14.08.2016
Alexander Kappes M. Sc.

Fach-Dialog BIM - Rein in die Projekte

BIM-Level schaffen Klarheit

Um Bauherren die Entscheidung für BIM zu erleichtern, müssen Bauunternehmen ihr Leistungsspektrum klar definieren.

Bild: WOLFF & MÜLLER

Von Buil­ding In­for­ma­ti­on Mo­de­ling (BIM) pro­fi­tie­ren am meis­ten die In­ves­to­ren, Bau­herrn und Be­trei­ber von Im­mo­bi­li­en. Es ent­ste­hen bes­se­re Ge­bäu­de, weil Ar­chi­tek­ten, Pla­ner und Bau­un­ter­neh­men im glei­chen Da­ten­raum ar­bei­ten statt je­der für sich. Bau­her­ren kön­nen sich das spä­te­re Bau­werk schon früh rea­li­täts­nah vor­stel­len und be­kom­men mehr Kos­ten- und Ter­min­si­cher­heit. Die Vor­tei­le von BIM hö­ren aber nicht mit Fer­tig­stel­lung des Ge­bäu­des auf, son­dern ge­hen in der lan­gen Be­triebs­pha­se wei­ter: Dank BIM wer­den rea­le Im­mo­bi­li­en in Zu­kunft ei­nen di­gi­ta­len Zwil­ling ha­ben – so wie das bei Pro­duk­ten an­de­rer Bran­chen gang und gä­be ist. Mit Hil­fe die­ser Da­ten­bank kön­nen die Be­trei­ber et­wa die En­er­gie-, Rei­ni­gungs- und War­tungs­kos­ten der Im­mo­bi­lie be­rech­nen oder Um­bau­ten pla­nen. Noch sind sich Bau­her­ren all die­ser Vor­tei­le zu we­nig be­wusst und for­dern BIM für ih­re Bau­pro­jek­te zu we­nig ein. Wie lässt sich das än­dern? Aus­füh­ren­de Bau­un­ter­neh­men mit BIM-Er­fah­rung kön­nen da­zu bei­tra­gen, dass sich das di­gi­ta­le Pla­nen und Bau­en auf Sei­ten der Bau­her­ren durch­setzt. Die Un­ter­neh­men müs­sen ihr BIM-spe­zi­fi­sches Leis­tungs­spek­trum ein­heit­lich de­fi­nie­ren und über­sicht­lich glie­dern. Das hilft Auf­trag­ge­bern, den Mehr­wert der Me­tho­de in je­der ein­zel­nen Pro­jekt­pha­se zu er­ken­nen und ge­zielt die ge­wünsch­ten Leis­tun­gen zu beauftragen.

In­di­vi­du­ell statt pauschal
Noch gibt es in der deut­schen Bau­bran­che kein ein­heit­li­ches Ver­ständ­nis der BIM-Me­tho­de. Auch die Leis­tun­gen aus­füh­ren­der Bau­un­ter­neh­men sind we­der klar ge­re­gelt noch ein­heit­lich de­fi­niert. Oft steht die­se Hür­de ei­ner Be­auf­tra­gung durch den Bau­herrn im We­ge. Statt pau­schal die Leis­tung BIM zu be­auf­tra­gen, wol­len Bau­her­ren wie aus ei­nem Ka­ta­log je­ne Bau­stei­ne wäh­len, die ih­rem Pro­jekt­ziel und ih­ren in­di­vi­du­el­len Be­dürf­nis­sen am meis­ten ent­spre­chen. Wie ein sol­cher Leis­tungs­ka­ta­log aus­se­hen kann, zei­gen wir bei WOLFF & MÜL­LER. Als ei­ner der fort­schritt­lichs­ten An­wen­dern von BIM in Deutsch­land wur­den wir für das BIM-En­ga­ge­ment be­reits mehr­fach von der RIB Soft­ware AG und der Stan­ford Uni­ver­si­ty aus­ge­zeich­net. WOLFF & MÜL­LER hat für je­de Pro­jekt­pha­se so­ge­nann­te BIM-Le­vel de­fi­niert, die in­tern und ex­tern Klar­heit in Be­zug auf die Ar­beit mit der BIM-Me­tho­de brin­gen. Die BIM-Le­vel (sie­he Gra­fik) sind näm­lich nicht nur für Kun­den re­le­vant, son­dern auch für die Mit­ar­bei­ter des Un­ter­neh­mens: Wir schaf­fen da­mit die in­ner­be­trieb­li­chen Vor­aus­set­zun­gen und Pro­zes­se zur Um­set­zung von BIM-Pro­jek­ten. Die in­ter­nen Ser­vice­ein­hei­ten, zum Bei­spiel das De­sign- und En­gi­nee­ring-Cen­ter und die Un­ter­neh­mens­ent­wick­lung, so­wie die bun­des­wei­ten Nie­der­las­sun­gen des Un­ter­neh­mens ha­ben nun ei­ne ein­heit­li­che Grund­la­ge – so­wohl für die in­ter­ne Zu­sam­men­ar­beit als auch für die Kom­mu­ni­ka­ti­on und Zu­sam­men­ar­beit mit den Auf­trag­ge­bern. Zu je­dem BIM-Le­vel gibt es ein de­tail­lier­tes Leis­tungs­ver­zeich­nis, wo­bei Auf­trag­ge­ber die Leis­tun­gen so­wohl ein­zeln als auch kom­plett be­auf­tra­gen können.

