15.02.2016
Thomas Scherer

Denkmalneu berichtet...

Synergien richtig nutzen – Erfolgsfaktoren für gemischt genutzte Gebäude

Der Tante-Emma-Laden im Erdgeschoß, die eigene Wohnung darüber – Mischnutzung im kleinen Maßstab ist integraler Bestandteil von Innenstädten seit es diese gibt.

Le­ben und Ar­bei­ten an ei­nem Ort, das ist auch heu­te wie­der ein brand­ak­tu­el­les The­ma. Si­cher, nicht wie da­mals, im Sin­ne von Ar­beits­ort gleich Wohn­ort, viel­mehr als Ant­wort dar­auf, wie wir in Städ­ten heu­te le­ben wol­len. Ver­schie­de­ne Stu­di­en zei­gen, dass es ein aus­ge­wo­ge­ner Mix aus Bü­ro, Woh­nen und Ein­zel­han­del ist, der die Le­bens­qua­li­tät in In­nen­städ­ten nach­hal­tig po­si­tiv beeinflusst.

Klar ist, dass es am Ziel der le­ben­di­gen In­nen­städ­te vor­bei geht, wenn trotz Mi­schung ab­ge­grenzt Bü­ro­block ne­ben Mall ne­ben Wohn­haus ent­steht. Im Ide­al­fall fin­den die ver­schie­de­nen Nut­zungs­ty­pen so­gar in ei­nem Ge­bäu­de statt. Doch wie funk­tio­niert ein sol­ches Ge­bäu­de, wenn die Be­dürf­nis­se der ein­zel­nen Nut­zer­grup­pen mit­un­ter dia­me­tral ge­gen­sätz­lich sind?

Schlüs­sel zum Er­folg: Syn­er­gi­en fin­den und nutzen

Der Schlüs­sel zu zu­kunfts­fä­hi­gen Misch­nut­zungs­kon­zep­ten hei­ßt: Fo­kus auf die Syn­er­gie-Ef­fek­te! Zen­tra­le Fra­gen sind da­bei: wel­cher Mehr­wert er­gibt sich für die ein­zel­nen Mie­ter­grup­pen aus dem Ge­samt­kon­zept? Wel­ches Mi­schungs­ver­hält­nis, qua­li­ta­tiv – wel­che Nut­zer­grup­pen – und quan­ti­ta­tiv – wie stark sind die­se ver­tre­ten – funktioniert?

Am Bei­spiel von Kurz­zeit- und Lang­zeit­wohn­an­ge­bo­ten un­ter ei­nem Dach lässt sich der Stel­len­wert von Syn­er­gi­en ver­deut­li­chen. So freu­en sich Lang­zeit­mie­ter über die Mög­lich­keit, Gäs­te nur we­ni­ge Schrit­te von der ei­ge­nen Woh­nung ent­fernt un­ter­zu­brin­gen, oh­ne selbst ein Gäs­te­zim­mer vor­hal­ten zu müs­sen. Bei­de Par­tei­en wie­der­um pro­fi­tie­ren von op­tio­na­len Ser­vices, sei es Woh­nungs­rei­ni­gung oder Con­cier­ge-Dienst, die nur von bei­den Be­woh­ner­grup­pen ge­mein­sam ge­tra­gen wer­den kön­nen. Der Über­gang in die Ge­schäfts­welt ist flie­ßend: Bei­spiel Co-Working-Spaces. Mit­tels die­ser ein­zeln buch­ba­ren Ar­beits­plät­ze er­wei­tern klei­ne­re Ge­wer­be­mie­ter ihr Bü­ro tem­po­rär. Sie be­sche­ren der Gas­tro­no­mie im Haus gleich­zei­tig Ta­ges­ge­schäft, Stich­wort „busi­ness lunch“, und bu­chen Kon­fe­renz­räu­me, die für Be­woh­ner auch als Räu­me für pri­va­te Fei­ern zur Ver­fü­gung ste­hen. Nicht zu­letzt spielt der Fak­tor Tech­nik ei­ne tra­gen­de Rol­le. So ver­netzt ei­ne ei­gens ent­wi­ckel­te App das ge­sam­te Haus und stellt den ein­zel­nen Nut­zer­grup­pen spe­zi­fi­sche An­ge­bo­te zur Ver­fü­gung. Wei­ter­ge­dacht könn­ten Kurz­zeit­gäs­te der An­ony­mi­tät per App ent­flie­hen, in dem sie sich abends auf ein Glas Wein mit Gleich­ge­sinn­ten ver­ab­re­den. Die Mög­lich­kei­ten sind hier viel­fäl­tig. Ent­schei­dungs­grund­la­ge soll­ten im­mer die Be­dürf­nis­se der Nut­zer sein, so­weit die­se an­ti­zi­piert wer­den kön­nen, Ziel die Stei­ge­rung der Le­bens­qua­li­tät (Ge­schäfts- oder Pri­vat­le­ben). Ei­ne en­ge Ver­zah­nung der ein­zel­nen funk­tio­na­len Be­rei­che glückt vor al­lem auch dann, wenn es ge­mein­sam ge­nutz­te Be­rei­che gibt, bei­spiels­wei­se Gas­tro­no­mie oder Clubräume.

Hilf­reich, um blo­ßes räum­li­ches Ne­ben­ein­an­der zu ver­mei­den, ist es, Ar­chi­tek­tur und De­sign ge­schickt als iden­ti­täts­stif­ten­de Merk­ma­le im Ge­bäu­de ein­zu­set­zen, als ei­ne auch nach au­ßen hin sicht­ba­re Klammer.

In der In­nen­stadt von Dres­den ent­steht ak­tu­ell das ers­te „Le­ben­di­ge Haus“. Aus der Ent­wick­lung ei­nes zeit­ge­mä­ßen Um­nut­zungs­kon­zepts für das ehe­ma­li­ge Ge­schäfts­ge­bäu­de wur­den die um­ris­se­nen Er­kennt­nis­se ge­won­nen. Per­spek­ti­visch sol­len in meh­re­ren Gro­ß­städ­ten im deutsch­spra­chi­gen Raum „Le­ben­di­ge Häu­ser“ entstehen.

Der Autor
Bild: denkmalneu
Thomas Scherer
Geschäftsführender Gesellschafter