26.05.2017
Norbert Preuß

Über alte Diskussionen und neue Chancen für Planer

Widerstand zwecklos ‒ die Zukunft ist BIM

Beim Thema Building Information Modelling (BIM) fühlt sich Norbert Preuß, Geschäftsführer von CBRE PREUSS VALTEQ um 30 Jahre zurückversetzt. Aber: So wie CAD, das computergestützte Bauzeichnen, wird sich auch BIM letztlich durchsetzen, weiß Prof. Preuß.

pixa­bay

War­um sich mit BIM die Ge­schich­te wiederholt

 

Di­gi­tal und ef­fi­zi­ent, das ver­spricht das Buil­ding In­for­ma­ti­on Mo­de­ling (BIM), was frei über­setzt in­for­ma­ti­ons­ge­stütz­te Ge­bäu­de­mo­del­lie­rung hei­ßt. Der Clou der drei­di­men­sio­na­len Dar­stel­lung ei­ner Im­mo­bi­lie am Com­pu­ter: Je­des ein­zel­ne di­gi­tal auf­ge­führ­te Bau­teil kann um Da­ten er­gänzt wer­den, auf die al­le Pro­jekt­be­tei­lig­ten zu­grei­fen kön­nen. Für die­se Bau­ele­men­te kön­nen nicht nur Ma­ße, Kos­ten so­wie Ma­te­ri­al­ei­gen­schaf­ten hin­ter­legt wer­den, son­dern auch Brand­schut­z­ei­gen­schaf­ten, Lie­fer- und Ein­bau­zeit und Aus­wir­kun­gen auf an­de­re Bau­tei­le bis hin zum je­wei­li­gen Ein­fluss auf den Ge­samt­ener­gie­be­darf oder die Le­bens­zy­klus­kos­ten. Plan­än­de­run­gen wäh­rend des Bau­pro­zes­ses las­sen sich  leich­ter rea­li­sie­ren und zu­dem wer­den für al­le re­le­van­ten Par­tei­en die Fol­gen so­fort sicht­bar. Die Vor­tei­le des BIM lie­gen auf der Hand, den­noch steckt das Sys­tem in Deutsch­land noch in den Kin­der­schu­hen. Mei­ner Mei­nung nach liegt das an ei­ner Ab­wehr­hal­tung oder Un­si­cher­heit der Be­tei­lig­ten. Zum letz­ten Mal ha­be ich das vor 30 Jah­ren in der Bau­bran­che erlebt.

 

Da­mals wa­ren es eben­falls drei Buch­sta­ben, die für Wi­der­stand sorg­ten: CAD ‒ Com­pu­ter-Ai­ded De­sign (CAD) ‒ das Prin­zip des com­pu­ter­ge­stütz­ten Bau­zeich­nens. Zu­vor hat­ten Ar­chi­tek­ten, In­ge­nieu­re und Fach­pla­ner per Hand ge­zeich­net. Die Um­stel­lung auf CAD woll­ten nicht al­le Pla­ner voll­zie­hen, es ging doch bis­lang auch oh­ne. Und nun, 30 Jah­re später?

 

BIM ist ei­ne Evo­lu­ti­ons­stu­fe von CAD. Das Pro­blem sind die kon­kre­ten Hür­den auf Un­ter­neh­mens­ebe­ne, wie Schnitt­stel­len­pro­ble­me. Die pla­nungs- und bau­be­tei­lig­ten Un­ter­neh­men ar­bei­ten mit ei­ge­nen IT-Lö­sun­gen, sie al­le müss­ten in ein neu­es BIM-kom­pa­ti­bles Sys­tem in­ves­tie­ren, da­mit al­le den ent­spre­chen­den Zu­griff ha­ben. Vor 30 Jah­ren hieß die Lö­sung DXF-For­mat, mit dem sich CAD-Plä­ne platt­form­un­ab­hän­gig nut­zen lie­ßen. Bei BIM ist das Schnitt­stel­len­pro­blem mitt­ler­wei­le eben­falls ge­löst, statt DXF hei­ßt es dies­mal IFC (In­dus­try Founda­ti­on Classes).

 

Den­noch gibt es noch ei­ni­gen Klä­rungs­be­darf in der Ri­si­ko­ein­schät­zung durch in­iti­ie­ren­de In­ves­to­ren, bei­spiels­wei­se zu­sätz­li­che Leis­tungs­er­for­der­nis­se im BIM-Ma­nage­ment auf Bau­her­ren-, Ar­chi­tek­ten- so­wie Fach­pla­nungs- und Aus­füh­rungs­ebe­ne. Zu­dem ge­hö­ren ver­trag­li­che De­fi­ni­tio­nen und die An­wen­dung me­tho­di­scher An­sät­ze in der Pro­jekt­steue­rung da­zu so­wie neue IT-Vor­aus­set­zun­gen und An­wen­dungs­er­for­der­nis­se und Haf­tungs­fra­gen. Die­se sind aber bei Wei­tem nicht so kom­pli­ziert, als dass sie nicht über­wun­den wer­den könn­ten. Es ist pa­ra­dox, dass sich hier­zu­lan­de die Bau­bran­che seit Jah­ren über an­stei­gen­de Bau­kos­ten be­schwert, und die Un­ter­neh­men kei­ne Maß­nah­men er­grei­fen, die lang­fris­tig Geld spa­ren kön­nen. Si­cher­lich, die Um­stel­lung be­nö­tigt vie­le Ka­pa­zi­tä­ten, doch letzt­lich er­mög­licht sie ei­ne hö­he­re Ef­fi­zi­enz auf der Bau­stel­le. Dank BIM kann das Ri­si­ko teu­rer Fehl­pla­nun­gen im Vor­feld deut­lich ver­rin­gert werden.

 

An­de­re Län­der ha­ben BIM für be­stimm­te Bau­vor­ha­ben schon ver­pflich­tend ein­ge­führt. So ist in Du­bai seit 2014 ei­ne ge­setz­li­che Re­ge­lung für die des­sen Ver­wen­dung bei Gro­ß­pro­jek­ten in Kraft. In Deutsch­land ist mir nicht ein ein­zi­ges Pro­jekt be­kannt, das von A bis Z kon­se­quent BIM-ge­stützt war. Die hie­si­ge Po­li­tik ist bei die­sem The­ma auch nur mä­ßig mo­ti­viert: Nach den Plä­nen von Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Dobrindt sol­len le­dig­lich al­le ver­kehrs­in­fra­struk­tu­rel­len Gro­ß­pro­jek­te ab 2020 ver­bind­lich un­ter Zu­hil­fe­nah­me des BIM um­ge­setzt wer­den. Wo­bei man wis­sen muss, dass im Aus­land nicht über­all BIM vor­liegt, wenn über BIM ge­spro­chen wird. Das hei­ßt: Nicht je­des Pro­gramm zur Dar­stel­lung von Ge­bäu­den am PC er­reicht die nö­ti­ge tech­ni­sche Kom­ple­xi­tät. Zu­dem gibt es in den meis­ten Län­dern noch Dis­kus­sio­nen über die De­fi­ni­tio­nen im An­wen­dungs­le­vel von BIM. Mein Fa­zit lau­tet den­noch: Die Di­gi­ta­li­sie­rung im Pla­nen und Bau­en wird sich nicht auf­hal­ten las­sen, und die Zau­de­rer der deut­schen Bau­bran­che überholen.

Der Autor
CBRE PREUSS VALTEQ GmbH
Prof. Dr. Norbert Preuß
Geschäftsführer
CBRE Preuss Valteq GmbH