12.06.2017
Katarina Adam

Blockchain-Technology in der Immobilienwirtschaft

Digitalisierung der Immobilienwirtschaft: Fluch oder Segen?

Die Digitalisierung macht auch vor einer so traditionell agierenden Branche wie der Immobilienwirtschaft keinen Halt. Immer mehr Geschäftsprozesse werden digital umgesetzt.

Quelle: www.pixabay.de

Dies führt zu effizienteren und effektiveren Abläufen in den Unternehmen, womit Kostenreduziert werden können. Zusätzlich können durch bessere Prozesse Ressourcen optimal und wertschöpfend allokiert werden.


Gleichzeitig stellt die Digitalisierung die Unternehmen vor nie dageweseneHerausforderungen im Bereich der IT-Sicherheit. Je digitaler ein Unternehmen aufgestelltist, desto höher ist das Risiko, durch Hacker-Angriffe geschädigt zu werden, wie die Wanna-Cry-Attacke wieder eindrücklich vor Augen geführt hat.

 

Immobilie ist dabei viel mehr als ein Wertgegenstand oder Investitionsobjekt. DieImmobilie konstituiert unser „Zuhause“. Und auch dort, in unseren privaten Lebensraum,hält die Digitalisierung Einzug. Im sogenannten „Smart Home“ können z.B. Lichter per Appan- oder ausgeschaltet oder Jalousien bedient werden.

 

Dabei gibt es auch interessante Schnittstellen / Überlappungen zwischen derImmobilienverwaltung und dem Immobilien-Zuhause: beispielsweise kann das Ablesen vonZählerständen etwa für den Wasserverbrauch oder die Heizungsstände digital für beide Seiten transparent, effizient und aufwandsarm abgelesen werden.

 

Im privaten Umfeld steckt das Thema Sicherheit eher in den Kinderschuhen. ProfessionelleAngebote, die dem Sicherheitsbedürfnis aller Beteiligten entsprechen, müssen daher entwickelt werden.

 

Daher die Frage, was wäre wenn? Was wäre, wenn Unternehmensprozesse mit sensiblen und gern auch weniger sensiblen Daten so digitalisiert werden könnten, dass Hacker bestenfalls mit einem überproportionalen Aufwand, der nicht im Verhältnis zur Leistung steht, das Systemattackieren könnten.
Was wäre, wenn Immobilienunternehmen ihren Kunden / Mietern transparent und jederzeiteinsehbar Prozesse darlegen könnten (z.B. Betriebskostenabrechnung: welche Kosten sindinsgesamt auf welcher Grundlage angefallen und wie verteilen sich diese Kosten auf deneinzelnen Mieter). Oder, im Falle von Beschwerdemanagement, das Unternehmentransparent dokumentieren kann, wann welche Maßnahmen aufgrund einer Mieterbeschwerde ergriffen wurden. Mieter und Vermieter könnten auf Augenhöheagieren. Was wäre, wenn Verträge als so genannte Smart Contracts unmittelbar ausführbar sindund beispielsweise keiner „händischen“ Bearbeitung mehr bedürfen (siehe Bearbeitung vonMietverträgen oder im Assetmanagement)?Was wäre, wenn das hier angesprochene Digitalisierungsmodell so orchestriert ist, dass Manipulationen ausgeschlossen sind?

 

So facettenreich die Diskussion um die Digitalisierung mitsamt dem dazugehörigen Wandelist (Artificial Intelligence (AI), Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR), Internet OfThings (IoT), Industrie 4.0 etc), in der Beantwortung der oben aufgeworfenen Fragen solllediglich die Technology betrachtet werden, die insbesondere im letzten Jahr extreme Aufmerksamkeit erfahren hat: Blockchain-Technology.

Die Blockchain-Technology wurde bekannt durch die digitale Währung Bitcoin, die in denletzten Tagen nie dagewesene Höchststände erreicht. Das so genannte Rückgrat derdigitalen Währung – Blockchain-Technology – ermöglicht, die oben gestellten hypothetischenFragen zu durchdenken und Lösungsvorschläge anzubieten.Der Grundgedanke der Blockchain-Technology besteht darin, Informationen in einerDatenbank zu speichern. Im Gegensatz zu herkömmlichen Datenbanken lassen sich auf der Blockchain <sup>[1]</sup> Daten im Nachhinein nicht mehr verändern oder löschen. Ähnlich wie imGrundbuch, in dem man lückenlos nachvollziehen, wann wer Eigentümer war/ist, bleiben aufeiner Blockchain die gesamten Daten zeitlich in der Reihenfolge erhalten, wie die Ereignisse angefallen sind. Neue Ereignisse werden neu erfasst und es entsteht eine lückenlose Kette (Chain) der entsprechenden Vorfälle. Diese lückenlose Nachvollziehbarkeit stellt neben der systeminhärenten Sicherheit einen sehr großen Mehrwert da.

 

Diese systeminhärente, Sicherheit der Blockchain-Technology ist, dass hier von einem sogenannten „distributed ledger“, also einem verteilten Konten- / Kassenbuch im Sinne einerDatenbank gesprochen wird. Das bedeutet, dass jeder Rechner, der sich an einemBlockchain Netzwerk beteiligt, zunächst mit jedem anderen Rechner dieses Netzwerkesverbunden ist. Alle Rechner erfassen gleichzeitig die im Rahmen der zu übertragenden (undzu verifizierenden) Transaktionen die Informationen. Fällt einer der Rechner aus, laufen dieVerifizierungsprozesse der zu tätigenden Transaktionen auf allen andern weiter und derausgefallene Rechner wird dann upgedatet, sowie er wieder aktiv im Netzwerk tätig ist.Damit wird durch den Ausfall eines (oder sogar mehrerer) Rechner das Netzwerk nichtgestört – im Gegensatz zu einem zentral organsierten oder auch dezentral organisiertenNetzwerk wie beispielsweise beim Internet (siehe Server-Ausfall bei der Telekom oderVodafone in 2016 ²). Obendrein wird dieser Ansatz um folgenden, sicherheitstechnischrelevanten Aspekt ergänzt: Sollte so ein Blockchain-Netzwerk von Hackern attackiertwerden, dann müssten die Angreifer simultan und gleichzeitig alle an diesem Netzwerkbeteiligten Rechner angreifen, um eine Nachricht versuchsweise zu verändern. Erfolgt diesnicht simultan, dann verpufft der Angriff, wird durch das Netzwerk als nicht zu verifizierendeTransaktion gekennzeichnet und landet buchstäblich im Leeren.

 

Weitere relevante Details wie Hash-Funktionen, Kollision-Resistenz, asymmetrischeVerschlüsselungen etc., die zur Blockchain Technology gehören, möchte ich Ihnen gern auf dem Heuer Dialog-Event „REAL INNOVATION“, am 06. Juli in der Factory Berlin vorstellen. Sie treffen mich vor Ort sowohl als Referentin als auch als Co-Founderin eines Startups, das sich mit blockchain-basierten Immobilientransaktionen beschäftigt. Ich freue mich darauf, Ihnen diese spannende und vielfältig einsetzbare Technikvorzustellen.

-----------------------

¹ Es gibt im klassischen Sinne nicht „die“ Blockchain, sondern eine Kombination aus Hard- und Software, dieentsprechend dem Geschäftszweck konfiguriert werden kann. Der Einfachheit halber jedoch wird im Artikel zunächst von der Blockchain im Allgemeinen gesprochen.

² Z.B. 
http://www.chip.de/news/900.000-Router-betroffen-Massive-Stoerung-bei-der-Telekom-geht-weiter_95203562.html

http://www.zeit.de/digital/internet/2016-11/internet-deutsche-telekom-stoerung-fernsehen-telefonie-netz

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/vodafone-massive-stoerungen-im-mobilfunknetz-a-1100709.html

 

 

Das Event zum Thema
Die Autorin
Prof. Dr. Katarina Adam
Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin