21.08.2016
Carsten Sellschopf

Wohn-Dialog Hamburg

Das richtige Rezept für eine gelungene Quartiersentwicklung

Zwei Esslöffel Urbanität, ein Teelöffel moderne Architektur, eine Messerspitze Nachhaltigkeit, ein Hauch von kurzen Wegen mit viel Grün dazwischen und alles zusammen fein abgeschmeckt mit einer bunten Nutzungsmischung für die verschiedensten Bewohner.

Bild: formart GmBH & Co. KG, Co­py­right: dreidesign

So könn­te das Pa­tent­re­zept für in­te­grier­te Quar­tiers­ent­wick­lung lau­ten. Doch was be­deu­tet das in der Pra­xis und wor­auf kommt es bei neu­en Quar­tie­ren für mor­gen wirk­lich an?

Ein Quar­tier das sind nicht nur ein paar Wohn­blö­cke, die mal eben hoch­ge­zo­gen wer­den. Das ist in den meis­ten Fäl­len – zu­min­dest wenn es nicht als wohl­klin­gen­der Mar­ke­ting­be­griff ver­wen­det wird – ein kom­plet­tes Stadt­vier­tel. Wenn es die­ses neu zu ent­wi­ckeln gilt, dann be­darf es viel Fin­ger­spit­zen­ge­fühl für die Be­dürf­nis­se der künf­ti­gen Be­woh­ner. Die strik­te Tren­nung von Woh­nen und Ar­bei­ten möch­te heu­te kaum noch je­mand. Ein rei­nes Wohn­ge­biet oh­ne Lieb­lingsca­fé und Spät­kauf – für Stadt­men­schen nur schwer vor­stell­bar. Auf die rich­ti­ge Mi­schung kommt es an – so­wohl in Be­zug auf die Ar­chi­tek­tur, die In­fra­struk­tur, die Nut­zungs­ar­ten als auch auf die Men­schen. Al­les zu­sam­men macht den Charme ei­nes je­den Quar­tiers aus. Doch wer kre­iert das rich­ti­ge Re­zept für ei­ne gu­te Quartiersentwicklung?

Am Bei­spiel der „Neu­en Mit­te Al­to­na“, der zweit­grö­ß­ten Stadt­ent­wick­lung Ham­burgs, wird deut­lich, wie ein der­ar­ti­ges Vor­ha­ben ge­lin­gen kann. Ins­ge­samt ent­ste­hen auf dem 30 Hekt­ar gro­ßen Are­al rund 3.600 Woh­nun­gen, ei­ne Stadt­teil­schu­le, 300 Ki­ta­plät­ze, Ein­zel­han­del und Gas­tro­no­mie so­wie ein acht Hekt­ar gro­ßer Stadt­teil­park. Dank gro­ßem En­ga­ge­ment der Stadt Ham­burg, re­ger Bür­ger­be­tei­li­gung und ver­schie­de­nen bau­li­chen und kon­zep­tio­nel­len Wett­be­wer­ben wur­de ein Mas­ter­plan ge­schaf­fen, der al­les ab­deckt, was ein ur­ba­nes Quar­tier ausmacht.

In Ver­bin­dung mit dem be­reits gut eta­blier­ten Ham­bur­ger Bünd­nis für Woh­nen, ei­ner Ver­ein­ba­rung zwi­schen Se­nat, Ver­bän­den der Woh­nungs­wirt­schaft und SA­GA GWG un­ter Be­tei­li­gung der Mie­ter­ver­ei­ne zur so­zi­al­ver­träg­li­chen Wei­ter­ent­wick­lung des Ham­bur­ger Woh­nungs­mark­tes, wird zu­dem ein An­ge­bot für al­le Nut­zer­grup­pen ge­schaf­fen. Nach dem so­ge­nann­ten Drit­tel-Mix wer­den ein Drit­tel Ei­gen­tums­woh­nun­gen, ein Drit­tel frei fi­nan­zier­te Miet­woh­nun­gen so­wie ein Drit­tel So­zi­al­woh­nun­gen rea­li­siert. Dies trägt in Ver­bin­dung mit den zu­vor aus­ge­lob­ten Ar­chi­tek­tur­wett­be­wer­ben zur Viel­falt des Quar­tiers bei. Dem­nach rea­li­sie­ren wir als formart un­ter dem Pro­jekt­na­men „Al­tOh!na“ bis An­fang 2018 rund 280 Ei­gen­tums­woh­nun­gen in di­rek­ter Park­la­ge und ha­ben be­reits im Fe­bru­ar 2016 den Grund­stein da­für gelegt.

Das Ge­samt­pro­jekt ist ein vor­bild­li­ches Re­zept zur Schaf­fung ei­nes neu­en, ur­ba­nen und le­ben­di­gen Quar­tiers un­ter Be­tei­li­gung der Stadt Ham­burg, städ­ti­scher Bau­ge­nos­sen­schaf­ten, ver­schie­de­ner Bau­ge­mein­schaf­ten und frei­fi­nan­zier­ten Pro­jekt­ent­wick­lern. Zu­dem wird die Idee ei­ner Stadt der kur­zen We­ge rea­li­siert, um die Not­wen­dig­keit ei­nes ei­ge­nen PKWs mög­lichst ge­ring zu hal­ten und um so­mit ei­ne um­welt- und so­zi­al­ver­träg­li­che Mo­bi­li­tät zu för­dern. Ei­ne Quar­tiers­ent­wick­lung, die gern nach­ge­kocht wer­den darf.

Der Autor
Bild: formart GmbH & Co. KG
Carsten Sellschopf
Geschäftsführer (COO)
formart GmbH & Co. KG