31.05.2017
Jutta Pfannschmidt-Wahl

2nd International Restaurant Real Estate Congress 2017

Berlin: Starker 2. Gastro-Immobilien-Kongress – Energie & Lernstoff

Eating ist weit mehr als ‘nurmehr die kleine Schwester‘ des Shopping!

Gas­tro­no­mie gilt in der Im­mo­bi­li­en-Bran­che als neu­er An­ker für ge­lun­ge­ne LEH-Stand­ort­ent­wick­lung, dar­in wa­ren sich die gut 130 Teil­neh­mer des 2. In­ter­na­tio­na­len Gas­tro-Im­mo­bi­li­en-Kon­gres­ses am 30./31. Mai in Ber­lin ei­nig. 'Pla­ce­ma­king in ei­ner di­gi­ta­len Welt' und er­folg­rei­che Ex­pan­si­on, da­zu gibt es zwi­schen Pro­fi-Gas­tro­no­mie und Im­mo­bi­li­en­wirt­schaft viel Be­darf sich aus­zu­tau­schen. Die Fra­ge, wie man ei­nen Stand­ort zum Pla­ce-to-be macht, war heiß und kon­tro­vers dis­ku­tiert bei der ge­lun­ge­nen Ver­an­stal­tung von Heu­er Dia­log (Im­mo­bi­li­en-Zei­tung) und Food­Ser­vice Eu­ro­pe & Midd­le East so­wie food-service.

Shop­ping Cen­ter ver­än­dern sich zu Er­leb­nis-Schau­plät­zen. Di­to Ver­kehrs­stand­or­te. Un­se­re Ge­sell­schaft wan­delt sich zu ei­ner Sharing So­cie­ty. Die Kon­su­men­ten sind nicht län­ger die al­ten. Gas­tro­no­mie- und Im­mo­bi­li­en­bran­che müs­sen auf die neu­en Er­war­tun­gen ein­ge­hen oder bes­ser: sie an­ti­zi­pie­ren. Mar­kan­tes­te Trends: Wunsch nach Er­leb­nis, Ge­nuss und Auf­ent­halts­qua­li­tät. Man­gel an Zeit. Er­reich­bar­keit & Verfügbarkeit.

So lau­ten, auf ei­nen knap­pen, ge­mein­sa­men Nen­ner ge­bracht, die Kern-Bot­schaf­ten der zwei­tä­gi­gen Ver­an­stal­tung, die in der ur­ba­nen Life­style-De­sti­na­ti­on des Su­per Con­cept Space im Bi­ki­ni, Ber­lin ei­nen pas­sen­den Rah­men ge­fun­den hat­te. Mehr als 20 kom­pe­ten­te Re­fe­ren­ten prä­sen­tier­ten als Ver­tre­ter wich­ti­ger Bran­chen-Play­er aus ganz Eu­ro­pa vor ei­nem in­ter­na­tio­na­len Pu­bli­kum ih­re Er­folgs­stra­te­gi­en und Zu­kunfts­vi­sio­nen – die Kon­gress­spra­che war eng­lisch. Und in den Pau­sen, die in­ten­siv zum Ken­nen­ler­nen und Netz­wer­ken ge­nutzt wur­den, funk­tio­nier­te die mul­ti­lin­gu­al Bran­chen­ver­stän­di­gung bes­tens. Von ös­ter­rei­chisch über fin­nisch und li­tau­isch-bal­tisch bis niederländisch.

