24.02.2017
Helmut Haß

Vorhandene Baufragmente wirtschaftlich nutzen

Aus Alt mach Neu in Leipzig

Wer heute im innerstädtischen Raum baut oder eine Fläche entwickelt, trifft häufig auf Altfundamente im Boden. Diese müssen nicht immer stören, sondern können auch Zeit, Ressourcen und Baukosten sparen. Ein Umdenken ist gefragt.

Was tun mit Alt­fun­da­men­ten im Bo­den? Die­se Fra­ge stellt sich in den letz­ten Jah­ren an­ge­sichts knap­per Bau­plät­ze und ei­ner im­mer dich­te­ren Be­bau­ung in Deutsch­lands In­nen­städ­ten zu­neh­mend häu­fi­ger. Neu ist die­se Fra­ge da­bei nicht. Schon seit Jahr­hun­der­ten ha­ben Men­schen ih­re Häu­ser auf al­ten Ge­mäu­ern und Sied­lungs­res­ten, auf Schutt und Trüm­mern errichtet.

Was sich je­doch ge­än­dert hat, ist die Kom­ple­xi­tät der Fra­ge. Wäh­rend man frü­her die Frag­men­te der Vor­nut­zung ab­trug und ent­sorg­te, ist die­ses Vor­ge­hen heut­zu­ta­ge nicht im­mer wirt­schaft­lich sinn­voll oder über­haupt tech­nisch möglich.

Grund da­für sind ins­be­son­de­re zwei Ent­wick­lun­gen: Zum ei­nen füh­ren die knap­pe­ren Bau­plät­ze und stei­gen­den Qua­drat­me­ter­prei­se in den letz­ten Jah­ren ver­stärkt da­zu, dass al­te In­dus­trie­stand­or­te und Bahn­flä­chen um­ge­nutzt und neu ent­wi­ckelt wer­den. Die Zei­ten, in de­nen Bau­her­ren auf der grü­nen Wie­se bau­en konn­ten, sind vor­bei (falls es sie in ur­ba­nen Räu­men je­mals gab). Zum an­de­ren wur­de in den letz­ten Jahr­zehn­ten hö­her und dich­ter ge­baut. Die Fol­ge wa­ren im­mer tie­fe­re Grün­dun­gen mit teil­wei­se vie­len Me­ter lan­gen Bau­tei­len wie Be­ton- oder Stahl­pfäh­len, die sich kaum aus dem Bo­den ent­fer­nen lassen.

Um mit die­sen schwie­ri­gen Rand­be­din­gun­gen um­zu­ge­hen, ist ei­ne neue Sicht­wei­se not­wen­dig. Denn nicht al­le al­ten Bauf­rag­men­te müs­sen ein Stör­fak­tor sein. Im Ge­gen­teil: Ent­we­der man nutzt den Be­stand als Fun­da­ment, um Las­ten ab­zu­tra­gen. In die­sem Fall er­tüch­ti­gen Bau­in­ge­nieu­re die be­ste­hen­de Grün­dung und in­te­grie­ren sie in das neue Fun­da­ment. Oder aber der Be­stand lässt sich nicht oder nur mit er­heb­li­chem Kos­ten­auf­wand ent­fer­nen. In die­sem Fall kön­nen Sach­kun­di­ge ei­ne tech­nisch aus­ge­feil­te Lö­sung ent­wi­ckeln, die die vor­han­de­nen Bau­tei­le cle­ver umgeht.

In bei­den Fäl­len ist das Er­geb­nis ähn­lich: Wer Alt­frag­men­te wie­der nutzt, kann Zeit und Ma­te­ri­al und da­mit Kos­ten spa­ren. In Zei­ten ei­nes star­ken, glo­ba­len Wett­be­werbs sind die­se wirt­schaft­li­chen Vor­tei­le er­folgs­ent­schei­dend. Dar­über hin­aus wirkt sich der ge­rin­ge­re Res­sour­cen­ein­satz auch po­si­tiv auf die Um­welt­bi­lanz aus. Ge­ra­de mit Blick auf die For­de­rung nach ei­nem nach­hal­ti­gen und en­er­gie­ef­fi­zi­en­ten Bau­en ist die­ser öko­lo­gi­sche As­pekt ein zu­sätz­li­ches Qua­li­täts­merk­mal für die Stakeholder.

Vor­aus­set­zung für die­se po­si­ti­ven Ef­fek­te ist je­doch, dass Bau­her­ren und In­ves­to­ren bei der Pro­jekt­ent­wick­lung früh­zei­tig ei­nen Ex­per­ten hin­zu­zie­hen. Ein geo­tech­ni­sches Fach­gut­ach­ten bie­tet den Ver­ant­wort­li­chen für die­se Fra­gen ei­ne so­li­de Ba­sis. Aus den In­for­ma­tio­nen zur be­ste­hen­den Grün­dung, Bau­grund und Grund­was­ser las­sen sich ver­läss­li­che Grund­la­gen für die wei­te­re Pla­nung ab­lei­ten. Denn nur wer Stör­kör­per früh­zei­tig in sei­nem Pro­jekt be­rück­sich­tigt, kann aus ih­nen ei­nen Mehr­wert generieren.

Der Autor
Bild: CDM Smith Consult GmbH
Helmut Haß
Mitglied der Geschäftsleitung
CDM Smith Consult