02.12.2016
Uwe Gerstenberg

Handlungsbedarf für Betreiber von Einkaufszentren

Müssen Einkaufszentren besser geschützt werden?

Am 22. Juli 2016 griff ein bewaffneter Amokläufer im Olympia Einkaufszentrum in München willkürlich Besucher der Shopping Mall an. Ausgangspunkt war ein beliebtes Schnellrestaurant zur besten Geschäftszeit am frühen Abend.

Bild: consulting plus Unternehmensgruppe

Die breite Öffentlichkeit erlebte, was es bedeutet, wenn ein Täter willkürlich Menschen tötet, um mit dieser Tat eine außerordentliche Medienpräsenz zu erzielen.

Was macht das eigentlich mit uns?

Die Welt erscheint uns in Aufruhr, überall entstehen Krisenherde. Es vergeht kein Tag, an dem die Medien nicht über Kriege, Katastrophen und Kriminalität berichten. Eine Krise folgt der nächsten und ein Ende ist nicht in Sicht. Durch die Medien nehmen wir Anteil am Schicksal der gesamten Welt und alle Probleme haben Konsequenzen für uns und unser Leben - so kommt es uns zumindest vor.

 Woran liegt das?

Im Wesentlichen liegt es daran, dass wir Menschen linear denken, jedoch in einer Welt mit exponentiellen Entwicklungen leben. Fast nahezu jeder Bundesbürger verfügt über ein Smartphone. Diese kleinen Wunder haben die Leistungsfähigkeit einer Großrechneranlage von vor 20 Jahren und verfügen über mehr Rechenleistungen als das Apollo-Programm der NASA benötigte, um zum Mond zu fliegen.

Die technische Entwicklung wird immer weiter und schneller fortschreiten. Wir verstehen schlicht nicht mehr, wie die einzelnen Dinge funktionieren und in welchen Zusammenhängen sie stehen. Es sind im positiven Sinne kleine Wunder, die wir jeden Tag erleben. Alles wird smart.

Hinzu kommt der permanente Entscheidungsstress. Wir stehen im Geschäft vor einer riesigen Regalfläche und suchen den richtigen Kaffeegenuss. Treffen wir die richtige Entscheidung und wie machen wir das? Was bedeutet dies alles für das Thema Sicherheit insbesondere in unserem täglichen Leben?

Zunächst ist Sicherheit eine Emotion, die abhängig ist von den gemachten Erfahrungen und unseren täglichen Wahrnehmungen. Aus diesem Grund fühlen wir uns unsicher und bedroht, auch bei unserer täglichen Routine, z. B. dem Einkaufen.

Einkaufszentren müssen Sicherheit vermitteln und schon steigen die Umsätze!

Ein Blick in die Türkei und hier speziell nach Istanbul bestätigt diese These. Als die ersten Bomben in den belebten Fußgängerzonen von Istanbul explodierten, sind die Umsätze der großen Einkaufszentren um bis zu 30 % gestiegen. Der Grund ist schnell gefunden. Türkische Einkaufszentren sind geschlossene Areale, die streng überwacht werden. Jedes einfahrende Fahrzeug wird angehalten und kontrolliert. An den Zugängen zu den Shopping Malls finden Einlaßkontrollen statt, wie wir sie in Deutschland von den Flughäfen kennen. Und wer glaubt, dass lange Schlangen an den Parkplätzen oder den Eingängen entstehen, wird eines Besseren belehrt. Der Kontrollvorgang durch gut ausgebildete Sicherheitskräfte dauert nur wenige Sekunden und trägt erheblich zum Wohlbefinden der Shoppinggäste bei. Einkaufszentren, die uns das Gefühl vermitteln – hier bin ich sicher - werden deutlich mehr frequentiert als ungesicherte, öffentliche Bereiche.

Einkaufszentren können durchaus ins Visier von Terroristen geraten

Im Regelfall sind Einkaufszentren in Deutschland schlechter geschützt als Flughäfen und verfügen über keine Präsenz von bewaffneten Sicherheitskräften. Aufgrund des Geschäftsmodells, eine Erlebniswelt für die Kunden zu schaffen, will man eine starke Frequentierung der Einkaufszentren erreichen.

Zwei große europäische Flughäfen sind bereits von Terroristen angegriffen worden. Dies hat zur Konsequenz, dass hier die Sicherheitsmaßnahmen extrem erhöht wurden, was automatisch zu einem Verdrängungseffekt führen wird, hin zu anderen sogenannten weichen Ziele. Hierzu gehören neben dem öffentlichen Personenverkehr, insbesondere Plätze und Orte, an welchen viele Menschen zusammenkommen und ein ungehinderter Zugang möglich ist. Sicherlich gehören gerade in der Vorweihnachtszeit unsere Weihnachtsmärkte und Shopping Malls dazu.

Die Rahmenbedingungen begünstigen eine unbemerkte Ausspähung der Örtlichkeiten, da die Täter in der Masse der täglichen Besucher kaum auffallen. Die geringe Präsenz von Sicherheitskräften fördert das Risiko, Ziel eines Anschlages zu werden und die Größe der einzelnen Liegenschaft schafft unbegrenzte Möglichkeiten, den herannahenden Sicherheitskräften zu trotzen. Eine große mediale Präsenz ist den Tätern, aber auch den Betreibern, im Fall der Fälle, sicher.

Sicherlich gibt es Handlungsbedarf für Betreiber von Einkaufszentren

Betreiber von Einkaufszentren sollten die Risikobetrachtung erweitern und sind gut beraten, ihre Sicherheitskonzepte zu überarbeiten. Dabei muss man vom Worst Case Szenario ausgehen und als Erkenntnis einer Krisenübung die richtigen Sicherheitsmaßnahmen ableiten. Hier sollte man sich nicht scheuen, den Rat von Sicherheitsprofis einzuholen, eine Betrachtung von Außen auf die Immobilie und die Aufbau- und Ablauforganisation der Sicherheitsmaßnahmen kann wertvolle Tipps hervorbringen.

Der Autor
Uwe Gerstenberg
Geschäftsführer und Gesellschafter