24.03.2017
Dr. Peter Achten

Ein Kommentar von Dr. Peter Achten

Hat der Einzelhandel in der Innenstadt (noch) Zukunft?

Innenstädte stehen derzeit vor großen Herausforderungen. E-Commerce und Digitalisierung verändern das Kaufverhalten der Kunden stetig. Vieles kann bequem über Online-Kanäle bestellt und nach Hause oder an den Arbeitsplatz geliefert werden.

Forschende Institutionen gehen davon aus, dass bis 2020 50.000 Ladengeschäfte aus des Städten verschwinden könnten – mit verheerenden Folgen für die urbane Aufenthaltsqualität und Kultur. In vielen kleineren und mittleren Städten kämpfen Wirtschaftsförderer und Stadtmarketing schon heute gegen Leerstände an. Die Frage ist: Wie können Stadt und Handel dieser Entwicklung begegnen? Die Antwort geben die Kunden in Umfragen regelmäßig selbst: Auf den Einkauf vor Ort wollen sie nicht verzichten. Selbst hochgradig digitalisierte Millenials und die nachfolgenden jüngeren Generationen schätzen den Einkauf im stationären Einzelhandel. Sofortige Warenverfügbarkeit, anprobieren ohne lästige Retoure-Sendungen, persönliche Beratung: Es gibt vieles, was die Kunden aller Generationen am Handel vor Ort schätzen. Für den stationären Handel kann es indes ein „Weiter wie bisher“ nicht geben. Gefragt sind moderne Konzepte, ansprechendes Ladendesign, Service auf der ganzen Linie – inklusive digitaler Möglichkeiten und der Verknüpfung von On- und Offline-Möglichkeiten. Um zu zeigen, was der Handel vor Ort leistet und anbietet, braucht es allerdings Plattformen zur Präsentation. Tage und Stunden, in denen die Bühne dem Handel der Stadt gehört. Eine vom Handelsverband Bayern in Auftrag gegebene Studie hat deutlich gezeigt, dass Gemeinschaftsaktionen des städtischen Handels reiche Früchte tragen. Aus der Vielzahl der Möglichkeiten sticht der verkaufsoffene Sonntag jedoch als unangefochtener Spitzenreiter hervor. Keine andere Gemeinschaftsaktion schafft einen höheren ROI, zieht mehr Kunden in die Städte und schafft nachhaltigere Kundenbeziehungen. Die Zukunft des Handels vor Ort besteht darin, bewährte Traditionen, wie verkaufsoffene Sonntage oder lange Einkaufsnächte, zu pflegen und sich dabei offen den Möglichkeiten von Digitalisierung und E-Commerce zuzuwenden.

(www.handelsverband-nrw.de | www.twitter.com/hvnrw)

Der Autor
Dr. Peter Achten
Hauptgeschäftsführer
Handelsverband NRW