22.01.2017
Hubert Wicker

Wohn-Dialog Baden-Württemberg

Wohnraum schaffen

Die Wohn- und Lebensqualität der Menschen in Baden-Württemberg hat für die Landesregierung einen hohen Stellenwert.

Bild: Hu­bert Wicker

Aus­rei­chen­der und be­zahl­ba­rer Wohn­raum ist da­für un­er­läss­lich und ein wich­ti­ges Ziel. Die Nach­fra­ge nach Miet­woh­nun­gen ist vor al­lem in den Bal­lungs­ge­bie­ten sehr hoch. Das be­trifft vor al­lem die­je­ni­gen, de­ren Ein­kom­men im bes­ten Fall ei­nen be­grenz­ten Zu­gang zu den Woh­nungs­märk­ten er­mög­li­chen. Der Gro­ß­teil des Ein­kom­mens die­ser Fa­mi­li­en flie­ßt in die mo­nat­li­che Mie­te und sie kön­nen die ge­for­der­ten Prei­se für Wohn­ei­gen­tum in den Bal­lungs­räu­men nicht be­zah­len. Ei­ner­seits ent­wi­ckeln sich an­ge­mes­se­ne Woh­nun­gen in den Bal­lungs­räu­men und sons­ti­gen Be­darfs­zen­tren im­mer mehr zu ei­nem Lu­xus­gut. Auf der an­de­ren Sei­te wur­de noch nie so viel Geld in Im­mo­bi­li­en in­ves­tiert wie im Jahr 2016.

Die Lan­des­re­gie­rung re­agiert dar­auf, denn die Preis­spi­ra­le, sei es bei Mie­ten oder bei Wohn­ei­gen­tum, pro­du­ziert zwangs­läu­fig Ver­lie­rer. Die Woh­nungs­märk­te sind längst nicht mehr so of­fen und zu­gäng­lich wie in der Ver­gan­gen­heit. Ein we­sent­li­ches Hin­der­nis sind zum ei­nen die zu ge­rin­gen Ein­kom­men von Fa­mi­li­en, die sich in den Bal­lungs­zen­tren um ei­ne Woh­nung be­mü­hen. Das sind kei­ne Fa­mi­li­en, die we­gen ih­rer Markt­zu­gangs­pro­ble­me staat­li­che Hil­fe be­nö­ti­gen. Im­mer mehr Haus­hal­te mit Fach­kräf­ten, die ein zu­min­dest mitt­le­res Ein­kom­men ha­ben, er­rei­chen die­se Schwel­le. Der in den Zen­tren der Nach­fra­ge be­stehen­de Woh­nungs­man­gel ist zwi­schen­zeit­lich ei­ne Her­aus­for­de­rung für al­le ge­wor­den. Ne­ben die Le­bens­qua­li­tät ist auch die Fra­ge der Stand­ort­qua­li­tät ge­tre­ten. Ver­füg­ba­rer und an­ge­mes­se­ner Wohn­raum ist ein ganz we­sent­li­cher Stand­ort­vor­teil für die Wirt­schaft und Ar­beit­ge­ber geworden.

In den Bal­lungs­zen­tren be­steht ein Flä­chen­pro­blem, so dass die Flä­chen­ver­knap­pung we­gen des be­grenz­ten An­ge­bots zu Preis­stei­ge­run­gen führt. Die­ses Pro­blem kann aber nicht al­lein in den Me­tro­po­len ge­löst wer­den. Flä­chen für die Schaf­fung von Wohn­raum oder die ge­werb­li­che Ent­wick­lung sind in Ba­den-Würt­tem­berg so­wohl in Form von In­nen­ent­wick­lungs­po­ten­tia­len als auch von Neu­bau­flä­chen in den Flä­chen­nut­zungs­plä­nen der Ge­mein­den vor­han­den. Aber an den nach­ge­frag­ten Stand­or­ten feh­len aus­rei­chen­de Flä­chen, auf de­nen oh­ne wei­te­res ge­baut wer­den kann oder die auch tat­säch­lich da­für zur Ver­fü­gung stehen.

Vor al­lem die Kom­mu­nen, die noch zum Ver­dich­tungs­raum ge­hö­ren und von den Vor­tei­len der Me­tro­po­len pro­fi­tie­ren, müs­sen be­bau­ba­re Flä­chen zur Ver­fü­gung stel­len. Ich set­ze dar­auf, dass dies er­kannt wird und stär­ke­res in­ter­kom­mu­na­les Den­ken und Han­deln im Sin­ne ei­ner re­gio­na­len Ver­ant­wor­tungs­ge­mein­schaft für das Woh­nen Raum greift.

Die Lan­des­re­gie­rung und der Land­tag kön­nen in ge­wis­sem Rah­men den Preis­stei­ge­run­gen beim Woh­nungs­bau ent­ge­gen­wir­ken. Um den Woh­nungs­bau an­zu­re­gen, muss man auch über die Bau­kos­ten, die nor­ma­tiv be­grün­det ent­ste­hen, nach­den­ken. Wenn das Bau­en we­ni­ger kos­tet, wer­den mehr Men­schen neu­en Wohn­raum kau­fen kön­nen und mehr In­ves­to­ren Wohn­raum für Mie­ter zur Ver­fü­gung stel­len. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren ha­ben ins­be­son­de­re die ge­stie­ge­nen Grund-stücks­kos­ten den Woh­nungs­bau ver­teu­ert. Des­we­gen ist es um­so wich­ti­ger, die bau­recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen für güns­ti­ges Bau­en zu schaf­fen. Das wird nur ge­lin­gen, wenn die An­for­de­run­gen an Bau­wer­ke auf das wirk­lich not­wen­di­ge Maß re­du­ziert werden.

Die Lan­des­re­gie­rung un­ter­sucht zur­zeit ge­mein­sam mit der Wohn­raum-Al­li­anz ei­ne Rei­he von bau­recht­li­chen Re­ge­lun­gen und Stan­dards und prüft, ob die­se recht­li­chen Vor­ga­ben in je­dem Fall und in dem jet­zi­gen Um­fang wirk­lich er­for­der­lich sind.

Dar­über hin­aus nimmt das Land Geld in die Hand, um die Wohn­raum­för­de­rung aus­zu­bau­en. Mit ei­nem Vo­lu­men von 250 Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tiert das Land so viel wie seit lan­gem nicht mehr. Da­mit soll vor al­lem Wohn­raum für die ein­kom­mens-schwä­che­ren Fa­mi­li­en ent­ste­hen, die sich oh­ne die­se Hil­fe­stel­lung woh­nungs­mä­ßig gar nicht mehr an­ge­mes­sen ver­sor­gen könn­ten. Das Land hat re­agiert - die deut­lich er­höh­te Nach­fra­ge hat nicht nur zu ei­ner mas­si­ven Aus­wei­tung des Fi­nan­zie­rungs­vo­lu­mens seit 2005 ge­führt, son­dern auch zu we­sent­li­chen in­halt­li­chen Wei­ter­ent­wick­lun­gen des Pro­gramms, das im April 2017 star­ten soll.

Der Autor
Bild: Hubert Wicker
Hubert Wicker
Ministerialdirektor
Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg