09.06.2017
Olaf Cunitz

Zukunftspotentiale in Stadt und Region heben

Konversion, ein Gebot der Vernunft

Keine Ressource ist angesichts des Megatrends Urbanisierung so umkämpft, wie die verfügbaren Flächen in Ballungsräumen.

Da­bei geht es nicht nur um das The­ma Woh­nen, son­dern um kon­kur­rie­ren­de An­sprü­che. Ver­kehr, Ge­wer­be, so­zia­le In­fra­struk­tur und Kul­tur brau­chen eben­so ih­ren Raum, wie Grün- und Frei­flä­chen, die der Nah­erho­lung die­nen oder ei­nen Bei­trag zum Kli­ma­schutz leis­ten. Nach­ver­dich­tung im Be­stand und Neu­aus­wei­sung von Bau­land sind da­bei un­ab­ding­ba­re We­ge, um den Her­aus­for­de­run­gen des Be­völ­ke­rungs­wachs­tums in den Me­tro­po­len Rech­nung zu tra­gen. Ei­ne zu­neh­men­de Be­deu­tung er­langt die Nut­zungs­um­wid­mung von Flä­chen, die Kon­ver­si­on. In Frank­furt wur­den in den letz­ten Jah­ren nicht nur Ka­ser­nen, son­dern auch Bahn­hö­fe, Braue­rei­en, Ge­fäng­nis­se, Bü­ro­hoch­häu­ser, In­dus­trie­flä­chen, Ha­fen­an­la­gen, Bun­ker und Hoch­schu­len ei­ner neu­en Nut­zung zu­ge­führt. Da­bei er­wies sich die Kon­ver­si­on oft als Mit­tel zur Stadt­re­pa­ra­tur. Un­or­te wur­den zu ur­ba­nen Bau­stei­nen und leis­te­ten ei­nen wich­ti­gen Bei­trag zur Stadtentwicklung.

 

Aber auch für die re­gio­na­le Ent­wick­lung sind Kon­ver­si­ons­flä­chen von ho­her Be­deu­tung. Seit gut zwei Jah­ren lässt sich fest­stel­len, dass auf­grund der ste­tig stei­gen­den Im­mo­bi­li­en­prei­se und Mie­ten in den Me­tro­po­len, ei­ne Sub­ur­ba­ni­sie­rung ein­setzt. Wohn­im­mo­bi­li­en wer­den im di­rek­ten Um­feld der wach­sen­den Gro­ß­städ­te ge­sucht, weil dort noch die Ei­gen­tums­woh­nung be­zahl­bar, das Ein­fa­mi­li­en­haus rea­li­sier­bar ist. Die Ent­wick­lung des ehe­ma­li­gen Of­fen­ba­cher Ha­fens in ei­ne at­trak­ti­ve Wohn­la­ge hat da­bei Maß­stä­be ge­setzt. Of­fen­bach und Frank­furt er­schei­nen nun wie ein Ent­wick­lungs­raum. Und wer sich mit dem Be­völ­ke­rungs­wachs­tum in den Me­tro­po­len aus­ein­an­der­setzt, wird um ei­ne re­gio­na­le Be­trach­tung über die Stadt­gren­zen hin­aus nicht um­hin­kom­men. Gut ver­kehr­lich er­schlos­se­ne, ehe­ma­li­ge Ka­ser­nen­flä­chen wie in Fried­berg oder Darm­stadt sind re­le­van­te Po­ten­tia­le in ei­ner de­zen­tra­len Stadtregion.

 

Ei­ne be­son­de­re Vor­rei­ter­rol­le kommt ne­ben Of­fen­bach, der Stadt Ha­nau zu. Die Stadt war über Jahr­zehn­te ei­ner der grö­ß­ten Mi­li­tär­stand­ort der US-Streit­kräf­te. Über 340 Hekt­ar Ka­ser­nen­flä­chen stan­den nach dem Ab­zug des Mi­li­tärs für ei­ne Neu­pla­nung zur Ver­fü­gung. Nach und nach wur­den die Flä­chen im Rah­men der Kon­ver­si­on ei­ner Wohn­nut­zung oder ei­ner ge­werb­li­chen Nut­zung zu­ge­führt. Die Fol­ge wa­ren ein deut­li­cher Be­völ­ke­rungs­an­stieg und ei­ne Zu­nah­me an Ar­beits­plät­zen. Mit ei­ner plan­vol­len Stadt­ent­wick­lung, un­ter Nut­zung der Kon­ver­si­ons­flä­chen, hat es Ha­nau ge­schafft, sich als ei­gen­stän­di­ger Wohn- und Ar­beits­stand­ort in der un­mit­tel­ba­ren Nach­bar­schaft von Frank­furt zu be­haup­ten. Der letz­te gro­ße Bau­stein ist nun die Um­wand­lung der ehe­ma­li­gen Pioneer-Ka­ser­ne in ein Wohn­quar­tier. Die Stadt Ha­nau hat sich hier für die Grün­dung ei­ner ge­mein­sa­men Pro­jekt­ge­sell­schaft mit der DSK Deut­sche Stadt- und Grund­stücks­ent­wick­lungs­ge­sell­schaft ent­schie­den, um in den nächs­ten Jah­ren bis zu 1.500 neue Woh­nun­gen zu schaffen.

 

Von ähn­li­cher Be­deu­tung, wie die Ent­wick­lung der Pioneer-Ka­ser­ne für die Stadt Ha­nau, kann die Kon­ver­si­on des ehe­ma­li­gen Al­les­sa-Are­als für die Stadt Of­fen­bach wer­den. Die mit 35 Hekt­ar grö­ß­te zu­sam­men­hän­gen­de Ent­wick­lungs­flä­che im Stadt­ge­biet, bie­tet die Mög­lich­keit, ei­nen zu­kunfts­wei­sen­den Ge­wer­be­park zu schaf­fen, der als In­no­va­ti­ons­cam­pus im 2016 ver­ab­schie­de­ten Mas­ter­plan be­schrie­ben ist. Auch zu ei­ner po­si­ti­ven Image­bil­dung für die Stadt, kann ein sol­ches Leucht­turm­pro­jekt er­heb­lich beitragen.

 

Kon­ver­si­ons­flä­chen bie­ten heut­zu­ta­ge er­heb­li­che Chan­cen für die Stadt- und Re­gio­nal­ent­wick­lung. Auch wenn ins­be­son­de­re die Sa­nie­rung von mi­li­tä­ri­schen und in­dus­tri­el­len Alt­las­ten ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung für die Um­nut­zung dar­stellt, sind hier zu­kunfts­wei­sen­de Po­ten­tia­le zu fin­den, um Wohn- und Wirt­schafts­stand­or­te wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. In Zei­ten knap­per Flä­chen ist die Kon­ver­si­on schlicht und er­grei­fend ein Ge­bot der Vernunft.

Der Autor
Quelle und Urheber: DSK
Olaf Cunitz
Leiter des Bereichs Bauland und Projektentwicklung, DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH & Co. KG, ehemaliger Bürgermeister und Planungsdezernent der Stadt Frankfurt am Main