11.05.2017
Christian Tackenberg

Einsatz von Legal Tech 2.0 steht noch am Anfang

Keynote-Speaker Prof. Dr. Wahlster eröffnet den 5. Juristischen Jahresgipfel

Es war ein Auftakt nach Maß im Weinhaus Huth am Potsdamer Platz in Berlin.

Der Ge­schäfts­füh­rer  des Deut­schen For­schungs­zen­trums für Künst­li­che In­tel­li­genz GmbH in Saar­brü­cken, Prof. Dr. rer. nat. Dr. h.c. mult. Wolf­gang Wahls­ter, hielt die Key­note zu den Chan­cen der Künst­li­chen In­tel­li­genz. Die Teil­neh­mer, et­wa je zur Hälf­te selb­stän­di­ge Im­mo­bi­li­en-Rechts­an­wäl­te und Ge­ne­ral Coun­sel der gro­ßen Un­ter­neh­men, lausch­ten ge­bannt. Schlie­ß­lich hält Künst­li­che In­tel­li­genz als Teil des Le­gal Tech 2.0 auch in ih­rer Bran­che mehr und mehr Ein­zug – Stich­wort au­to­ma­ti­sier­te Do­ku­men­ten­ana­ly­se und in­tel­li­gen­te Da­ten­räu­me. Dass aber ei­ne Soft­ware ir­gend­wann ei­ge­ne recht­li­che Lö­sun­gen ent­wer­fen oder so­gar die Rechts­be­ra­tung über­neh­men kann,  „wer­den wir hier al­le nicht mehr er­le­ben“, be­ru­hig­te Prof. Dr. Wahls­ter. Bis zur Schaf­fung ei­ner sog. „Su­per­in­tel­li­genz“ wer­de es näm­lich noch „min­des­tens 100 Jah­re dauern“.

 

Im An­schluss dis­ku­tier­ten die CRE-Ver­ant­wort­li­chen von Welt­kon­zer­nen wie Daim­ler, Sie­mens, BASF und ABB über die Chan­cen der Di­gi­ta­li­sie­rung im Un­ter­neh­mens­im­mo­bi­li­en­ge­schäft. Auch die Cor­po­ra­tes kön­nen sich dem Druck, ih­re Pro­zes­se zu di­gi­ta­li­sie­ren, nicht län­ger ver­schlie­ßen. „Di­gi­ta­li­sie­rung ist nicht le­dig­lich ei­ne Chan­ce, wir müs­sen Gas ge­ben“, sag­te zB Dr. Tho­mas Glat­te, BASF. Hu­go Dai­ber von Daim­ler Re­al Es­ta­te, gleich­zei­tig Gast­ge­ber des Vor­abends im Wein­haus Huth, merk­te an: „Di­gi­ta­li­sie­rung ist mehr als nur schnel­ler oder ef­fi­zi­en­ter. Die Nut­zung wird sich än­dern. Künf­tig wer­den kei­ne Flä­chen mehr ver­mie­tet, son­dern Services.“

 

Auch am nächs­ten Tag war das The­ma Di­gi­ta­li­sie­rung noch prä­sent. Die au­to­ma­ti­sier­te Aus­le­sung von Do­ku­men­ten auf brei­ter Ebe­ne wird kom­men, war man sich im Ho­tel de Ro­me ei­nig. Man­dan­ten wer­den ir­gend­wann nicht mehr be­reit sein, ho­he Stun­den­sät­ze zu be­zah­len, für Auf­ga­ben, die auch ein Com­pu­ter über­neh­men kann. „Der Ein­satz von Le­gal Tech kommt aus dem Kos­ten­druck“, for­mu­lier­te Rechts­an­wäl­tin Sa­bi­ne Rei­mann, Part­ne­rin bei Ho­gan Lovells.

 

Auch das ei­gent­lich Recht­li­che kam nicht zu kurz – im Ge­gen­teil. In­ter­es­sant und für vie­le Teil­neh­mer lehr­reich war der Vor­trag von Dr. Tho­mas Schrör, Part­ner bei FPS Fritz Wi­cke See­lig zur Bau­rechts­no­vel­le und dem neu in­stal­lier­ten „Ur­ba­nen Ge­biet“. Die Im­mo­bi­li­en Zei­tung IZ hat schon spöt­tisch vom „Ur­ba­nen Ge­biet­chen“ ge­schrie­ben (IZ 15/2017) und auch die Teil­neh­mer spra­chen von ei­nem Kom­pro­miss. Ins­be­son­de­re bei der An­pas­sung der TA Lärm hät­te sich der Ge­setz­ge­ber mehr trau­en müssen.

 

Dr. Flo­ri­an Thamm (Bak­er & McKen­zie) und Dr. Marc Bahn­mül­ler von Daim­ler Re­al Es­ta­te be­rich­te­ten in der zeit­glei­chen Brea­kout-Ses­si­on dar­über, was es bei Im­mo­bi­li­en­trans­ak­tio­nen im Aus­land zu be­ach­ten gilt. Den steu­er­recht­li­chen Teil über­nah­men Dr. Har­dy Fi­scher von P+P Pöl­lath + Part­ners und Le­on-Ka­si­mir Bartsch, Syn­di­kus-Steu­er­be­ra­ter bei TLG Im­mo­bi­li­en. Im­mo­bi­li­en als Ge­wer­be­be­trieb und bei ei­ner Ge­schäfts­ver­äu­ße­rung war The­ma ih­rer Präsentationen.

 

Was tun, wenn nach ei­ner Re­vi­ta­li­sie­rung plötz­lich ei­ne Stell­platz­ver­pflich­tung an­fällt – die­se und an­de­re Fra­gen rund um die ju­ris­ti­sche Pro­jekt­steue­rung von Re­vi­ta­li­sie­rungs­vor­ha­ben be­ant­wor­te­ten Chris­to­pher Küas (CBH Rechts­an­wäl­te) und Prof. Dr. Fa­bi­an Hin­richs (IFM Immobilien).

 

Fa­zit: Der Ein­satz von Le­gal Tech 2.0 steht noch am An­fang. Wich­ti­ge Fra­gen wie zB die Haf­tung in der Due Di­li­gence, wenn der Com­pu­ter ei­nen „Feh­ler“ macht, sind noch nicht be­ant­wor­tet. Doch der Kos­ten- und da­mit In­no­va­ti­ons­druck ist da. Kris­ti­na Baur­schmidt (K&L Gates) fand die ab­schlie­ßen­den Wor­te. „Man muss mit der Zeit ge­hen, sonst muss man mit der Zeit gehen.“

Der Autor
Heuer Dialog
Christian Tackenberg
Projektleiter
Heuer Dialog GmbH