mit heu­ti­ger Tech­no­lo­gie mög­lich ist. Er­folg­reich kom­bi­nier­ten die Pla­ner hier be­kann­te und be­reits er­prob­te nach­hal­ti­ge Tech­ni­ken, so­dass ein en­er­gie­aut­ar­kes Woh­nen auf über 1.000 Qua­drat­me­ter Wohn­flä­che mög­lich wurde.

Zum Mehr­fa­mi­li­en­haus in Brüt­ten – zwi­schen Zü­rich und Win­ter­thur ge­le­gen – ge­hö­ren neun Woh­nun­gen, die zwi­schen 80 und 145 Qua­drat­me­tern groß sind. Sämt­li­che En­er­gie, die die Be­woh­ner zum Hei­zen, Ko­chen, Wa­schen, al­so schlicht­weg zum Le­ben be­nö­ti­gen, wird aus Son­nen­licht ge­won­nen. Ob­wohl das Ge­bäu­de auf al­len Ebe­nen En­er­gie spart, müs­sen die Be­woh­ner kei­ne Kom­fort­ein­bu­ßen hin­neh­men. Mög­lich ma­chen das be­währ­te Tech­no­lo­gi­en und Sys­te­me der En­er­gie­ge­win­nung und -spei­che­rung so­wie In­no­va­tio­nen, die den En­er­gie­ver­brauch re­du­zie­ren. Das Dach und die ge­sam­te Fas­sa­de wur­den mit So­lar­mo­du­len ein­ge­klei­det und Busch-Jae­ger-Pro­duk­te spei­sen den Strom in das Haus ein.

Ver­schie­de­ne En­er­gie­spei­cher auf in­tel­li­gen­te Wei­se mit­ein­an­der kombiniert

Im Som­mer ist der En­er­gie­be­darf der neun Fa­mi­li­en für 24 Stun­den dank der leis­tungs­star­ken So­lar­an­la­gen schon nach ei­ner Stun­de Son­nen­schein ge­deckt. Im Kel­ler wan­deln hier­für 26 So­lar­wech­sel­rich­ter die Gleich­span­nung aus den So­lar­mo­du­len von Dach und Fas­sa­de in Wech­sel­span­nung um und spei­sen Strom in das haus­in­ter­ne Netz ein. Die So­lar­tech­no­lo­gie ist heu­te aus­ge­reift ge­nug, um ein frei­ste­hen­des Ge­bäu­de mit aus­rei­chend En­er­gie ver­sor­gen zu kön­nen. Die Her­aus­for­de­rung mit dem heu­ti­gen Stand der Tech­no­lo­gie ist, ei­ne leis­tungs­star­ke, aber trotz­dem preis­wer­te Art der En­er­gie­spei­che­rung zu fin­den. Im Ge­bäu­de wur­den des­halb ver­schie­de­ne En­er­gie­spei­cher auf in­tel­li­gen­te Wei­se mit­ein­an­der kom­bi­niert. Für den Zü­ri­cher Ar­chi­tek­ten Re­né Schmidt war es ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung Ar­chi­tek­tur und Um­welt­tech­nik funk­tio­nal wohl­über­legt und ge­stal­te­risch an­spre­chend zu ver­ei­nen. Da­für ha­ben er und sein Team in al­len Be­rei­chen mit Spe­zia­lis­ten und For­schern zusammengearbeitet.

Nicht so­fort von den Be­woh­nern ver­brauch­te En­er­gie wird für die Nacht, für trü­be Ta­ge und für den Win­ter ge­spei­chert. Dies ge­schieht über ei­nen Kurz­zeit- und ei­nen Lang­zeit­spei­cher. Ers­te­rer ist ei­ne Li­thi­um-Ei­sen­phos­phat-Bat­te­rie in Klei­der­schrank­grö­ße im Kel­ler, die den En­er­gie­be­darf von drei bis vier Ta­gen deckt. Letz­te­rer sind zwei gro­ße Was­ser­tanks un­ter der Erd­ober­flä­che. 250.000 Li­ter Was­ser kön­nen bis En­de Herbst auf bis zu 65 Grad Cel­si­us auf­ge­heizt wer­den. Die­se ther­mi­sche En­er­gie wird im Win­ter zum Hei­zen eingesetzt.

