21.08.2016
Marta Kwiatkowski Schenk

Der Einfluss von Megatrends auf die Zukunft der Märkte für Betreuung und Pflege

Nachfragemarkt versus Wohlfahrtsstruktur

Die Megatrends Individualisierung und Digitalisierung erfassen alle Lebensbereiche – und auch alle Altersstufen.

Bild: GDI

Ei­ne Stu­die des GDI Gott­lieb Dutt­wei­ler In­sti­tu­te im Auf­trag von Se­ne­suis­se be­schreibt, wie die­se Trends die Zu­kunft der Märk­te für Be­treu­ung und Pfle­ge beeinflussen.

Auch in Zu­kunft wer­den Be­treu­ung und Pfle­ge al­ter Men­schen ein von ex­ter­nen An­ge­bo­ten ge­präg­ter Markt blei­ben be­zie­hungs­wei­se noch stär­ker von ex­ter­nen An­bie­tern ge­prägt sein. Ei­ne Rück­kehr zur häus­li­chen Voll­be­treu­ung ist im Kon­text der wan­deln­den Fa­mi­li­en­struk­tu­ren so­wie im Zu­ge von «am­bu­lant vor sta­tio­när» nicht denk­bar. Da­mit die­se ex­ter­nen An­ge­bo­te die Kun­den­be­dürf­nis­se von mor­gen tref­fen kön­nen, müs­sen sie an­ders ge­dacht wer­den als bis­lang. Nö­tig ist ei­ne Er­gän­zung der nor­mier­ten Leis­tun­gen mit in­di­vi­dua­li­sier­ten und in­te­grier­ten An­ge­bo­ten (sie­he Gra­fik). Je mehr An­ge­bo­te in den in­di­vi­dua­li­sier­ten Sze­na­ri­en ent­ste­hen, des­to grös­ser sind die Wahl­mög­lich­kei­ten für de­ren Nut­zer. Dies kommt dem Trend hin zu mehr Selbst­be­stim­mung ent­ge­gen, der sich bei den jet­zi­gen und zu­künf­ti­gen Ge­ne­ra­tio­nen, die das Pen­si­ons­al­ter er­rei­chen oder be­reits er­reicht ha­ben, ma­ni­fes­tiert. Gleich­zei­tig braucht es mehr mass­ge­schnei­der­te An­ge­bo­te für Woh­nen, Be­treu­ung und Pfle­ge – al­so mo­du­la­re, auf­bau­en­de Dienst­leis­tun­gen –, um den in­di­vi­du­el­len und falls nö­tig stei­gen­den Pfle­ge­be­darf lü­cken­los ab­zu­de­cken. Die Ab­gren­zung zwi­schen ver­schie­de­nen An­ge­bo­ten und den Leis­tungs­trä­gern muss flies­send ge­stal­tet wer­den. Ganz im Sin­ne von Flu­id Ca­re, ei­nem in­di­vi­dua­li­sier­ten und in­te­grier­ten Be­treu­ungs- und Pflegekonzept.

Von nor­miert zu Flu­id Ca­re: zwei Szenarien
Die in­di­vi­dua­li­sier­ten Flu­id-Ca­re-An­ge­bo­te kön­nen aus neu­ar­ti­gen À-la-car­te- und On-De­mand-Ser­vices oder aber aus um­fas­sen­den Ma­nage­ment­an­ge­bo­ten be­stehen. Im On-De­mand-Sze­na­rio bei­spiels­wei­se kann der Be­tag­te je nach Be­darf An­ge­bo­te her­aus­su­chen, die für ihn ge­ra­de pas­sen. Es do­mi­nie­ren Dienst­leis­tun­gen, wel­che die Selbst­stän­dig­keit und Selbst­be­stim­mung der Be­tag­ten im Fo­kus ha­ben. Un­ge­ach­tet die­ses Trends zur Selbst­be­stim­mung wird es das Sze­na­rio der um­fas­sen­den Ver­sor­gungs­an­ge­bo­te eben­falls brau­chen. Denn man­che Se­nio­ren wer­den an­ge­sichts der vie­len Mög­lich­kei­ten ver­un­si­chert sein. Je äl­ter und hil­fe­be­dürf­ti­ger der Be­trof­fe­ne ist, des­to wich­ti­ger ist Be­ra­tung und das Zu­sam­men­stel­len ei­nes in­di­vi­du­el­len «Rund­um-sorg­los-Pa­kets». Ge­fragt sind des­halb neue Mo­del­le, die zwar auf die in­di­vi­du­el­len Be­dürf­nis­se ein­ge­hen, gleich­zei­tig aber auch das pau­scha­le Ma­nage­ment – sprich die Ver­sor­gung von A bis Z – über­neh­men, wenn In­di­vi­du­en be­stimm­te Ent­schei­dun­gen nicht mehr selbst tref­fen wol­len oder können.

