09.02.2017
Alain Gozzer

Jahreskongress Temporäres Wohnen

Die Schweiz ist prädestiniert für die Serviced Apartment Branche

Die Serviced Apartment Branche boomt nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Nachbarländern Schweiz und Österreich.

Ein An­bie­ter, der in al­len drei Län­dern tä­tig ist, sind die VI­SIO­NA­PART­MENTS. Heu­er Dia­log hat mit Alain Goz­zer, Group Head of Mar­ke­ting & Com­mu­ni­ca­ti­ons ge­spro­chen, um her­aus­zu­fin­den, wie der Markt in der Schweiz tickt.

Wie wird das Seg­ment in der Schweiz bewertet?

Grund­sätz­lich sehr po­si­tiv. Das Seg­ment ist gut eta­bliert. Grund da­für sind die so oder so ho­hen Le­bens­kos­ten in der Schweiz und die Schwie­rig­keit, in Kür­ze ei­ne schö­ne Woh­nung an gu­ter La­ge zu fin­den. Die Schweiz ist und bleibt auf­grund der zahl­rei­chen in­ter­na­tio­na­len Fir­men­sit­ze wie prä­de­sti­niert für die Ser­vi­ced Apart­ment Branche.

Wer sind die Player?

Play­er gibt es im­mer mehr, gu­te und we­ni­ger gu­te, je­doch we­ni­ge, die über meh­re­re Stand­or­te tä­tig sind. Ein in­ter­es­san­ter Play­er ist NEST, mit de­nen wir dank un­se­rem Part­ner­netz­werk gut zu­sam­men ar­bei­ten. Sie de­cken De­sti­na­tio­nen ab, in de­nen wir zum Teil noch nicht prä­sent sind.

Das ist fer­ner et­was wei­te­res, was die Ser­vi­ced Apart­ment Bran­che aus­zeich­net: Es gibt kein Ge­gen­ein­an­der, son­dern es funk­tio­niert im­mer wie­der miteinander.

Auch in­ter­na­tio­na­le Play­er kom­men mehr und mehr in die Schweiz. Da­zu ge­hö­ren Frasers so­wie Ada­gio, bei­de in Genf.

Last but not least, gibt es auch im­mer mehr Misch­for­men. Auch die Ho­tel­le­rie schläft nicht und rüs­tet um, um für Lang­zeit­auf­ent­hal­te at­trak­ti­ver zu werden.

Wie groß ist die Nachfrage?

Kon­ti­nu­ier­lich hoch. Die Schweiz eig­net sich nach wie vor bes­tens als Fir­men­haupt­sitz. Auch der Brexit wird der Schweiz in die Kar­ten spie­len. Die klei­ne Flau­te nach der Ab­stim­mung zur Zu­wan­de­rungs­in­itia­ti­ve wur­de be­reits wie­der aufgefangen.

Deckt das ak­tu­el­le An­ge­bot die Nachfrage?

Nein, es gibt noch Po­ten­zi­al nach oben.

Wel­che Pro­duk­te zie­hen ganz besonders?

Da es mehr­heit­lich In­di­vi­du­al­rei­sen­de sind, wer­den mehr­heit­lich klei­ne Ein­hei­ten (Stu­di­os, One-Be­drooms an­ge­fragt), wel­che auch das Bud­get der Fir­men scho­nen. Grös­se­re Woh­nun­gen wer­den we­ni­ger nach­ge­fragt – wenn, dann stei­gen so­fort auch die An­sprü­che in den lu­xu­riö­sen Bereich.

Wel­che Städ­te sind in der Schweiz für Ser­vi­ced Apart­ments be­son­ders attraktiv?

Die­je­ni­gen, die in­ter­na­tio­na­le Fir­men an­zie­hen. Ne­ben Zü­rich, Ba­sel, Genf und der ge­sam­ten Gen­fer­see­re­gi­on sind das auch im­mer mehr klei­ne­re Städ­te, so­ge­nann­te B-De­sti­na­tio­nen wie Zug, St. Gal­len oder Neuenburg.

Wo se­hen Sie Potential?

Das Po­ten­zi­al ist wie ge­sagt noch nicht aus­ge­schöpft. Für das Seg­ment bie­ten sich nach wie vor Chancen.

Po­ten­zi­al steckt auch noch in der Op­ti­mie­rung des Ge­samt­pro­duk­tes. In­ter­na­tio­na­le Ge­schäfts­rei­sen­de, die Ser­vi­ced Apart­ments aus an­de­ren Re­gio­nen, z. B. New York, ge­wohnt sind, he­gen hö­he­re Ser­vice-An­sprü­che als die­je­ni­gen, die in Eu­ro­pa Usus sind.

Wo wür­den Sie gern selbst ein wei­te­res Haus betreiben?

Wir sind in Zü­rich über die gan­ze Stadt ver­teilt be­reits mit 13 Lie­gen­schaf­ten prä­sent, da­zu kom­men Häu­ser in Lau­sanne. In der Pipe­line be­fin­den sich Genf, Ve­vey, ein wei­te­res Haus in Lau­sanne, so­wie Ba­sel. Wir hal­ten im Mo­ment auch Aus­schau nach mög­li­chen Pro­jek­ten in der Flug­ha­fen­re­gi­on von Zü­rich, Zug und wei­te­ren B-Destinationen.