Busch-free@home® un­ter­stützt das vor­bild­li­che Energiekonzept

Woh­nen in ei­nem Ge­bäu­de oh­ne An­bin­dung ans Strom­netz setzt vor­aus, dass Haus­halts­ge­rä­te mit ho­her En­er­gie­ef­fi­zi­enz ar­bei­ten. Nebst spar­sa­men Wasch­ma­schi­nen und Kühl­schrän­ken hilft das Smart-Home-Sys­tem Busch-free@home®, den En­er­gie­ver­brauch der Be­woh­ner mög­lichst klein zu hal­ten. Zur Er­wei­te­rung des Kom­forts las­sen sich ver­schie­de­ne Sze­nen pro­gram­mie­ren, zum Bei­spiel lässt sich ei­ne ge­dimm­te Din­ner­be­leuch­tung von ei­ner hel­len Le­se­be­leuch­tung un­ter­schei­den. Das Sys­tem merkt sich auch Kom­bi­na­tio­nen und stellt die­se dann au­to­ma­tisch zur Aus­wahl. Se­hen die Be­woh­ner bei­spiels­wei­se ger­ne mit ge­dimm­tem Licht und her­un­ter­ge­las­se­nen Ja­lou­si­en fern, merkt sich das Haus­steue­rungs­sys­tem die­se Kom­bi­na­ti­on und stellt sie dann zur Verfügung.

Dank Füh­lern im Au­ßen- und In­nen­be­reich re­agiert Busch-free@home® au­to­ma­tisch auf ex­ter­ne Ein­flüs­se. Ist es in der Woh­nung im Som­mer zu warm und scheint die Son­ne an die Fens­ter­schei­be, wer­den au­to­ma­tisch die Ja­lou­si­en zur Be­schat­tung her­un­ter­ge­fah­ren. Bläst ein star­ker Wind, der die­se be­schä­di­gen könn­te, wer­den sie wie­der hin­auf­ge­zo­gen. So­mit ga­ran­tiert die Haus­steue­rung nicht nur Si­cher­heit und En­er­gie­ef­fi­zi­enz, son­dern ma­xi­miert auch den Wohnkomfort.

Die Um­welt Are­na Sprei­ten­bach tritt als Bau­herr auf und ist dar­auf spe­zia­li­siert, mög­lichst brei­te Be­völ­ke­rungs­schich­ten über nach­hal­ti­ges Bau­en und er­neu­er­ba­re En­er­gi­en zu in­for­mie­ren. Das Pio­nier­pro­jekt von Brüt­ten setzt neue Maß­stä­be für den Woh­nungs­bau der Zu­kunft. Kein An­schluss an her­kömm­li­che ex­ter­ne En­er­gie­zu­lie­fe­rer, we­der ther­misch noch elek­trisch – für die Hei­zung, Lüf­tung und den Haus­halts­strom ist das Haus selbst die En­er­gie­quel­le. Re­vo­lu­tio­när ist eben­so das „Power-to-Gas“-Prin­zip, bei dem über­schüs­si­ger So­lar­strom in Was­ser­stoff ge­spei­chert und über ei­ne Brenn­stoff­zel­le wie­der­um in Strom um­ge­wan­delt wird. Zu­sätz­lich wird mit dem So­lar­strom ein Car-Sharing-Sys­tem be­trie­ben. Al­le Tech­no­lo­gi­en, die ver­baut wur­den, sind zu­kunfts­ori­en­tiert, se­ri­en­mä­ßig und auf dem Markt er­probt. Es ist ein Leucht­turm­pro­jekt der Um­welt Are­na Sprei­ten­bach, das auf­zeigt, dass die Um­set­zung der En­er­gie­stra­te­gie 2050 be­reits heu­te mög­lich ist, wenn vor­han­de­ne Tech­no­lo­gi­en und das Know-how kon­se­quent ge­nutzt und kom­bi­niert wer­den. Es be­weist, dass viel er­reicht wer­den kann, wenn mit Wil­le und Ge­schick ei­ne Vi­si­on ver­folgt wird.

Die Autorin
Quelle: ABB / Busch-Jaeger Elektro
Katrin Förster
ABB / Busch-Jaeger Elektro GmbH