Sze­na­rio «on de­mand / individualisiert
In die­sem Sze­na­rio exis­tie­ren zahl­rei­che aus­dif­fe­ren­zier­te An­ge­bo­te ne­ben­ein­an­der. Die Dienst­leis­ter bie­ten nicht kom­plet­te Leis­tungs­pa­ke­te an, son­dern be­die­nen spe­zi­fi­sche Ni­schen und Be­dürf­nis­se. Wer Be­darf an Flu­id-Ca­re-Leis­tun­gen hat, sucht sich sein An­ge­bot aus der Viel­zahl von An­bie­tern zu­sam­men. Der Kun­de ist da­mit sein ei­ge­ner Be­ra­ter und be­stimmt selbst, was er braucht und möch­te. In­ter­es­sant ist, dass die An­bie­ter bei die­sem Sze­na­rio nicht aus der Ge­sund­heits- und Pfle­ge­bran­che kom­men müs­sen. Neue Start-ups, die Ser­vices vom Mahl­zei­ten­dienst bis hin zu al­ters­freund­li­chen Ta­xi­fahr­ten bie­ten, mi­schen eben­falls mit. Ei­ne wich­ti­ge Rol­le spielt auch die wach­sen­de Sharing-Eco­no­my, in der klei­ne Dienst­leis­tun­gen, so­ge­nann­te Mi­kro­jobs, von Pri­va­ten an­ge­bo­ten wer­den. Da­bei ste­hen über­wie­gend Be­treu­ungs­an­ge­bo­te im Fo­kus, je­doch we­ni­ger Pfle­ge­leis­tun­gen, die ei­ne qua­li­fi­zier­te Aus­bil­dung er­for­dern. Ge­ra­de im Be­reich des selbst­be­stimm­ten Woh­nens be­steht ein gros­ser Be­darf für On-De­mand-Dienst­leis­tun­gen und punk­tu­el­le Un­ter­stüt­zung; die meis­ten der fol­gen­den Bei­spie­le be­die­nen denn auch die­ses Ge­biet. Sol­che In­itia­ti­ven sind heu­te al­ler­dings meist räum­lich stark ein­ge­grenzt und oft nur in ei­ner Re­gi­on oder gar ei­ner Stadt verfügbar.

– Sharing-Platt­for­men für all­täg­li­che Dienst­leis­tun­gen durch Private
Lift He­ro ist das Uber für äl­te­re Men­schen: Die Ta­xi­platt­form ver­mit­telt pri­va­te Fah­rer, die auf Be­tag­te spe­zia­li­siert sind, beim Aus­stei­gen und Ta­schen­tra­gen hel­fen und die Fahr­gäs­te si­cher ins Haus­in­ne­re be­glei­ten. Mo­men­tan ist der Dienst nur in San Fran­cis­co er­hält­lich. Rent a Rent­ner ist ei­ne der zahl­rei­chen Platt­for­men, auf der Pri­vat­per­so­nen klei­ne Dienst­leis­tun­gen an­bie­ten. Wer spo­ra­disch Hil­fe braucht im Haus­halt, bei schwe­ren Ein­käu­fen oder ad­mi­nis­tra­ti­ven Auf­ga­ben, kann sich die­se Hil­fe auf ren­ta­rent­ner.ch ganz un­kom­pli­ziert bu­chen. Kei­ne Dienst­leis­tung, son­dern Wohn­raum bie­tet die ame­ri­ka­ni­sche Platt­form room2­ca­re. Sie ver­netzt Pri­vat­per­so­nen, die frei­en Wohn­raum an Be­tag­te ver­mie­ten möch­ten, mit Se­nio­ren, die ein we­nig Un­ter­stüt­zung, aber kei­ne for­ma­li­sier­ten Pfle­ge­diens­te benötigen.

– In­di­vi­du­el­les Woh­nen mit On-Demand-Servicepaketen
Neue, flui­de An­ge­bo­te zwi­schen Heim und Da­heim bie­ten fle­xi­ble Lö­sun­gen à la car­te – nur so viel Be­treu­ung oder Pfle­ge wie nö­tig, die­se aber so un­kom­pli­ziert wie mög­lich. Die Idee: Auch bei stei­gen­dem Pfle­ge­be­darf sol­len die Be­tag­ten ih­re ge­wohn­ten vier Wän­de nicht auf­ge­ben müs­sen. Sie kön­nen sich ein­fa­che Dienst­leis­tun­gen wie Rei­ni­gung, Wä­sche oder Mahl­zei­ten da­zu­bu­chen und er­hal­ten auch die be­nö­tig­te Pfle­ge in der Woh­nung. Sol­che Kon­zep­te bie­ten den Be­woh­nern al­le Frei­hei­ten – sie le­ben oh­ne die vor­ge­ge­be­nen Ta­ges­struk­tu­ren, die ein Le­ben im Heim mit sich brin­gen wür­de. Ter­tia­num führt bei­spiels­wei­se in Ba­sel di­rekt ne­ben dem St.-Ja­kob-Park ei­ne Re­si­denz mit ver­schie­de­nen Ap­par­te­ments und per­so­na­li­sier­ba­ren Be­treu­ungs- und Pfle­ge­ser­vices. Und auch die Häu­ser der Ca­sa So­la­ris bie­ten in der Schweiz selbst­be­stimm­tes Woh­nen mit buch­ba­ren Dienst­leis­tun­gen je nach Wunsch. Mit nie­der­schwel­li­ge­ren Preis­mo­del­len zielt die­ser An­bie­ter auf ei­ne brei­te­re Be­völ­ke­rungs­grup­pe. In­ter­es­sant ist auch das An­ge­bot von Home In­s­tead, ei­ner pri­va­ten Spi­tex, die in­di­vi­du­el­le Se­nio­ren­be­treu­ung an­bie­tet – in den ei­ge­nen vier Wän­den ih­rer Kun­den, aber auch in Ein­rich­tun­gen für be­treu­tes Woh­nen und in Al­ters- und Pfle­ge­hei­men. Die Mit­ar­bei­ten­den ge­hen Se­nio­ren vor Ort zur Hand und hel­fen ih­nen bei all­täg­li­chen Din­gen, die sie nicht mehr al­lein be­wäl­ti­gen kön­nen, zum Bei­spiel beim Zu­be­rei­ten von Mahl­zei­ten oder bei Ar­bei­ten im Haus­halt oder mit Vor­le­sen und Einkaufen.

Die Fa­mi­li­en­heim-Ge­nos­sen­schaft Zü­rich (FGZ), 1924 ge­grün­det, be­treibt seit über fünf­zig Jah­ren ei­ne ei­ge­ne, in­ter­ne Al­ters­be­treu­ung. Die Ge­nos­sen­schaft ist mit rund 5500 Be­woh­ne­rin­nen und Be­woh­nern so­zu­sa­gen ein ei­ge­nes Quar­tier in der Stadt Zü­rich. Das Ziel der ge­nos­sen­schafts­ei­ge­nen Al­ters­be­treu­ung ist, dass die be­tag­ten Ge­nos­sen­schaf­te­rin­nen und Ge­nos­sen­schaf­ter so lan­ge wie mög­lich in ih­rem ge­wohn­ten Um­feld woh­nen blei­ben kön­nen, so­dass ein Über­tritt in ein Al­ters- oder Pfle­ge­heim hin­aus­ge­zö­gert oder so­gar ver­mie­den wer­den kann. Die Ein­rich­tung bie­tet un­ter an­de­rem ei­nen güns­ti­gen Wä­sche­ser­vice und ei­nen Ein­kaufs­dienst an, ist Bin­de­glied zu An­ge­hö­ri­gen, zur Spi­tex und zu an­de­ren In­sti­tu­tio­nen und fun­giert als An­sprech­part­ner in der Ge­nos­sen­schaft bei Fra­gen rund ums Al­ter. Zu­sätz­lich zu die­sen Dienst­leis­tun­gen wird ein Al­ters­treff be­trie­ben, der un­ter der Wo­che täg­lich ge­öff­net ist und al­ler­lei be­treu­te Ak­ti­vi­tä­ten anbietet.

– Kom­mu­ni­ka­ti­on und Ver­net­zung mit An­ge­hö­ri­gen und Dienstleistern
Um mög­lichst lan­ge selbst­be­stimmt zu Hau­se woh­nen zu kön­nen, sind neue Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Ver­net­zungs­dienst­leis­tun­gen ge­fragt. Hier spie­len di­gi­ta­le Tech­no­lo­gi­en ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Ca­re­zapp bei­spiels­wei­se ist ei­ne App, die An­ge­hö­ri­ge, Pfle­ge­per­so­nal und Se­nio­ren ver­netzt, da­mit In­for­ma­tio­nen ge­teilt und Me­di­ka­men­te nicht ver­ges­sen wer­den. Die App kann auch mit Sen­so­ren zu Hau­se und mit Ge­sund­heits-Gad­gets ver­netzt wer­den. Die ame­ri­ka­ni­sche Platt­form Ho­me­he­ro hilft, die pas­sen­de Be­treu­ungs­per­son selbst­stän­dig aus­zu­wäh­len. Auf ihr fin­den sich Be­wer­bungs­vi­de­os von Pfle­gen­den. Und die sprach­ge­steu­er­te As­sis­ten­tin Ivee kann ein Uber-Ta­xi oder ei­ne Piz­za be­stel­len und kennt so­wohl Ka­len­der als auch den ak­tu­el­len Wet­ter­be­richt. Mit an­de­ren Ge­rä­ten ver­netzt, kann sie auch die Tem­pe­ra­tur re­gu­lie­ren oder Mu­sik einschalten.

Sze­na­rio pauschal/individualisiert
Auch in die­sem Sze­na­rio wird Flu­id Ca­re auf die in­di­vi­du­el­len Be­dürf­nis­se ab­ge­stimmt, aber als kom­plet­tes Pa­ket an­ge­bo­ten – als ei­ne Art Ma­nage­ment­platt­form, die für den Kon­su­men­ten das bes­te Leis­tungs­pa­ket zu­sam­men­stellt, so­dass sich die­ser um nichts zu küm­mern braucht. Ob dies ei­ne tech­ni­sche An­bie­ter­platt­form im Sti­le von Airb­nb ist oder ein Ver­ein, der den Zu­gang si­cher­stellt, ist of­fen. Denk­bar ist auch ei­ne ein­zel­ne Per­son, die das in­di­vi­du­el­le Rund­um-sorg­los-Pa­ket an­bie­tet. Um al­le Be­dürf­nis­se ab­zu­de­cken, müs­sen hier die An­bie­ter ver­schie­de­ner Bran­chen zu­sam­men­span­nen und über ih­re Si­los hin­aus­den­ken – denn Flu­id Ca­re be­deu­tet, dass Be­treu­ung und Pfle­ge, aber auch all­täg­li­che Dienst­leis­tun­gen oder so­zia­le Be­dürf­nis­se über ei­ne Hand ab­ge­deckt wer­den sol­len. Für die­ses Sze­na­rio gibt es heu­te noch deut­lich we­ni­ger Bei­spie­le als für den On-De­mand-Be­reich. Die Er­klä­rung liegt auf der Hand: Es ist viel schwie­ri­ger, ein um­fas­sen­des An­ge­bot be­reit­zu­stel­len, auch weil ein sol­ches Un­ter­fan­gen be­son­ders fun­dier­tes und brei­tes Fach­wis­sen er­for­dert. So rut­schen Men­schen mit Pfle­ge­be­darf heu­te schnell ins nor­mier­te Sze­na­rio, wenn sie mehr als nur ein­zel­ne Dienst­leis­tun­gen be­nö­ti­gen. Ers­te Ide­en fin­den sich im Be­reich von Be­ra­tung, Ver­net­zung und Ver­mitt­lung – wenn es al­so um die Schnitt­stel­le von Se­nio­ren, Pfle­gen­den und An­ge­hö­ri­gen geht:

