26.05.2017
Stefan Löwl

Europäischer Metropolregionen-Dialog München

Wachstumsherausforderungen im Ballungsraum München nur interkommunal zu bewältigen

Für eine gesunde Zukunft der Kommunen im Münchner Umland müssen in naher Zukunft insbesondere die stark steigenden Mobilitätsanforderungen gelöst werden

Für ei­ne ge­sun­de Zu­kunft der Kom­mu­nen im Münch­ner Um­land müs­sen in na­her Zu­kunft – ne­ben der Fra­ge der Flä­chen­ver­füg­bar­keit so­wie der be­son­de­ren Her­aus­for­de­rung der Bei­be­hal­tung des länd­li­chen, ge­wach­se­nen Cha­rak­ters der Ge­mein­den mit sei­nen Frei­raum­struk­tu­ren, was ja ge­ra­de die be­son­de­re At­trak­ti­vi­tät des Gro­ß­raum Mün­chens aus­macht – ins­be­son­de­re die stark stei­gen­den Mo­bi­li­täts­an­for­de­run­gen ge­löst wer­den. Der Land­kreis Dach­au strebt da­her auf al­len mög­li­chen Ebe­nen und mit den ver­schie­de­nen Part­nern Lö­sungs­op­tio­nen an, wel­che zur Ver­min­de­rung der Ver­kehrs­be­las­tung bei­tra­gen können.

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren gab es ne­ben dem durch den Be­völ­ke­rungs­zu­wachs aus­ge­lös­tem quan­ti­ta­ti­ven Mo­bi­li­täts­wachs­tum auch ein qua­li­ta­ti­ves Wachs­tum, al­so ein stark ge­stie­ge­nen Mo­bi­li­täts­be­darf auch bei der bis­he­ri­gen Be­völ­ke­rung; z.B. auf­grund neu­er Le­bens­mo­del­le, den grö­ße­ren Ent­fer­nun­gen zum Ar­beits­platz, ge­än­der­ten und in­di­vi­du­el­le­ren Ar­beits­zei­ten so­wie ge­än­der­tem Frei­zeit­ver­hal­ten. Trotz gro­ßer An­stren­gun­gen zur Stär­kung des ÖPNV führ­te dies in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auch zu ei­nem über­pro­por­tio­na­len An­stieg der Mo­to­ri­sie­rungs­ra­te und zu ei­ner deut­li­chen Über­be­las­tung der Stra­ßen­in­fra­struk­tur, insb. im süd­li­chen Teil des Land­krei­ses Dach­au. Rund die Hälf­te al­ler We­ge be­wäl­ti­gen die Land­kreis­bür­ge­rin­nen und Land­kreis­bür­ger mit ih­rem PKW. Vor dem Hin­ter­grund, dass 45 % al­ler We­ge kür­zer als 2 km sind, ist dies ein (zu) ho­her Wert.

Der Land­kreis Dach­au ver­sucht da­her im Zu­ge ei­nes in­ter­mo­da­len Ge­samt­ver­kehrs­kon­zepts, al­le Ver­kehrs­trä­ger zu stär­ken und da­bei mög­lichst vie­le Per­so­nen zu ei­nem Um­stieg auf den ÖPNV oder die Er­le­di­gung von kur­zen We­gen zu Fuß oder mit dem Fahr­rad zu be­we­gen. Kern­in­hal­te stel­len da­bei die Schaf­fung neu­er, at­trak­ti­ve­rer Bus­an­ge­bo­te im Nah­ver­kehrs­plan so­wie ei­ne Ver­bes­se­rung der Rad­in­fra­struk­tur mit ei­nem Rad­ver­kehrs­kon­zept dar, er­gänzt durch Maß­nah­men zur In­ter­mo­da­li­tät und der Ver­la­ge­rung des Au­to­ver­kehrs aus den be­son­ders hoch be­las­te­ten Bereichen.