Neue Klas­si­fi­zie­rung in Milieugruppen

Den ro­ten Fa­den des In­ter­na­tio­nal Re­stau­rant Re­al Es­ta­te Con­gress bil­de­te die The­se: ‘Ea­ting is the new Shop­ping‘. Als Ein­gangs-Red­ner for­mu­lier­te Pe­ter Mar­tin Tho­mas vom Markt­for­schungs­in­sti­tut Si­nus-Aka­de­mie ei­ne ent­schei­den­de Kern­fra­ge: Wie kann ich die Er­war­tun­gen der Ziel­grup­pen auf die Flä­chen über­tra­gen? Über wen, wel­chen Be­su­cher, spre­chen wir ei­gent­lich? Was er­war­tet er? Die klas­si­schen Ziel­grup­pen­ka­te­go­ri­en wie Lo­has, Dou­ble in­co­me no kids oder Ge­ne­ra­ti­on Y, Z etc. be­schrei­ben die Men­schen aus Sicht der So­zi­al­for­schung nicht zu­frie­den­stel­lend, kon­sta­tier­te der Ma­fo-Ex­per­te. Aus­sa­ge­kräf­ti­ger sei viel­mehr die Klas­si­fi­zie­rung in zehn Mi­lieu­grup­pen, die auf Le­bens­wel­ten ba­sie­ren: Da­bei spann­te er den Bo­gen vom kon­ser­va­tiv-eta­blier­ten, der auf tra­di­tio­nel­le Wer­te setzt bis zum ex­pe­di­ti­ven Ty­pus, der Main­stream und Nor­men ne­giert und spon­tan und schnell han­delt. So­wohl lo­kal als auch na­tio­nal und in­ter­na­tio­nal las­se sich mit die­sen Pro­fi­len ar­bei­ten, um Stand­or­te zu ent­wi­ckeln, die pas­sen. „Doch den uni­ver­sell ins Schwar­ze tref­fen­den Stand­ort bzw. das Kon­zept, das al­le zehn Mi­lieu-Ka­te­go­ri­en gleich­zei­tig an­zieht, gibt es nicht“, ant­wor­te­te er auf Nach­fra­ge Axel We­bers, We­ber und Part­ner, der die Ver­an­stal­tung sehr sou­ve­rän moderierte.

Die Big Play­er der Bran­che auf Gas­tro-Sei­te stell­te food-ser­vice-Her­aus­ge­be­rin Gre­tel Weiß an­hand di­ver­ser ak­tu­el­ler Ran­kings vor: der Top 100 grö­ß­ten Gas­tro­no­mie-Un­ter­neh­men Deutsch­lands, der grö­ß­ten Cof­fee-Bar-Ket­ten Eu­ro­pas und der Top 100 Chains der USA. Stell­ver­tre­tend für den krank­heits­be­dingt ent­schul­dig­ten Jo­na­than Dough­ty, JLL, prä­sen­tier­te sein Kol­le­ge Ken Hig­man, JLL Food­ser­vice Con­sul­ting, UK, die Me­ga­trends in Lo­ca­ti­ons. Mit fol­gen­den Ver­än­de­run­gen müs­sen wir bei un­se­ren Pla­nun­gen um­ge­hen: di­gi­tal re­vo­lu­ti­on, ra­pid ur­ba­ni­sa­ti­on, cli­ma­te chan­ge & re­sour­ce sc­ar­ci­ty und in­di­vi­dua­lism, so sei­ne Bot­schaft. Da es im­mer mehr Men­schen in die Städ­te zie­he, be­deu­te dies für die dor­ti­gen Re­stau­rants, Ca­fés und Bars ei­nen Zu­wachs po­ten­zi­el­ler Gäs­te. „No re­pla­ce­ment for ea­ting out in fo­re­see­a­ble fu­ture“, so Hig­mans Prognose.

Über die Syn­er­gie­ef­fek­te von Mi­xed-use-Kon­zep­ten, hei­ßt: Ein­bin­dung von Re­tail und Gas­tro­no­mie in Ho­tels – und wie sich Low-Bud­get-Ho­tels da­durch pro­fi­lie­ren kön­nen, sprach Max C. Lu­scher, MRICS, B&B Ho­tels, Ger­many. Wel­che Rah­men­be­din­gun­gen, Re­geln und Ri­si­ken sind aus recht­li­cher Sicht von Be­deu­tung, Da­zu folg­te ei­ne pro­fes­sio­nel­le Be­trach­tung ver­schie­de­ner Fran­chise- und Joint-Ven­ture-Mo­del­le von Ba­bet­te März­heu­ser-Wood, Den­tons UK­MEA LLP, UK.