– Be­ra­tung und Ver­mitt­lung von Betreuungspersonen
Die Idee ei­ner Be­ra­tungs­platt­form ver­folg­te vor ei­ni­gen Jah­ren die Spi­tex Biel-Bi­en­ne Re­gio, ei­ne von 51 Spi­tex-Or­ga­ni­sa­tio­nen im Kan­ton Bern. Zu­sam­men mit zwei an­de­ren Leis­tungs­er­brin­gern woll­te sie ei­ne Dreh­schei­be für Se­nio­ren/Se­nio­rin­nen ins Le­ben ru­fen. Die Idee: Über die te­le­fo­nisch er­reich­ba­re Platt­form soll­ten sämt­li­che An­lie­gen äl­te­rer Men­schen tria­giert und an die rich­ti­gen An­sprech­per­so­nen wei­ter­ver­wie­sen wer­den, egal, ob es sich um Ein­kaufs­be­glei­tung, ei­ne chro­ni­sche Krank­heit oder ein aku­tes ge­sund­heit­li­ches Pro­blem han­del­te. Die GEF (Ge­sund­heits- und Für­sor­ge­di­rek­ti­on des Kan­tons Bern) woll­te das Kon­zept mit ei­ner An­schub­fi­nan­zie­rung un­ter­stüt­zen. Letzt­lich ist es ge­schei­tert, weil die Stadt Biel nicht be­reit war, sich fi­nan­zi­ell zu beteiligen.

– Ver­net­zung ent­lang des Pa­ti­en­ten­pfa­des und von Angehörigen
Chro­nisch kran­ke Men­schen be­nö­ti­gen vor al­lem spi­talex­ter­ne Pfle­ge. Das Netz Pi­zol­ca­re hat für die be­deu­tends­ten Be­hand­lun­gen – Herz­in­suf­fi­zi­enz, COPD/Asth­ma, Dia­be­tes, De­menz, Pal­lia­ti­ve Ca­re in­klu­si­ve Schmerz­the­ra­pie / End of Life – Pfle­ge­pfa­de er­ar­bei­tet, die vor al­lem die Ko­or­di­na­ti­on un­ter den Be­tei­lig­ten un­ter­stüt­zen. In­ner­halb des Net­zes sind zwei Spi­tex-Pfle­ge­fach­per­so­nen als re­gio­na­le Ko­or­di­na­to­ren tä­tig, die sich um al­le Schnitt­stel­len küm­mern. Re­gel­mäs­si­ge Qua­li­täts­zir­kel sor­gen da­für, dass die Zu­sam­men­ar­beit und die Be­treu­ungs­pfa­de dis­ku­tiert so­wie Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge ein­ge­bracht wer­den. Home­team ist ein Pfle­ge­dienst in Phil­adel­phia, der am­bu­lan­te Rund­um­be­treu­ung bie­tet: Pfle­ge, Haus­halt­hil­fe, aber auch das Ma­nage­ment des Ta­ges­ab­laufs. Die Web­site ver­spricht, auf die in­di­vi­du­el­len Be­dürf­nis­se des Ein­zel­nen ein­zu­ge­hen, auch er­hält je­der Kun­de sei­ne per­sön­li­chen Be­treu­ungs­per­so­nen. In­ter­es­sant ist, dass sich Home­team auch um die Ver­net­zung mit den An­ge­hö­ri­gen küm­mert und die Fa­mi­li­en­mit­glie­der via iPad auf dem Lau­fen­den hält.

