13.01.2017
Alexander von Erdély

Mit innovativen Arbeits- und Bürokonzepten setzen frisch gegründete Unternehmen neue Standards für Beschäftigte und Firmen.

Start-up-Kultur: Wer nicht innoviert, verliert

Außen hui und innen auch – die deutsche Geschäftswelt erneuert sich. Was zeichnet ein bereicherndes Arbeitsumfeld aus und was ist eine Innovationsfläche?

Bild: Heuer Dialog

Die Start-up-Kultur in Deutschland boomt, vor allem in Berlin. 65 der 100 erfolgreichsten deutschen Start-ups haben ihren Sitz in der Hauptstadt. Unternehmen wie Zalando und DaWanda entstanden dort. Aber auch Industriegrößen wie Google und SAP treiben den Gründergeist in Berlin voran.

Mit innovativen Arbeits- und Bürokonzepten setzen die frisch gegründeten Unternehmen neue Standards für Beschäftigte und Firmen.

Berlin als Zentrum der Innovation

Außen hui und innen auch – so lautet die Devise für die neue deutsche Geschäftswelt. Nur wer seine Mitarbeiter durch innovative, flexible Arbeitsbereiche sowie ein bereicherndes Umfeld fördert, kann langfristig auf Firmentreue und herausragende Arbeitsleistung zählen. Das Umfeld beinhaltet dabei nicht nur eine ansprechende Gestaltung und Ausstattung des Büros, sondern auch eine förderliche Verknüpfung von Arbeitsbereichen. In Coworking Spaces, Inkubatoren und Acceleratoren geht es weniger um den einzelnen Mitarbeiter, vielmehr werden Unternehmensstrukturen miteinander vernetzt, gecoached, optimiert. Allein in Berlin gibt es bereits mehr als 50 Coworking Spaces und ihre jeweilige Ausstattung verbessert sich ständig. Der kreative Charakter der Stadt zieht nicht nur einzelne Unternehmen und Gründer an. SAP beispielsweise beschäftigt in Berlin etwa 1.000 Mitarbeiter, unter anderem an drei Standorten in Berlin-Mitte, der neuste Zuwachs ist der „Data Space“ am Hackeschen Markt. Hier befindet sich auch der „Data Hub“, Teil des SAP-Accelerator-Programms für das Internet der Dinge, wo Arbeitsprozesse gemeinsam und begünstigt durch fachkundiges Mentoring optimiert werden. In den Räumen der Coworking-Community „WeWork“ am Hackeschen Markt haben unter anderem die Trend-Firmen BuzzFeed und Pinterest ihren Berliner Sitz. Google wird Ende dieses Jahres in Berlin einen weiteren „Campus“ eröffnen, weltweit gibt es bislang sechs solcher firmeneigenen Komplexe, die auf die Vernetzung und Unterstützung von Start-ups spezialisiert sind. Bisher hatte der US-Konzern die „Factory“ in Berlin Mitte mit „Google for Entrepeneurs“ genutzt, ab 2017 entstehen 2.400 Quadratmeter Innovationsfläche im alten Umspannwerk Kreuzberg.

Analoge Vernetzung

Online zu sein ist ein wichtiger Aspekt des modernen Arbeitens. Persönliche Kontakte können oftmals aber viel ausschlaggebender sein. Der Hauptsinn der neuen Arbeitsgestaltung ist, in lebhaftem Kontakt mit anderen Unternehmen und Mitarbeitern zu stehen, gemeinsame Projekte zu fördern und so neue Entwicklungen noch schneller und effektiver vorantreiben zu können. Innerhalb der Communities gibt es teils eigene Networking-Strukturen, in denen Arbeitende sich gegenseitig mit Rat und Tat zur Seite stehen. Unkomplizierte und flexible Kooperation ist ein großer Vorteil der modernen Bürokultur.

Darüber hinaus kommt es auch bei der Gestaltung zukünftiger Städte vermehrt auf innovative und effiziente Raumnutzung an. Die wenigsten Unternehmen werden an Bürokomplexen mit Einzelbüros festhalten: Ein Arbeitsplatz kann mit dem Mitarbeiter reisen, ohne dass im Zeitalter von Laptop und Smartphone auf wichtiges Equipment oder Annehmlichkeiten verzichtet werden muss. Warum also noch eine große Immobilie langfristig mieten, wenn die Räume ohnehin einen Großteil der Zeit ungenutzt sind.

Je nach Bedarf, auch projektbezogen, können Arbeitsplätze an verschiedenen Standorten genutzt werden, ob als Alleinunternehmer oder als Firma mit hunderten von Mitarbeitern. Ähnlich wie beim Carsharing wäre es in absehbarer Zeit denkbar, dass Mieter tagesaktuell verfügbare Flächen buchen können. Alles was mitgebracht werden muss, ist ein Computer. Den Rest, vom Mobiliar über Equipment für Konferenzräume und Catering, stellen die Betreiber des Mietbüros. Die Nutzer profitieren dadurch nicht nur von einem kleineren Organisationsaufwand im Büroalltag und können sich ganz auf das Produkt konzentrieren, sondern auch vom Kontakt mit anderen Unternehmern und Entwicklern.

Darüber hinaus entwickeln sich Vermieter zu Dienstleistern. Denn es geht schon lange nicht mehr nur um eine bestimmte Quadratmeteranzahl Bürofläche, die ein Arbeitsumfeld interessant macht. Es sind die zusätzlichen Angebote, die die Kommunikation, Vernetzung und Kreativität entscheidend fördern. Das 24/7-Café und die Lounge im Erdgeschoss, gerne auch von Kunden oder Friends&Family besucht, inspirierende Veranstaltungen und Vorträge, After-Work-Dinner, Kinoabende, Kinderbetreuung, usw.

Für bestehende Büroimmobilien bietet sich die Chance, an diesem Beispiel zu wachsen – Betreiber müssten dafür Nutzungskonzepte neu durchdenken. Sie könnten beispielsweise von etablierten Mietern am Standort profitieren, indem die Möglichkeit zur Vernetzung mit Gründern geboten wird. Aus vielfältigen Mieterprofilen unter einem Dach können wertvolle Synergieeffekte und neue Arbeitsprozesse entstehen. Traditionelle Bürostrukturen umzugestalten ist nicht abwegig: Warum nicht ein Meeting im Sitzsack oder den treuen Hund ins Büro nehmen? Zufriedene Mitarbeiter, die sich an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen, arbeiten effizienter und erfolgreicher.

Der Autor
Prof. Dr. Alexander von Erdély
CEO Germany
CBRE GmbH