08.03.2017
Christian Esch

BRAUCHT BIM EIN NEUES LEISTUNGSBILD IN DEN LEISTUNGSPHASEN 2-5?

BIM – Basis für einen (Neu-)Aufschlag im Architektenrecht

Die Leistungsphasen der HOAI verschieben sich unter dem Einfluss von BIM. Die Planungsphasen im digitalen Modell lassen sich nicht mehr exakt abgrenzen bzw. fließen ineinander. Welche Darstellung ist heute noch zeitgemäß?

Die Ar­chi­tek­ten­kam­mer Nord­rhein-West­fa­len hat im Herbst 2016 ei­ne Bro­schü­re mit dem ers­ten Ent­wurf ei­nes Leis­tungs­bil­des für die BIM-Pla­nung her­aus­ge­ge­ben. Ne­ben dem Vor­schlag ei­nes Leis­tungs­bil­des ent­hält die Bro­schü­re auch Ide­en für ei­ne Dar­stel­lung der not­wen­di­gen LOD (Le­vel of De­tail) und LOI (Le­vel of Information).

Da­bei sind die Än­de­run­gen zwi­schen dem Stan­dard­leis­tungs­bild nach den Vor­ga­ben der HO­AI und dem Vor­schlag der Ar­chi­tek­ten­kam­mer NRW gar nicht so un­ter­schied­lich. Ab­ge­se­hen von ei­ner tat­säch­lich neu­en Grund­leis­tung in der Leis­tungs­pha­se 1, wo­nach der Ar­chi­tekt zu­sam­men mit dem Auf­trag­ge­ber die Vor­ga­ben für die Auf­trag­ge­ber­in­for­ma­ti­ons­an­for­de­run­gen (AIA) ent­wi­ckeln und den BIM-Ab­wick­lungs­plan mit ent­wi­ckeln soll, be­schränkt sich die Dar­stel­lung des Leis­tungs­bil­des im We­sent­li­chen auf die Er­gän­zung, dass die Ar­bei­ten nicht mehr zeich­ne­risch, son­dern am di­gi­ta­len Mo­dell aus­ge­führt wer­den sollen.

Mit die­sen Vor­ga­ben zum Leis­tungs­bild hat die Ar­chi­tek­ten­kam­mer NRW zwar ei­ne ers­te Ar­beits­hil­fe ge­ge­ben, die tat­säch­li­chen Pro­ble­me, die sich ty­pi­scher­wei­se aus der An­wen­dung von BIM in der Rea­li­tät er­ge­ben und de­ren wirt­schaft­li­che Aus­wir­kun­gen wer­den durch die­ses Leis­tungs­bild al­ler­dings nicht voll­stän­dig abgebildet.

Grund­sätz­lich ist das Leis­tungs­bild der HO­AI na­tür­lich nur ma­ß­geb­lich für die Ver­gü­tung des Ar­chi­tek­ten, nicht für die Be­stim­mung von des­sen Leis­tungs­um­fang. Der An­spruch der Ar­chi­tek­ten­kam­mer NRW dürf­te al­ler­dings deut­lich wei­ter ge­hen und das Ziel ha­ben, auch ei­ne Vor­ga­be für die Leis­tungs­er­brin­gung durch den Ar­chi­tek­ten, al­so ei­nen Vor­schlag für ei­ne Leis­tungs­be­schrei­bung des Ar­chi­tek­ten un­ter Be­rück­sich­ti­gung von BIM zu er­stel­len. Dies wird durch den Ent­wurf des Leis­tungs­bil­des, selbst un­ter Be­ach­tung der Vor­schlä­ge für die LOD und LOI nicht erreicht.

Der we­sent­li­che Kri­tik­punkt an dem Leis­tungs­bild der Ar­chi­tek­ten­kam­mer NRW dürf­te in den Leis­tungs­pha­sen 2-5 lie­gen. Der Maß­stab und der De­tail­lie­rungs­grad, die die HO­AI als we­sent­li­che Un­ter­schei­dung- und Dif­fe­ren­zie­rungs­kri­te­ri­en der pla­ne­ri­schen Grund­leis­tun­gen zu Grun­de legt, hat in der Pla­nung nach BIM kei­ne tat­säch­li­che Be­deu­tung mehr. Bei der Ver­wen­dung von drei­di­men­sio­na­len Pro­dukt­vor­ga­ben, wie sie von den meis­ten Pla­nungs­sys­te­men mitt­ler­wei­le an­ge­bo­ten wer­den, macht die Dif­fe­ren­zie­rung der pla­ne­ri­schen Er­geb­nis­se zwi­schen den Leis­tungs­pha­sen 2-5 weit­ge­hend künstlich.

Es er­scheint da­her nicht sinn­voll, die Dif­fe­ren­zie­rung der ver­schie­de­nen Leis­tungs­pha­sen nach ei­nem künst­li­chen Maß­stab-Äqui­va­lent vor­zu­neh­men. Pas­send er­scheint hier die aus dem an­gel­säch­si­schen Raum über­nom­me­ne Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen „Work in Pro­gress“ – al­so ers­te Kon­zept­stu­di­en oh­ne Ein­ar­bei­tung der Fach­pla­ner (ggf. auf­ge­teilt in Kon­zep­te und Ent­wür­fe), „Shared“ – al­so ein Stand un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Bau­herrn­wün­sche und Mit­wir­kung der Fach­pla­ner – und „Pu­blis­hed“ – al­so end­ab­ge­stimmt. Da­mit dürf­te für al­le Be­tei­lig­ten ei­ne kla­re­re Vor­ga­be ge­ge­ben sein, auch wenn dann die Ab­gren­zung zwi­schen den Leis­tungs­pha­sen 2, 3 und 5 deut­lich er­schwert wird. Ob dies al­ler­dings ein ech­ter Nach­teil, ins­be­son­de­re für die Ar­chi­tek­ten, ist, er­scheint oh­ne­hin zwei­fel­haft. Tat­säch­lich dürf­te die Tren­nung der Pla­nungs­leis­tun­gen auf un­ter­schied­li­che, auf­ein­an­der­fol­gen­de Pla­ner we­der dem Pro­jekt noch dem Pla­ner gut tun. Auch die Tat­sa­che, dass BIM au­to­ma­tisch den Pla­nungs­auf­wand in die frü­hen Leis­tungs­pha­sen ver­schiebt, oh­ne dass die HO­AI hier­für ei­ne an­ge­mes­se­ne Ver­gü­tungs­fol­ge vor­sieht, macht die Idee, das Leis­tungs­bild für die Leis­tungs­pha­sen 2-5 über­grei­fend zu for­mu­lie­ren, durch­aus attraktiv.

Das Ziel muss es da­her sein, hier wei­ter den tat­säch­li­chen Ab­läu­fen un­ter Ein­satz von BIM zu fol­gen und das Leis­tungs­bild der Ar­chi­tek­ten­kam­mer NRW nicht zum Stan­dard wer­den zu lassen.

Die mög­li­chen Ant­wor­ten auf die Fra­ge, wie die Leis­tungs­pha­sen der HO­AI in der BIM-Pla­nung aus­se­hen, kön­nen Sie mit Chris­ti­an Esch und an­de­ren Ex­per­ten dis­ku­tie­ren beim „Smart Re­al Es­ta­te BIM – An­for­de­run­gen und An­pas­sun­gen für die di­gi­ta­le (R-)Evo­lu­ti­on- Ak­tu­el­le und recht­li­che Fra­ge­stel­lun­gen“ am 5. April  2017in Frankfurt.

Der Autor
Bild: Christian Esch
Christian Esch
Partner
Kanzlei Graf von Westphalen