12.03.2016
Petra Höfels

Flexible Lösungen forcieren

Wohnen für Flüchtlinge muss die Integration vorantreiben

Die Flüchtlingskrise ist nicht nur eine (gesellschafts-)politische Herausforderung, sie stellt die Städte und Gemeinden vor ganz konkrete Probleme hinsichtlich der Unterbringung und Integration.

Bild: Heuer Dialog GmbH

Denn über die Erstunterbringung in Turnhallen und Behelfsunterkünften hinaus müssen Lösungen zur menschenwürdigen Gestaltung des Alltags her – nicht zuletzt, damit Integration auch gelingen kann. Welchen Part dabei die Immobilienwirtschaft übernehmen kann und muss, darüber diskutierten Experten aus der Immobilien-, Bau- und Finanzwirtschaft beim Fach-Dialog „Wohnen für Flüchtlinge“ in Bonn.

Dazu gilt es zunächst, belastbare Zahlen für die zu erwartende Anzahl an Schutzsuchenden mit Bleibestatus zu benennen. Doch hier liegt bereits die erste Hürde, wie Professor Dr. Michael Voigtländer, Leiter des Kompetenzfeldes Finanz- und Immobilienmärkte am Institut der Deutschen Wirtschaft konstatieren muss: „Egal was wir prognostizieren, wir können nur falsch liegen“. Der Fachmann für exakte Berechnungen muss in diesem Zusammenhang leider passen. „Es gibt keine verlässlichen Daten, mit denen wir arbeiten können. Die Zahlen, die wir unseren Untersuchungen heute zugrunde legen, sind in zwei Wochen schon längst nicht mehr aktuell“, beschreibt er das Dilemma.

Und Wohnraum – zumal bezahlbarer – ist ohnehin knapp, zumindest in den Metropolen und attraktiven Standorten, die auch Flüchtlinge, ebenso wie andere Arbeitssuchende, anziehen. Seit Jahren wird zu wenig gebaut – und die daraus entstandene Bedarfs-Lücke zieht sich auch bei angezogener Errichtungen von Wohnungen fort.

Einig sind sich die Fachleute darin, dass man jetzt flexible Lösungen forcieren muss. Die Genehmigungsprozesse gehören ebenso beschleunigt wie die Nutzung ungewöhnlicher oder neuer Lösungen. Ob man nun Wohnen in Gewerbelage erlaubt oder Abstriche bei der ENeV macht, sowie den Brandschutz – zumindest bei Bestandsgebäuden, die gerade noch genutzt wurden – nicht auf den allerneuesten Stand bringen muss, die Möglichkeiten werden inzwischen offen diskutiert und finden auch bereits Niederschlag in Gesetzen, wie Frau Prof. Dr. Angelika Leppin, Partnerin bei Weissleder Ewer Rechtsanwälte Partnerschaft mbB, darlegte.

Und dass es zwischen Containerdorf und Neubaustandard durchaus ordentlichen Wohnkomfort gibt, konnten mehrere Experten für Holz- und Modulbau beweisen. So stellten Ingo Splieth und Kay Zetzsche von der Wolff Gruppe nachhaltige Wohnformen vor, die sowohl durch ihre lange Nutzungsdauer und die Möglichkeit zur Umnutzung für andere öffentliche Bauten (etwa Kitas oder Schulen) interessant sind, als auch die Möglichkeit bieten, lokale Anbieter bei der Vergabe bevorzugt zu berücksichtigen.

Die Zeiten fordern mutige, innovative und schnell zu realisierende Modelle. Dabei darf auch ausgesprochen werden, dass wir nicht Wohnraum schaffen müssen, der 100 Jahre Bestand hat, sondern neue Wege gehen müssen.

Denn selbst wenn die Flüchtlinge nicht in Deutschland bleiben sollten, Bedarf an günstigem Wohnraum wird weiter bestehen.

Die Autorin
Petra Höfels
Projektleiterin
Heuer Dialog