14.04.2016
Angela Rüter

Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain eröffnete den diesjährigen Immobilien-Dialog Dresden

Dresden wird stark wachsen!

Vor über 80 Teilnehmern betonte Schmidt-Lamontain die Notwendigkeit des Wohnungs(neu)baus in der Landeshauptstadt. „Bis 2030 benötigen wir 25.000 zusätzliche Wohnungen.“ Grund: Die Einwohnerzahl

Bild: Heuer Dialog GmbH

Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain eröffnete den diesjährigen Immobilien-Dialog Dresden und betonte vor über 80 Teilnehmern die Notwendigkeit des Wohnungs(neu)baus in der Landeshauptstadt. „Bis 2030 benötigen wir 25.000 zusätzliche Wohnungen.“ Grund: Die Einwohnerzahl steigt auf etwa 588.000 Menschen (heute: 549.000). Unterstützung erhält die Stadt durch die Immobilienwirtschaft und Investoren wie Christoph Gröner von der CG Gruppe und Norbert und Ralph Esser von FAY Projects GmbH aus Mannheim. Gemeinsam stecken sie Milliarden Euro in Dresdner Wohnungsbauprojekte, Gewerbe- und Kaufhäuser.

Die Dresdner Innenstadt verändert ihr Gesicht und bleibt nach den Einschätzungen von Morten Hahn von Dr. Lübke & Kelber GmbH in einem ausgewogenen Risiko-Rendite-Verhältnis. Aufgrund der hohen Liquidität kauften Investoren schon Projektpipelines.

Der Nachmittag gehörte dem Gewerbemarkt der sächsischen Landeshauptstadt.

Investoren lieben B-Städte, hieß es. Die durchschnittliche Anfangsrendite beim Erwerb von Bürobauten liegt in den großen bundesdeutschen Bürostädten (BIG 7) bei 4,7%. B-Städte bringen es im Schnitt auf 5,8% während in Dresden die Mieteinnahmen im Verhältnis zum Kaufpreis bei 6,1% liegen. „Das ist super“, war zu hören. Und auch der Bürovermietungsmarkt muss sich nicht verstecken, sagte Oliver Münzberg, Senior Transaction Manager vom Maklerhaus Dr. Lübke & Kelber. Am Ende des Jahres würden 90.000 Quadratmeter Fläche umgesetzt sein, versprach der Fachmann – bei leicht steigender Spitzenmiete von derzeit 12,50 Euro/Quadratmeter.

Zur Attraktivität des Bürostandorts beitragen würden auch repräsentative Gewerbestandorte, wie die Dresdner Yendize mit ihrem orientalischen Flair, hieß es von Seiten des Eigentümers, der EB Group, Berlin/Leipzig. Ruinieren die jeden Montag im Zentrum stattfindenden fremdenfeindlichen und rassistischen Umzüge von Pegida den guten Ruf der Stadt im In- und Ausland? Diese Frage erörterte eine Diskussionsrunde am frühen Nachmittag. „Schon“, lautete die Antwort der meisten Teilnehmer, auch wenn sich die Mehrzahl der Investoren von den guten immobilienwirtschaftlichen Rahmendaten der Stadt mehr beeindrucken ließen, als vom „Montagsfluch“. Einzelhändler und Hoteliers hätten am meisten zu leiden.

Fast 6.100 Passanten pro Stunde ließ André Heinrich, Einzelhandelsexperte von BNP Paribas Real Estate, auf Dresdens längster Bummelmeile Prager Straße zählen – ein Spitzenwert in Mitteldeutschland. Tendenz steigend. Die Eröffnung des Prager Carrées am Wiener Platz in diesem Sommer wird die Zeile weiter beleben. Die Spitzenmiete liegt bei 100 Euro/Quadratmeter. Mehr schafft in der Region nur der ewige Konkurrent Leipzig.

Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen. Dennoch stehen die Nahversorger vor großen Herausforderungen, hieß es vom deutschen Marktführer. Toni Kunze, Regionalleiter Expansion der Edeka Grundstücksgesellschaft muss sich gegen das Internet genau so behaupten wie er auf lange Genehmigungsprozesse, städtebauliche Ansprüche, Beschwerden von Nachbarn, sowie die Lärm- und Stellplatzproblematik Antworten finden muss.

Dresden mit seinen 3,9 Mio. Übernachtungen im vergangenen Jahr ist eine der sieben großen Tourismusdestinationen in Deutschland, freute sich Ursula Kriegl, Hotelexpertin bei JLL. Und obwohl in jüngster Vergangenheit viele Hotels in der Stadt eröffnet hätten, sei die Nachfrage einen Tick stärker gewachsen als das Angebot. Die beiden Wermutstropfen dabei: Der weitaus überwiegende Teil der Gäste kommt als Tourist. Geschäftsreisende, die ihr Bett von Unternehmen bezahlt bekämen, sind für die Hoteliers aber lukrativer. Genau wie Ausländer, ihr Anteil betrug im Jahr 2015 nur 20%, mehr Geld für ihr Zimmer ausgeben als Deutsche. „Daran müssen wir arbeiten“, sagte die freundliche Fachfrau zum Abschluss eines gelungenen Branchentreffs in der Barockstadt.

Die Autorin
Angela Rüter
Geschäftsführerin
Heuer Dialog