Wel­che Ser­vices wer­den von den Gäs­ten tat­säch­lich gebucht?

Un­ser Ba­sis­an­ge­bot mit kom­plett mö­blier­ten Woh­nun­gen, In­ter­net, TV und wö­chent­li­cher Rei­ni­gung reicht im Nor­mal­fall aus. Zu­satz­leis­tun­gen wer­den nur spo­ra­disch ge­bucht. Be­liebt ist u. a. der Wäscheservice.

Wo­her kommt das Geschäft?

Aus al­len mög­li­chen Län­dern und Bran­chen. Das lässt sich nicht ein­gren­zen und än­dert sich auch im­mer wie­der. Ak­tu­ell stel­len wir ei­ne ver­stärk­te Nach­fra­ge aus US und dem asia­ti­schen Raum fest. Eu­ro­pa in­klu­si­ve Gross­bri­tan­ni­en sind Dauerläufer.

Wer ist die Zielgruppe?

Wohl wie in Deutsch­land und Ös­ter­reich auch, mehr­heit­lich in­ter­na­tio­na­le Ge­schäfts­leu­te, je­doch auch im­mer mehr Pri­va­te, die ein tem­po­rä­res Dach über dem Kopf brau­chen. Es sind die ty­pi­schen Busi­ness-No­ma­den, die auch in der Schweiz anklopfen.

Wie se­hen durch­schnitt­li­che Auf­ent­halts­dau­ern in der Schweiz aus?

Aus un­se­rer Er­fah­rung et­was län­ger als in Deutsch­land. In Zü­rich be­trägt die durch­schnitt­li­che Auf­ent­halts­dau­er nach wie vor bis zu 3 Monate.

Wie hoch ist die ADR?

Be­zo­gen auf VI­SIO­NA­PAR­TEM­NTS schweiz­weit bei rund CHF 125.

Wie hoch ist die Auslastung?

Bei VI­SIO­NA­PART­MENTS schweiz­weit knapp über 95 % (2015: 95 %, 2014: 94 %).

Wel­che Ser­vi­ced Apart­ment-Pro­jek­te sind für die Schweiz be­reits in der Pipeline?

In un­se­rem Fall Genf, Ve­vey, Lau­sanne St. Sul­pi­ce so­wie Basel.

Wel­che Be­griff­lich­kei­ten wer­den in der Schweiz für das Seg­ment ver­wen­det? Ähn­lich wie in Deutsch­land oder mehr wie in den USA?

Das Seg­ment hat wie in vie­len an­de­ren Län­dern Eu­ro­pas noch kein wirk­li­ches Pro­fil. So spricht man je län­ger je mehr auch von Ser­vi­ced Apart­ments. Ge­läu­fig ist bei uns al­ler­dings auch der Be­griff „Mö­blier­te Mietwohnungen“.

Nicht ver­ges­sen darf man, dass wir in der Schweiz drei­spra­chig un­ter­wegs sind. Das hilft bei der Fin­dung ei­nes Ein­heits­be­griffs nicht wirk­lich weiter.

Wie hoch ist der Be­kannt­heits­grad für Ser­vi­ced Apart­ments in der Schweiz?

Schwer zu sa­gen da kei­ne ver­läss­li­chen Zah­len vor­lie­gen, je­doch si­cher­lich mit stei­gen­dem Be­kannt­heits­grad. Wir von Sei­ten VI­SIO­NA­PART­MENTS un­ter­neh­men mit ak­ti­ven Mar­ke­ting- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mass­nah­men, ins­be­son­de­re Öf­fent­lich­keits­ar­beit, sehr viel, um das Seg­ment be­kann­ter zu ma­chen. Klar ist, dass wir hier dran blei­ben müs­sen und das Seg­ment wei­ter gut ver­mark­ten müs­sen. Ne­ben gu­ten Mar­ke­ting- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ak­ti­vi­tä­ten gilt es das Pro­dukt als sol­ches stän­dig zu ver­fei­nern und im­mer wie­der neue Mei­len­stei­ne zu set­zen, wenn es um die Er­öff­nung neu­er Häu­ser geht. Wir von Sei­ten VI­SIO­NA­PART­MENTS wer­den hier am Ball blei­ben und freu­en uns auch über neue Play­er, die den Schwei­zer Markt bald be­rei­chern wer­den, wie zum Bei­spiel iPartments.

Die Fir­men­grün­de­rin und Ge­schäfts­füh­re­rin von VI­SIO­NA­PART­MENTS, An­ja Graf, hat sich üb­ri­gens auch be­reits für den Jah­res­kon­gress Tem­po­rä­res Woh­nen in Köln an­ge­mel­det. Der Ver­an­stal­ter freut sich, sie am Don­ners­tag, 26. April 2017, 11.30 h zum Pa­nel „Wie nach­hal­tig ist Tem­po­rä­res Woh­nen als Zu­kunfts­mo­dell?“ zu begrüssen.

Der Autor
Bild: Alain Gozzer, VISIONAPARTMENTS
Alain Gozzer
Group Head of Marketing & Communications
Visionapartments