Auf der Büh­ne: Fi­ve Guys, Wa­ga­ma­ma und Starbucks

Ex­pan­si­ve Gas­tro-Kon­zep­te in Eu­ro­pa: Wor­auf ach­ten und was su­chen sie? Pla­ka­tiv und kraft­voll stell­ten dies drei Pro­fis der Gas­tro-Bran­che je­weils für ih­re mul­ti­pli­zier­ten Mar­ken vor: John Eck­bert vom US-Gour­met-Bur­ger-Kon­zept Fi­ve Guys, UK, Bri­an Da­vid Johns­ton von der pan-asia­ti­schen Re­stau­rant-Ket­te Wa­ga­ma­ma, UK, und Wil­helm Od­war­ka von der welt­weit ver­tre­te­nen Kaf­fee-For­mel Star­bucks. Ih­re Kern­bot­schaf­ten in drei State­ments: „We live in a world whe­re custo­mi­za­ti­on is ex­pec­ted“, sag­te John Eck­bert. „Custo­mers want an ex­pe­ri­ence, not just a me­al”, so Bri­an Johns­ton. „We will con­ti­nue ups­ca­ling the cof­fee ex­pe­ri­ence“, ver­sprach Wil­helm Odwarka.

Über die welt­wei­te Ex­pan­si­on von Food­mar­kets ging es im Vor­trag von Di­dier Souil­lat, Time Out Mar­ket, UK. Un­ter an­de­rem am Bei­spiel der Mar­ket Hall in Lis­sa­bon stell­te er vor, wie man Treff­punk­te schafft, die für Tou­ris­ten wie Ein­hei­mi­sche an­hal­tend at­trak­tiv sind – „a pla­ce that is cu­ra­ted for you“. Ana­log zeig­te Na­ta­lia So­be­cka, Uni­bail Ro­dam­co, Ne­ther­lands dies am Bei­spiel des neu­en Shop­ping-Cen­ter-Pro­jek­tes Mall of the Ne­ther­lands auf.

Ei­ne Pa­nel-Dis­kus­si­on zur gro­ßen Her­aus­for­de­rung ‘Make a pla­ce a pla­ce to be – Stadt­ent­wick­lung 4.0‘ run­de­te den ers­ten Kon­gress­tag ab. Ein High­light am Ta­gungs­ort Ber­lin wa­ren zwei Gas­tro-Tou­ren. Zur Wahl stand: Alt oder neu? Ar­mi­ni­us­markt­hal­le ver­sus Bi­ki­ni Ber­lin. Ein ver­dien­tes Din­ner ge­nos­sen die Teil­neh­mer bei som­mer­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren im Ber­li­ner Tier­gar­ten (Ca­fé am Neu­en See).

Die Rol­le von Am­bi­en­te und Design

Bei­trä­ge zu ver­schie­de­nen The­men­kom­ple­xen rund um das The­ma Am­bi­en­te und De­sign – welt­wei­te Ex­pan­si­on in­ter­na­tio­na­ler Food­ser­vice-Kon­zep­te, in­no­va­ti­ve Ar­chi­tek­tur­kon­zep­te in Shop­ping Cen­tern, Kon­su­men­ten­er­fah­run­gen in ei­ner ver­netz­ten Welt – run­de­ten das Pro­gramm am zwei­ten Tag ab. So stell­te Ma­rio Bau­er, Va­pia­no, vor wie der eu­ro­päi­schew Fast-Ca­su­al-Lea­der es schafft, das Ex­pan­si­ons­tem­po zu ver­dop­peln: 2017 wer­den 32 neue Stores er­öff­net. Wich­tig da­bei, dass man sei­nen Mar­ken-Prin­zi­pi­en treu bleibt: „Va­pia­no ist mehr als ein Gas­tro-Kon­zept, wir sind Kult und ei­ne Life­style-Brand, die Spaß macht.“ 190 Units in 32 Coun­tries, und dies mit ei­nem Un­ter­neh­mens-Al­ter von 15 Jah­ren, so die ak­tu­el­le Bi­lanz. Auch Jan Knik­ker vom Ent­wick­lungs­bü­ro MVRDV zeig­te an­schau­lich wie man at­trak­ti­ve Schau­plät­ze er­fin­det. Er schil­der­te den span­nen­den Ent­ste­hungs­weg der spek­ta­ku­lä­ren Markt­hal­le Rot­ter­dam. „Wir pla­nen Stand­or­te, die Men­schen an­zie­hen“, so Knikker.

