20.02.2017
Ralf Werner

Zentrale Lagen in Großstädten wie Frankfurt erfreuen sich großer Beliebtheit

Die neue Lust auf Urbanität: Das Frankfurter Bahnhofsviertel im Wandel

Die deutschen Stadtzentren sind auf dem Weg alle städtischen Nutzungsformen zu bündeln: Wohnen, Arbeit, Einkauf, Kultur und Erholung.

Zen­tra­le La­gen in Groß­städ­ten wie Frank­furt er­freu­en sich ei­ner Be­liebt­heit, wie sie seit Jahr­zehn­ten nicht zu er­ken­nen war. Die Re­de ist nicht nur von Ein­zel­händ­lern, die um die Ein­kaufs­strö­me in­ner­städ­ti­scher Shop­ping­mei­len buh­len. Die deut­schen Stadt­zen­tren sind viel­mehr auf dem Weg al­le städ­ti­schen Nut­zungs­for­men zu bün­deln: Woh­nen, Ar­beit, Ein­kauf, Kul­tur und Er­ho­lung. Den Hin­ter­grund für den Me­ga­trend Zen­tra­li­tät bil­det das Be­dürf­nis nach Ur­ba­ni­tät und Mo­bi­li­tät. Kur­ze We­ge und die Mög­lich­keit al­les - ob Ar­beits­platz, Nah­ver­sor­gung oder Frei­zeit­an­ge­bot -  schnell zu er­rei­chen, ge­winnt bei der Woh­nungs­su­che zu­neh­mend an Bedeutung.

Ob be­wusst oder un­be­wusst: Mit dem Be­kennt­nis zum ur­ba­nen Zen­trum keh­ren die Städ­te zu ih­ren his­to­ri­schen Ur­sprün­gen zu­rück. Aus­ge­hend vom Mit­tel­punkt bot die Stadt frü­her all ih­re An­ge­bo­te in­ner­halb der Stadt­mau­ern feil. Die Ge­bie­te au­ßer­halb der Stadt­be­gren­zung wa­ren den Pro­duk­ti­ons­stät­ten für Le­bens­mit­tel und an­de­re Wa­ren vor­be­hal­ten, ver­gleich­bar mit den heu­ti­gen Ge­wer­be­ge­bie­ten in der ur­ba­nen Pe­ri­phe­rie. Je be­deut­sa­mer die Stel­lung ei­nes Stadt­be­woh­ners aus­fiel, des­to grö­ßer war die räum­li­che Nä­he zum Herr­schafts­zen­trum: In ganz Eu­ro­pa zeu­gen pracht­vol­le Pa­tri­zi­er­häu­ser in un­mit­tel­ba­rer Um­ge­bung von Kir­che, Schloss oder Rat­haus da­von. Frank­furt bie­tet mit dem Rö­mer in di­rek­ter Nä­he zum Dom das bes­te Bei­spiel hierfür.

Das da­ma­li­ge Stadt­kon­zept mit dem Grund­satz der Zen­tra­li­tät blieb auch nach dem Ab­riss der mit­tel­al­ter­li­chen Stadt­mau­ern im Zeit­al­ter der In­dus­tria­li­sie­rung er­hal­ten. Eu­ro­pa­weit ent­stan­den im 19. Jahr­hun­dert nach Pa­ri­ser Vor­bild groß­zü­gi­ge Bou­le­vards mit Stadt­vil­len und Fla­nier­mög­lich­kei­ten. Erst der Zwei­te Welt­krieg riss ein Loch in vie­le deut­sche In­nen­städ­te. Wohn­ge­bie­te ent­stan­den nun ver­mehrt au­ßer­halb der Stadt­zen­tren, Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten wur­den auf der grü­nen Wie­se geschaffen.

Das Frank­fur­ter Bahn­hofs­vier­tel spie­gelt die­se Ent­wick­lung gut wi­der. Die ers­ten Vil­len ent­stan­den hier in der ers­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts. Bis zum Ers­ten Welt­krieg war die Be­bau­ung des ge­sam­ten Vier­tels mit der ty­pi­schen bür­ger­li­chen Ar­chi­tek­tur des Kai­ser­reichs ab­ge­schlos­sen. Zahl­rei­che die­ser his­to­ris­ti­schen Wohn­häu­ser wur­den in der Nach­kriegs­zeit zer­stört und die an­schlie­ßen­de Ver­nach­läs­si­gung der ver­blie­be­nen Sub­stanz mach­te das Bahn­hofs­vier­tel zum so­zia­len Brennpunkt.

Doch in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ist es zum Um­schwung ge­kom­men. Ein Be­völ­ke­rungs­plus von 50 Pro­zent seit 2011 und die An­sie­de­lung at­trak­ti­ver Gas­tro­no­mie ha­ben das Bahn­hofs­vier­tel zur „tren­digs­ten Wohn­ge­gend Frank­furts“ ge­macht, wie die „Wirt­schafts­Wo­che“ ur­teil­te. Das Pro­jekt „twen­ty­7e­ven“ ist ein klei­ner Bei­trag zur Auf­wer­tung die­ses in­ner­städ­ti­schen Stadt­vier­tels. Das Ob­jekt um­fasst 89 Ei­gen­tums­woh­nun­gen in der Nid­da­stra­ße / Ecke We­ser­stra­ße und fügt sich har­mo­nisch in das Frank­fur­ter Stadt­bild ein, da es an die Ur­sprün­ge des Bahn­hofs­vier­tels mit sei­nen groß­zü­gi­gen Häu­sern und Gar­ten­flä­chen an­knüpft. So hat sich im Frank­fur­ter Bahn­hofs­vier­tel ei­ne le­ben­di­ge Mi­schung aus alt­ein­ge­ses­se­nen und neu­en Be­woh­nern er­ge­ben, die dem Quar­tier ei­nen be­son­de­ren Charme verleihen.

Der Autor
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Ralf Werner
Niederlassungsleiter
formart GmbH & Co. KG