24.07.2016
Andreas Schulten

Berlin ist eigentlich keine klassische Bürostadt

Wer geht morgen ins Büro?

Büros sind vor allem in den Großstädten wichtige Arbeitsräume. Auch in Berlin wächst die Zahl der Bürobeschäftigten – scheinbar unaufhaltsam.

Bild: bulwiengesa

Das Ana­ly­se- und Be­ra­tungs­haus bul­wi­en­ge­sa er­stellt für die TLG IM­MO­BI­LI­EN AG die Stu­die „Die Ber­li­ner Bü­ro­nut­zer von mor­gen“, die beim Im­mo­bi­li­en-Dia­log vor­ge­stellt wird. Hier die wich­tigs­ten Rah­men­pa­ra­me­ter vorab.

Ber­lin ist ei­gent­lich kei­ne klas­si­sche Bü­ro­stadt. Ei­ne Viel­zahl der Er­werbs­tä­ti­gen ver­bringt ih­ren Ar­beits­tag nicht im Bü­ro, son­dern bei­spiels­wei­se im Han­del, Gast­ge­wer­be oder mit Pfle­ge­tä­tig­kei­ten. Ent­spre­chend liegt der Bü­ro­be­schäf­tig­ten­an­teil in der Bun­des­haupt­stadt mit rund 39 % auf ei­nem (noch) ver­gleichs­wei­se nied­ri­gen Ni­veau – und ist ein Be­leg für die im­mer noch re­al exis­tie­ren­den Un­ter­schie­de hin­sicht­lich der Wirt­schafts­kraft und -struk­tur, ver­gli­chen mit den eu­ro­päi­schen Spit­zen­me­tro­po­len oder auch den an­de­ren deut­schen A-Städten.

 

Schaut auf die­se Stadt – und ih­re Trends

Ber­lin hat je­doch in den letz­ten Jah­ren ei­nen Auf­hol­pro­zess durch­lau­fen, ge­tra­gen durch den tief­grei­fen­den Struk­tur­wan­del und das ste­ti­ge Be­völ­ke­rungs­wachs­tum. Ein Ef­fekt war und ist das dy­na­mi­sche Bürobeschäftigtenwachstum.

Wie in kaum ei­ner an­de­ren Stadt las­sen sich in Ber­lin die Ver­än­de­run­gen ak­tu­el­ler so­zio-öko­no­mi­scher Trends be­ob­ach­ten. Die­se füh­ren auch zu ei­nem nach­hal­ti­gen Wan­del der Ar­beits­welt. Wer al­so wer­den die Bü­ro­nut­zer von mor­gen sein?

Für die bul­wi­en­ge­sa-Stu­die „Die Ber­li­ner Bü­ro­nut­zer von mor­gen“ im Auf­trag der TLG IM­MO­BI­LI­EN AG wur­den vier Haupt­grup­pen von Bü­ro­nut­zern iden­ti­fi­ziert, die ein über­durch­schnitt­li­ches Wachs­tum auf­wei­sen und in den nächs­ten fünf Jah­ren er­heb­li­chen Ein­fluss auf den Ber­li­ner Bü­ro­im­mo­bi­li­en­markt ha­ben werden:

1. Start-ups
Kli­schee oder re­el­le Ef­fek­te? Seit ei­ni­gen Jah­ren gilt die Bun­des­haupt­stadt be­reits als Zen­trum der na­tio­na­len Grün­der­sze­ne, mitt­ler­wei­le aber auch in­ter­na­tio­nal. Für die Stu­die wird u.a. der Bü­ro­flä­chen­kon­sum von Start-ups un­ter­sucht. In­zwi­schen ge­hen wohl 10 % des Bü­ro­flä­chen­um­sat­zes auf die jun­gen Grün­der zu­rück. Vie­le ha­ben sich längst zu Nut­zern ent­wi­ckelt, die für den Bü­ro­im­mo­bi­li­en­markt gro­ße Re­le­vanz ha­ben. Za­lan­do et­wa hat 2015 für sei­ne neue Zen­tra­le in der Me­diaspree mehr als 70.000 qm MF/G neu angemietet.

2. TMT-Branche
Nicht nur die Start-ups, von de­nen vie­le ja selbst di­gi­ta­le Ge­schäfts­mo­del­le ha­ben, auch die ge­ne­rel­le Di­gi­ta­li­sie­rung treibt ma­ß­geb­lich die po­si­ti­ve Ent­wick­lung. In der jüngs­ten Ver­gan­gen­heit hat sich die TMT-Bran­che (Tech­no­lo­gie, Me­di­en und Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on) nach­hal­tig als Nach­fra­ger in Ber­lin eta­bliert. Auch in den klas­si­schen Bran­chen spie­len di­gi­ta­le Struk­tu­ren ei­ne we­sent­li­che Rol­le. Al­le In­di­ka­to­ren spre­chen da­für, dass sich die­se Ent­wick­lung fortsetzt.

3. Dienstleistungen
Vie­le Bü­ro­ar­beits­plät­ze wer­den von den bei­den vom sta­tis­ti­schen Bun­des­amt so de­fi­nier­ten Wirt­schafts­zwei­gen „Er­brin­gung von frei­be­ruf­li­chen, wis­sen­schaft­li­chen und tech­ni­schen Dienst­leis­tun­gen“ so­wie „Er­brin­gung von sons­ti­gen wirt­schaft­li­chen Dienst­leis­tun­gen“ ein­ge­nom­men. 40 % al­ler Dienst­leis­tun­gen in Ber­lin fal­len dar­un­ter – auch die­se Kur­ve steigt be­stän­dig an. Mehr In­for­ma­tio­nen da­zu in ei­ni­gen Wo­chen in der Studie.

4. Mi­nis­te­ri­en und Behörden
Die Stim­men aus der Po­li­tik für ei­nen Kom­plett­um­zug meh­ren sich, auch 83 % al­ler Deut­schen be­für­wor­ten ihn. Schon wäh­rend die­ses Sze­na­ri­um noch Zu­kunfts­mu­sik ist, ex­pan­die­ren in gro­ßem Um­fang das Aus­wär­ti­ge Amt, das Mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les und das Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um. Auch das Lan­des­amt für Flücht­lings­an­ge­le­gen­hei­ten be­ab­sich­tigt spür­ba­re Bü­ro­flä­chen­er­wei­te­run­gen; der Bun­des­tag hat der­zeit ei­ni­ge Ge­bäu­de im Bau. Hat Ber­lin bald auch ei­ne Po­si­ti­on wie Brüs­sel oder Washington?

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Andreas Schulten
Vorstand
bulwiengesa AG