Dar­über hin­aus ar­bei­ten die Kom­mu­nen im Mün­che­ner Nor­den so­wie dem an­gren­zen­den Um­land an ei­nem in­ter­kom­mu­na­len Ver­kehrs­pro­jekt. Hier sol­len – auch un­ter Ein­bin­dung der ma­ß­ge­ben­den Wirt­schafts­ak­teu­re im ent­spre­chen­den Raum – über Ge­mein­de- und Land­kreis­gren­zen hin­weg denk­ba­re Lö­sungs­op­tio­nen er­ar­bei­tet und kon­kre­te Maß­nah­men ab­glei­tet so­wie lo­ka­le Ent­wick­lun­gen ko­or­di­niert wer­den. Wir müs­sen den Fo­kus auf ei­ne wei­te­re Stär­kung des ÖPNV le­gen, kön­nen aber auch den Stra­ßen­ver­kehr nicht ver­nach­läs­si­gen, da ge­ra­de im Um­land die wich­ti­gen Bus­ver­keh­re an­sons­ten im glei­chen Stau ste­hen wie die Au­tos und die in­ner­städ­ti­schen Be­rei­che für den Fuß- und Rad­ver­kehr zu un­at­trak­tiv bleiben.

Gleich­zei­tig muss da­bei auch ein Fo­kus auf der Schaf­fung ge­eig­ne­ter fi­nan­zi­el­ler Rah­men­be­din­gun­gen zur ge­mein­sa­men Las­ten­tei­lung lie­gen. In un­se­rem Sys­tem fi­nan­zie­ren sich die Kom­mu­nen pri­mär aus Ein­kom­men­steu­er­an­tei­len so­wie der Ge­wer­be­steu­er. Da die Ein­kom­men­steu­er­an­tei­le für die viel­fäl­ti­gen Auf­ga­ben vor Ort nicht aus­rei­chen, muss ent­we­der auch steu­er­star­kes Ge­wer­be im Um­land an­ge­sie­delt wer­den oder über fi­nan­zi­el­le Aus­gleichs­me­cha­nis­men ver­han­delt wer­den. Hier­zu gibt es zwar be­reits ei­ni­ge bei­spiel­ge­ben­de Pi­lot­pro­jek­te und Ide­en, wich­tig wä­re aber ei­ne all­ge­mei­ne und ver­bind­li­che in­ter­kom­mu­na­le Ver­ein­ba­rung, um die in­ter­kom­mu­na­len Her­aus­for­de­run­gen auch in­ter­kom­mu­nal zu tra­gen. Bei­spiels­wei­se könn­te die Idee der in­ter­kom­mu­na­len Ge­wer­be­ge­bie­te so mo­di­fi­ziert wer­den, dass Ge­wer­be in ei­ner Ge­mein­de mit be­son­ders güns­ti­ger Ver­kehrs­an­bin­dung an­ge­sie­delt, Wohn­raum da­für in ei­ner an­de­ren, na­tur­nä­he­ren Ge­mein­de ge­schaf­fen wird. Die be­tei­lig­ten Kom­mu­nen müss­ten sich na­tür­lich über ei­ne ge­mein­sa­me Ver­tei­lung der Steu­er­ein­nah­men ei­ni­gen, was durch ei­ne Rück­kehr bzw. der Be­rück­sich­ti­gung des frü­her im LEP ver­an­ker­ten Har­mo­ni­sie­rungs­ge­bots er­ge­ben könn­te. Bei den wich­ti­gen Mo­bi­li­täts­her­aus­for­de­run­gen soll­te es dar­über hin­aus ei­nen ge­mein­sa­men Fonds – auch un­ter Ein­bin­dung des Ver­kehrs­ver­bunds und der gro­ßen Wirt­schafts­un­ter­neh­men in der Re­gi­on – ge­ben, um bei­spiels­wei­se wich­ti­ge Bus­li­ni­en oder P&R-Plät­ze im Um­land zu finanzieren.

Bei der Woh­nungs­bau­kon­fe­renz 2017 in Ebers­berg zeig­ten so­wohl die Lan­des­haupt­stadt als auch wei­te­re Kom­mu­nal- und Fach­ver­tre­ter Ver­ständ­nis für die­se grund­sätz­li­che For­de­rung und un­ter­stüt­zen ge­mein­sa­me, in­ter­kom­mu­na­le Maß­nah­men. Ak­tu­ell wird da­her nach ge­eig­ne­ten Me­cha­nis­men und Mo­dell­pro­jek­ten ge­sucht, um ent­spre­chen­de Vor­stö­ße für die Zu­kunft dar­stel­len und – wenn er­folg­reich – ver­ste­ti­gen zu können.

Der Autor
LRA Dachau
Stefan Löwl
Landrat
Landkreis Dachau