Um das span­nen­de The­ma der 'Eco­no­my of Soul' und die Er­fah­run­gen der Kon­su­men­ten in ei­ner ver­netz­ten Welt dreh­te sich der Vor­trag von Ge­or­ge Gottl, De­sign Agen­cy Uxus, Ne­ther­lands. "The world we live is mo­re ac­ces­si­ble than ever be­fo­re. We are high­ly con­nec­ted." Dar­um ge­he es nicht dar­um, was man ver­kauft, son­dern wie. Sharea­bi­li­ty sei das Schlüs­sel­the­ma. Und: Der Kon­su­ment müs­se den Wert der Mar­ke spü­ren, so der Design-Experte.

Un­ter der Über­schrift Hot Spot Shop­ping Cen­ter stell­ten Stef­fen Eric Fried­lein, ECE, Ger­many, und Ke­til Wold, Klé­pierre, Nor­we­gen, die neu­es­ten Pro­jek­te ih­rer Com­pa­nys vor.

Die Stand­ort­ka­te­go­ri­en Air­ports und Ver­kehrs­kno­ten­punk­te stan­den bei der ab­schlie­ßen­den Pa­nel-Run­de im Fo­kus. „Für Be­su­cher oh­ne Kauf­ab­sicht muss die Prä­sen­ta­ti­on sehr im­puls­ge­steu­ert sein“, be­ton­te In­ge Vogt, Pro­jek­tIV, Ger­many. „Was die Air­ports so be­son­ders macht sind die ge­si­cher­te Fre­quenz, die vor­her­sag­ba­ren Peaks und die va­ria­blen Con­ces­si­on Fees“, so Dr. Pa­trick Bohl, Flug­ha­fen Bu­da­pest. Und dass die Gas­tro­no­mie das ver­bin­den­de Ele­ment, „the glue“, zum Re­tail­be­reich ist, be­ton­te Wal­ter Seib, HMS­Host In­ter­na­tio­nal, Ne­ther­lands. „Wir er­le­ben die Ära des Life­style of Food: You eat what you are.“

Zum Ab­schluss der Ver­an­stal­tung wa­ren sich die Teil­neh­mer ei­nig: „Der Kon­gress war wie­der­um ei­ne gro­ß­ar­ti­ge Platt­form, sich nä­her zu kom­men und Her­aus­for­de­run­gen ge­mein­sam zu er­ör­tern.“ Mit-Ver­an­stal­te­rin Gre­tel Weiß re­süm­mier­te: „Die zwei­te Auf­la­ge des Re­stau­rant Re­al Es­ta­te Con­gress hat die Pre­mie­re noch­mals übertroffen!“

Quel­le: http://​www.​cafe-​future.​net/​news/​bra​nche​nnew​s/​Berlin-​Starker-​2-​Gastro-​Imm​obil​ien-​Kon​gres​s--​Ene​rgie--​Ler​nsto​ff_​37581.​html

 

Die Autorin
Quelle: food-service europe & middle east, Urheber: Thomas Fedra
Jutta Pfannschmidt-Wahl
Redakteurin
food-service europe & middle east