12.12.2016
Petra Höfels

Der Jahreskongress Immobilien-Frauen bietet die Top-Themen rund um die Stadt der Zukunft.

Ein starkes Frauennetzwerk stärkt die Immobilienbranche

Erneut trafen sich diesmal über 130 Teilnehmerinnen im Zentrum von Berlin gleich um die Ecke von KaDeWe und Kurfürstendamm zum 2. Jahreskongress Immobilien-Frauen.

Den Auf­takt gab ein Get-To­ge­ther in Lounge-At­mo­sphä­re im El­ling­ton, bei dem Ei­ke Be­cker ei­ne Lan­ze für mehr Frau­en in der Bran­che und ge­gen die Old-Boys-Netz­wer­ke bre­chen woll­te. Da­bei wur­de al­ler­dings of­fen­sicht­lich, dass die Frau­en die­se Form der An­spra­che nicht brau­chen. Sie sind längst wei­ter, sind Ge­schäfts­füh­re­rin und Vor­stand und lei­ten bzw. ar­bei­ten in Un­ter­neh­men mit 50 Pro­zent Frau­en­an­teil. Ein Män­ner­kon­gress wä­re wohl der bes­se­re Adres­sat der Idee(n) gewesen...

So wur­de dann diePreis­ver­lei­hung des W.I.R.E.-Awards der treff­lich ver­dien­te Hö­he­punkt des Abends. Iris Schö­berl, Ge­schäfts­füh­re­rin BMO Re­al Es­ta­te Part­ners GmbH & Co. KG und letzt­jäh­ri­ge Preis­trä­ge­rin, hielt die Lau­da­tio und un­ter­strich mit viel per­sön­li­cher Ver­ve die Stär­ken und das En­ga­ge­ment vonMa­ri­on Schmitz-Stadtfeld, Lei­te­rin In­te­grier­te Stadt­ent­wick­lung, NH Pro­jekt­Stadt aus Frank­furt. Frau Schmitz-Stadt­feld wur­de für ih­ren Mut aus­ge­zeich­net, neue We­ge in der Stadt­ent­wick­lung zu be­schrei­ten und die Be­tei­lig­ten da­bei mit­zu­neh­men. Nicht zu­letzt gab den Aus­schlag, dass sie be­reits früh­zei­tig die In­te­gra­ti­on von ge­flüch­te­ten Men­schen in den Fo­kus ge­nom­men hat und hier auf an­spruchs­vol­le Un­ter­brin­gung und In­te­gra­ti­on setzt, weit über die blo­ße Ver­sor­gung hinaus.

Zei­chen der Zeit er­ken­nen und nutzen

Ganz im Fo­kus ak­tu­el­ler The­men stand auch der Kon­gress selbst, der sich von Woh­nen über Han­del zum Bü­ro mit den Her­aus­for­de­run­gen un­se­rer Städ­te be­schäf­tigt und die in­no­va­ti­ven Ide­en als Nutz­wert für die Bran­che her­aus­ar­bei­te­te. Den Ein­stieg mach­te Grit Scha­de von der Wohn­bau­leit­stel­le der Se­nats­ver­wal­tung Ber­lin, die gi­gan­ti­sche Zah­len im Ge­päck hat­te und so ei­nen Über­blick über die enor­me Kraft­an­stren­gung, die mit Stadt­ent­wick­lung und dem Wachs­tum der Me­tro­po­len ver­bun­den ist, ge­ben konnte.

Die Viel­falt der Wohn­for­men wur­de vom an­schlie­ßen­den Pa­nel be­leuch­tet, ob es nun ums Mi­kro­woh­nen geht, und die Fra­ge, ob das nur ein Hype für In­ves­to­ren ist oder ein Trend, der dem man­geln­den Raum in den In­nen­städ­ten Rech­nung trägt oder wie die Ge­ne­ra­tio­nen zu­sam­men le­ben und die Städ­te le­bens­wert blei­ben kön­nen, bis zur Mo­bi­li­tät in den Städ­ten – ak­tu­ell und in Zukunft.

Han­dels­wel­ten – der Kitt, der Stadt ausmacht.

Schon aus dem Ple­num wur­de in den Fra­ge­run­den deut­lich, dass In­nen­städ­te und le­bens­wer­te For­men der Ge­mein­schaft maß­geb­lich vom Han­del ge­prägt wer­den. Doch in­zwi­schen sind die In­nen­städ­te und gan­ze La­den­zei­len vom Sie­ges­zug des On­line-Han­dels be­droht. Auf der ei­nen Sei­te lau­fen am Wo­chen­en­de die meis­ten Be­stel­lun­gen bei den In­ter­net-Rie­sen ein, an­de­rer­seits stim­men Bür­ger und Po­li­tik ge­gen ver­kaufs­of­fe­ne Sonn­ta­ge. Wie passt das zu­sam­men, was will der Kun­de? Hier liegt der An­satz in der Zu­wen­dung und im De­tail: Han­del muss zu­neh­mend auch Er­leb­nis­cha­rak­ter bie­ten. Ser­vice­ori­en­tiert und mit dem Quänt­chen mehr, das die Kun­den in die Lä­den zieht. Han­del und In­nen­städ­te blei­ben da­durch le­ben­dig, wenn die Vor­tei­le von On­line-Shop­ping und sta­tio­nä­rer Pro­dukt­viel­falt ge­schickt mit­ein­an­der ver­knüpft werden.

Bü­ro – Bü­ro, ar­bei­ten, aber wo?

Und wie, so könn­te zu­sam­men­ge­fasst die Fra­ge­stel­lung zum Bü­ro-Pa­nel lau­ten. Denn ar­bei­ten, das wis­sen wir al­le, ist längst nicht mehr an ei­nen Schreib­tisch in ei­nem Bü­ro­ge­bäu­de ge­bun­den und wel­che An­for­de­run­gen an die Bü­ro­im­mo­bi­lie ge­stellt wer­den, das hängt stark vom Nut­zer ab. Wo­bei auch die­se Er­kennt­nis durch­aus ei­ne Wei­ter­ent­wick­lung dar­stellt, ist doch nicht mehr der In­ves­tor der­je­ni­ge, der die Be­din­gun­gen stellt, son­dern der Wohl­fühl­fak­tor oder über­haupt die pas­sen­de Aus­rich­tung ei­ner Bü­ro­im­mo­bi­lie für das As­set­ma­nage­ment von zu­neh­men­der Be­deu­tung. Ob da­für dann gleich ei­nen Bü­ro-Hund zwin­gend ist, lässt sich si­cher­lich in­di­vi­du­ell ent­schei­den – so wie die In­di­vi­dua­li­tät in den Bü­ros nicht trotz, son­dern ge­ra­de we­gen ge­mein­sam ge­nutz­ter Flä­chen im­mer wich­ti­ger wird, um sich und dem Un­ter­neh­men ein Ge­sicht zu ge­ben und sich so von an­de­ren Ar­beit­ge­bern ab­zu­set­zen. So spielt ne­ben der La­ge dann viel­leicht das Bäl­le­be­cken ei­ne Rol­le bei der Fra­ge nach der Standortwahl?!

Di­gi­tal ist real

In al­len The­men zieht sich der Ein­satz und die Be­deu­tung von di­gi­ta­len Pro­zes­sen und in­no­va­ti­ven Tech­ni­ken durch. Bleibt hier die Im­mo­bi­li­en­bran­che auf der Hö­he der Zeit? Ist man noch in der La­ge, die dis­rup­ti­ven Pro­zes­se zu steu­ern oder wird man fort­ge­ris­sen von ei­ner Wel­le neu­er Technologien?

Vie­le Fra­gen und viel Tech­nik, wo­bei man sich auf dem Po­di­um ei­nig war, dass man den viel­be­schwo­re­nen Kühl­schrank, der die Milch nach­be­stellt, nicht braucht. Doch auch hier ließ sich ein Un­ter­schied zwi­schen der Ge­ne­ra­ti­on Y fest­stel­len, die sich in der La­ge sieht, dies doch sel­ber schnell im In­ter­net zu ma­chen – und der Mo­dera­to­rin, die dar­auf ver­weist, dass man Milch auch noch sel­ber be­sor­gen und nach Hau­se schlep­pen kann.

De­sign Thin­king – ei­ne Tech­nik für neue Ideen

Nach der Mit­tags­pau­se ging es dann wei­ter mit ei­nem Im­puls zu mehr Krea­ti­vi­tät in Un­ter­neh­men. Als Me­tho­de für die gleich­be­rech­tig­te Aus­ein­an­der­set­zung mit neu­en Pro­zes­sen und Ide­en hat Ni­na B. Fi­scher da­zu De­sign Thin­king vor­ge­stellt und den Teil­neh­me­rin­nen na­he ge­bracht, wo die Stär­ken lie­gen und wel­che Chan­cen die An­wen­dung bie­tet, um Un­ter­neh­men nach vor­ne zu brin­gen und Ab­läu­fe oder Stra­te­gi­en neu zu im­ple­men­tie­ren. Wer hier ver­tie­fend ein­stei­gen will, hat si­cher­lich die Mög­lich­keit, den Nut­zen mit nach Hau­se zu nehmen.

Sie ha­ben die Wahl - Lounge Sessions

Dann ging es in die Grup­pen­pro­zes­se und  - in un­ter­schied­li­cher Stär­ke – wur­de dar­über dis­ku­tiert, wel­che Chan­cen Start-ups und de­ren Kul­tur für Frau­en bie­ten, wie Frau­en in Füh­rung ge­bracht wer­den kön­nen, was in an­de­ren Län­dern an­ders – und manch­mal bes­ser – läuft und wie es um die Ver­ein­bar­keit von Kar­rie­re und Be­ruf und um den Nut­zen von Frau­en­netz­wer­ken be­stellt ist. In­ter­es­sant war, dass am Ran­de des Kon­gres­ses, al­so am Vor­abend und im Pau­sen­be­reich, ger­ne über die sog. Frau­en­the­men mit­ein­an­der dis­ku­tiert wur­de, die Ses­si­ons mit die­sen The­men aber nicht so an­lock­ten. Lag es an den span­nen­de­ren an­de­ren The­men oder sind die Frau­en ein­fach schon wei­ter, als ge­dacht? In je­dem Fall hat man sich in Klein­grup­pen gut aus­ge­tauscht und im Ple­num der grö­ße­ren Run­den ge­lauscht, was die Kar­rie­ren der Start-up-Frau­en so ausmacht.

Heu­te ei­ne Königin

Ganz zum Schluss kam mit Sig­rid Meu­sel­bach noch mal Schwung in die Bu­de. Die Da­men wur­den zur Mit­ar­beit ani­miert, muss­ten sich ein­an­der nach der Ja­mes-Bond-Me­tho­de vor­stel­len und von ih­ren Er­fol­gen be­rich­ten. Dies – und die Auf­for­de­rung, wie ei­ne Kö­ni­gin die­sen Kon­gress zu ver­las­sen und durch das (Be­rufs-)Le­ben zu schrei­ten, da­mit man (mehr) Platz ein­nimmt, hat wach­ge­rüt­telt und die Da­men be­schwingt nach Hau­se be­glei­tet. Im Flug­zeug zu­rück konn­te man sich so auch auf dem mitt­le­ren Sitz sei­nen Platz strei­tig ma­chen, und das ist doch schon mal ein Anfang.

Nach die­sem In­put und vie­len Dis­kus­sio­nen zu den The­men der Zu­kunft kann die Zu­sam­men­fas­sung nur lau­ten, dass nicht nur Stadt Zu­kunft macht, son­dern Frau­en dar­an auch ei­nen nicht un­er­heb­li­chen Ge­stal­tungs­bei­trag leis­ten, den sie ge­willt sind, einzubringen.

Die Frau­en in der Im­mo­bi­li­en­bran­che sind da!

Die Autorin
Bild: Heuer Dialog
Petra Höfels
Projektleiterin
Heuer Dialog