Zu­kunfts­mu­sik: Ide­en für neue Betreuungs-Managementplattformen
In­di­vi­dua­li­sier­te On-De­mand- oder Rund­um­be­treu­ung klin­gen fan­tas­tisch – und die be­schrie­be­nen Bei­spie­le zei­gen, dass die­se Sze­na­ri­en mög­lich sind. Den Wan­del zu mehr in­di­vi­dua­li­sier­ten An­ge­bo­ten trei­ben pri­va­te Ak­teu­re – bran­chen­frem­de oder -in­ter­ne Vor­den­ker – vor­an, die ei­ge­ne Pro­duk­te auf den Markt brin­gen. So drän­gen bei­spiels­wei­se glo­ba­le Soft­ware-Platt­for­men in den Fa­ci­li­ty-Ma­nage­ment-Be­reich, oh­ne sich um die re­gu­la­to­ri­schen Hür­den zu küm­mern. Die be­stehen­den Sys­te­me ge­ra­ten auf Druck die­ses neu­en Flu­id-Ca­re-Mark­tes un­ter Zugzwang.

Ent­spre­chend auf­nah­me­fä­hig soll­ten die Märk­te für neue Kon­zep­te sein – oder zu­min­dest wer­den. Ei­ne Idee wä­re ei­ne sprach­ge­steu­er­te di­gi­ta­le Ser­vice-Platt­form, die den Kun­den je nach Pro­blem und Be­dürf­nis mit qua­li­fi­zier­ten Be­treu­ungs­per­so­nen ver­knüpft – der Kun­de muss sei­nen Wunsch nur äus­sern. Je mehr Leis­tun­gen die Platt­form be­dient, des­to wert­vol­ler. Denk­bar wä­ren ne­ben Ba­sis­diens­ten wie Pfle­ge, Rei­ni­gung oder Ein­kau­fen auch Son­der­leis­tun­gen wie Be­glei­tung beim Kon­zert­be­such. Je nach Be­darf könn­ten für die­se Platt­form Pro­fes­sio­nel­le oder Frei­wil­li­ge aus der Nach­bar­schaft ar­bei­ten. Ne­ben der Ver­net­zung könn­te die Platt­form falls nö­tig auch den gan­zen Ta­ges­ab­lauf ma­na­gen. Je in­tel­li­gen­ter die Platt­form, des­to eher wird sie die Be­dürf­nis­se au­to­ma­tisch ein­schät­zen kön­nen, oh­ne dass sich der Be­tag­te da­zu äus­sern muss. Künst­li­che In­tel­li­gen­zen wer­den al­so die Kom­ple­xi­tät für den Kon­su­men­ten re­du­zie­ren. Im Kon­text der Sharing Eco­no­my könn­ten sol­che Platt­for­men Nach­bar­schafts­hil­fe neu ge­stal­ten: als «Schwarm­frei­wil­lig­keit», in­dem vie­le Ein­zel­per­so­nen übers Netz mit­ein­an­der ver­knüpft wer­den. Sie leis­ten zwar «nur» Mi­kro­diens­te, tra­gen aber al­le ge­mein­sam si­gni­fi­kant zur Be­treu­ung von Be­tag­ten bei.

Die Autorin
Bild: Marta Kwiatkowski Schenk
Marta Kwiatkowski Schenk
Senior Researcher
GDI Gottlieb Duttweiler Institute