21.04.2016
Yvonne Traxel

Christian Wulff: „Risiken im Finanzsystem sind nicht mehr abwegig“

Banken und alternative Finanzierungen auch künftig gefragt

Der mit rund 150 Teilnehmern sehr gut besuchte Jahreskongress Finanzierung für die Real Estate Industry von BF.direkt und IREBS am 20. April 2016 startete mit einer Reihe spannender Vorträge.

Chris­ti­an Wul­ff, Bun­des­prä­si­dent a.D., er­öff­ne­te die Ta­gung mit der Weit­sicht ei­nes Staats­man­nes, der auf ver­schie­de­nen Kon­ti­nen­ten zu Hau­se ist. Die der­zei­ti­ge Ver­un­si­che­rung der Men­schen durch Na­tio­na­lis­mus, Ter­ror und Wirt­schafts­krie­ge sei so groß wie zu­letzt 1968 beim Pra­ger Früh­ling. „Ri­si­ken im Fi­nanz­sys­tem sind nicht mehr ab­we­gig“, so sei­ne Einschätzung.

Die zu­neh­men­de Frag­men­tie­rung in Eu­ro­pa be­rei­tet auch Herrn Biel­mei­er, DZ Bank, Sor­gen: „Die EZB Po­li­tik gibt kaum noch Im­pul­se, nimmt aber ho­he Ri­si­ken in Kauf.“ Nach sei­ner Pro­gno­se wächst die USA um 2% und Deutsch­land um 1,25 % die­ses Jahr. Welt­weit sieht er ei­ne Ober­kan­te für das Wachs­tum bei 3%.

Gän­gi­ge Fi­nan­zie­rungs­ar­ten und al­ter­na­ti­ve For­men wa­ren ein Schwer­punkt der Ta­gung. War­um Schuld­schein­dar­le­hen be­vor­zugt wer­den, sieht Dr. Nord­hu­es von K-Bonds klar in dem Kon­strukt der im­mo­bi­li­en­be­si­cher­ten, pfand­brie­fähn­li­chen An­la­ge. Der di­rek­te Zu­gang zu In­ves­to­ren, hö­her zu plat­zie­ren­de Be­trä­ge und ei­ne fle­xi­ble­re Ver­trags­ge­stal­tung ma­chen das In­stru­ment sehr at­trak­tiv für Fa­mi­liy Of­fices und In­ves­to­ren. Auch wenn da­mit bis­lang noch kei­ne Pro­jekt­ent­wick­lun­gen fi­nan­ziert wer­den, schloss Dr. Nord­hu­es dies für die Zu­kunft nicht aus.

Frau Hard, Green­berg Trau­rig, frag­te al­le Teil­neh­mer nach ih­rer Ein­schät­zung, wie­viel Pro­zent des Fi­nan­zie­rungs­vo­lu­mens auf Kre­dit­fonds fal­len. Die meis­ten la­gen falsch, denn un­ter 5% in Deutsch­land hat­te kaum ei­ner er­war­tet. Er­klä­rend füg­te Sie hin­zu: „Die ge­rin­ge Nach­fra­ge hat im We­sent­li­chen mit der schwie­ri­gen In­ter­kre­di­to­ren­ver­ein­ba­rung zu tun“. In an­de­ren Län­dern sei­en die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen einfacher.

„Pfand­brief­ban­ken, CMBS und Bonds sind die we­sent­li­chen In­stru­men­te bei Vo­no­via“, er­klär­te Herr Klinck, Mit­glied des Vor­stands. Prä­fe­riert wer­den Bonds mit ei­ner Bei­mi­schung von Bank­kre­di­ten. „Bond­geld ist sehr schnell“ sagt er und merk­te noch an: „Es stellt sich die Fra­ge, ob wir Ban­ken künf­tig nur noch als Ser­vice-Pro­vi­der und nicht mehr als Ka­pi­tal­ge­ber brauchen.“

Die Fra­ge „Brau­chen wir mor­gen noch Ban­ken?“ ver­tief­te der Mo­dera­tor Pro­fes­sor Se­bas­ti­an, IREBS, in der Run­de des Pa­nels am Nach­mit­tag. Herr Bu­der, Spar­kas­se Ber­lin, sieht vor al­lem bei klei­ne­ren Vo­lu­mi­na un­ter 50 Mio € die Ban­ken und Spar­kas­sen mit lo­ka­len Spe­zi­al­kennt­nis­sen in ei­ner un­ver­zicht­ba­ren Rol­le. Herr Grö­ner, CG Grup­pe, glaubt, dass Ban­ken auch zu­künf­tig noch ge­braucht wer­den, denn ei­ni­ge In­stru­men­te sei­en z.B. auf­grund der Pu­bli­zi­täts­pflich­ten viel zu lang­sam. Kaum noch Un­ter­schie­de zwi­schen den Ban­ken sieht Herr Fe­de­le, BF.​direkt. Mit Blick auf gu­te Ob­jek­te in B- und C-La­gen, bei de­nen Spar­kas­sen ei­ne sehr do­mi­nan­te Stel­lung ha­ben, wünscht er sich ei­ne stär­ke­re Öff­nung der Ban­ken: „Für die Men­ge an Neu­ge­schäft wä­re es schön, wenn auch die Ban­ken sich en­ga­gie­ren und ei­ne grö­ße­re Fle­xi­bi­li­tät zeigen.“

Man war sich zu­sam­men­fas­send ei­nig, dass Ban­ken und Spar­kas­sen je nach Vo­lu­mi­na, La­ge und Ri­si­ko­nei­gung auch künf­tig ge­braucht wer­den, an­de­re Fi­nan­zie­rungs­for­men gleich­wohl not­wen­dig sind. Nicht zu­letzt auf­grund des im­mer knap­pe­ren Ei­gen­ka­pi­tals der Ban­ken stimm­te die Run­de über­ein, dass al­ter­na­ti­ve Fi­nan­zie­run­gen ge­fragt sind.

Den Blick auf die zu­neh­men­den Re­gu­la­ri­en und ih­re Aus­wir­kun­gen auf die Fi­nan­zie­rungs­land­schaft rich­te­te Herr Jeschke, Lan­des­bank Ba­den-Würt­tem­berg. „IFRS 9 kommt de­fi­ni­tiv in 2018“ sag­te er und er­gänzt: „Da­mit wer­den lang­fris­ti­ge Fi­nan­zie­run­gen mehr be­straft als kürzere!“

Ei­ne noch sehr jun­ge Fi­nan­zie­rungs­form, das Crow­din­ves­ting, stell­te Herr Wie­land von Mez­za­ny vor. Dem stark wach­sen­den Seg­ment ste­he ei­ne Kon­sili­die­rung be­vor. Da Mez­za­ny auf Wert­pa­pie­re spe­zia­li­siert und da­mit der BA­FIN Auf­sicht un­ter­stellt ist, sieht er sein Un­ter­neh­men für die Zu­kunft gut aufgestellt.

Nicht zu­letzt we­gen des her­vor­ra­gen­den Wet­ters hielt sich die gu­te Lau­ne der Teil­neh­mer bis zum Schluss. Die Ge­sprä­che in den Pau­sen und wäh­rend des Busi­ness-Da­tings wur­den in­ten­siv ge­nutzt. So freu­en sich al­le Be­tei­lig­ten auf die Fort­set­zung im nächs­ten Jahr.

Das Event zum Thema



Frankfurt am Main
20.04.2016
Die Autorin
Bild: Heuer Dialog
Yvonne Traxel
Senior Projektleiterin
Heuer Dialog GmbH