23.03.2017
Johannes Haas

… immer mehr fliegen aber raus!

„Die Party in Frankfurt geht weiter“

Die Preise steigen weiter, die Verdrängungseffekte nehmen zu. Vor Frankfurt liegt ein hartes Stück Arbeit zur Bekämpfung der Wohnungsnot.

Besonders überrascht habe ihn die Wucht, mit der das Kapital nach Frankfurt ströme, gab Planungsdezernent Mike Josef zu Beginn des Wohn-Dialog Frankfurt am 22. März 2017 in der Frankfurter Sparkasse zu. Er kritisierte die „Goldgräberstimmung“ und wünschte sich von den mehr als 90 Teilnehmerrinnen und Teilnehmern: „Nachhaltigkeit und urbanes Leben sollen vor dem schnellen Geld stehen!“ Es sei die Vielfalt Frankfurts, welche die Stadt so lebendwert macht. Um diese Vielfalt aufrecht zu erhalten, müsse Wachstum „vernünftig, gerecht und sozial gestaltet“ werden. Nur so könne die Wohnungsnot nachhaltig bekämpft werden und Frankfurt seine Qualität erhalten.

Es sind aber auch die stetig steigenden Baukosten, die Wohnen in Frankfurt so teuer machen. Iris Dilger (DIE WOHNKOMPANIE) kritisierte die vielen, immer strenger werdenden Auflagen, welche das Bauen teurer machen. Auch Ludger Stüve (Regionalverband FrankfurtRheinMain) mahnte den Gesetzgeber an, endlich aktiv zu werden, damit Flächen vernünftig ausgenutzt werden können.

Schon heute fehlen in Frankfurt 40.000 Wohnungen – die meisten davon in bezahlbaren Preisklassen. Eric Erdmann (Studentenwerk Frankfurt am Main) betonte, dass es auch beim Wohnraum für Studierende historische Versäumnisse gab, die bis heute nicht aufgearbeitet werden konnten. Er appellierte an die Immobilienwirtschaft, den Standortfaktor Ernst zu nehmen und mehr Wohnraum in für Studierende zu erschwinglichen Preisen anzubieten.

Einigkeit herrschte darüber, dass es eine Mammutaufgabe sein wird, ausreichend Wohnraum herzustellen. Aus Sicht der Immobilienwirtschaft geht „die Party“ also weiter, der bittere Beigeschmack, dass Verdrängungseffekte wohl so schnell nicht zu stoppen sind, bleibt jedoch (vorerst) bestehen.

 

Erstmals fand am Vorabend gemeinsam mit der Stadt Frankfurt ein Bürgerdialog zum Thema „Wohnen in Frankfurt – Luxusgut oder öffentliche Daseinsvorsorge“ statt. Rund 300 Bürgerinnen und Bürger diskutierten mit Planungsdezenernt Mike Josef und Vertretern der Immobilienwirtschaft. Den Nachbericht sowie einige Bilder finden sie hier.

Der Autor
Johannes Haas
Projektleiter
Heuer Dialog GmbH