Die fünf BIM-Le­vel ori­en­tie­ren sich an den Pro­jekt­pha­sen: Pla­nung, An­ge­bot, Aus­füh­rung, Ab­nah­me und Ge­währ­leis­tung. Da­bei un­ter­schei­den wir zwi­schen Grund- und Zu­satz­leis­tun­gen. Die Grund­leis­tun­gen sor­gen für ei­ne ganz­heit­li­che und sinn­vol­le An­wen­dung der BIM-Me­tho­de und be­zie­hen sich je­weils auf ei­ne Pro­jekt­pha­se. Die Zu­satz­leis­tun­gen sind op­tio­na­le An­ge­bo­te, die je­doch meh­re­re Pro­jekt­pha­sen um­fas­sen: Der Auf­trag­ge­ber muss sie be­reits in ei­nem frü­hen Sta­di­um der Pla­nung be­auf­tra­gen, da­mit die not­wen­di­gen Struk­tu­ren und In­for­ma­tio­nen im Ge­bäu­de­da­ten­mo­del an­ge­legt wer­den können.

Bau­un­ter­neh­men in Pla­nung einbeziehen
Grund­sätz­lich gilt: Je frü­her das aus­füh­ren­de Bau­un­ter­neh­men in den BIM-Pro­zess ein­ge­bun­den wird, des­to eher kann es sein Fach­wis­sen und sei­ne bis­he­ri­gen Er­fah­rung in das Pro­jekt ein­brin­gen. Für den Auf­trag­ge­ber lohnt es sich des­halb, be­reits das Le­vel 1 – die Be­ra­tung im BIM-Mo­dell – in An­spruch zu neh­men. Ver­trag­lich lässt sich das bei­spiels­wei­se durch ei­nen ein­fa­chen Be­ra­ter­ver­trag zwi­schen dem Auf­trag­ge­ber und dem Bau­un­ter­neh­men re­geln. Al­ter­na­tiv kön­nen sich bei­de Sei­ten auch für ein zwei­stu­fi­ges Part­ner­schafts­mo­dell ent­schei­den: Auf der ers­ten Stu­fe bringt das Bau­un­ter­neh­men sei­ne Aus­füh­rungs­kom­pe­tenz be­ra­tend ein; auf Wunsch kann es auch die Ver­ant­wor­tung für die Er­stel­lung des BIM-Mo­dells über­neh­men. Auf der zwei­ten Stu­fe folgt dann der Werk­ver­trag zur Um­set­zung des Pro­jek­tes. Schließ­lich hat der Auf­trag­ge­ber noch ei­ne wei­te­re Mög­lich­keit, die Be­ra­tungs­leis­tung des aus­füh­ren­den Bau­un­ter­neh­mens in der frü­hen Pla­nungs­pha­se zu nut­zen: in­dem er das Bau­un­ter­neh­men mit dem ganz­heit­li­chen BIM-Ma­nage­ment des Pro­jek­tes beauftragt.

 

Der Autor
Bild: Dr. Alexander Kappes, Wolff & Müller
Dr. Alexander Kappes M. Sc.
Leiter Geschäftsführungsbüro und Forschung und Entwicklung
Wolff & Müller