31.05.2016
Petra Höfels

Balance auch in der Stadtentwicklung

Aachen – die junge Stadt tief im Westen

Auch wenn die Lage an der holländischen bzw. belgischen Grenze Aachen oft nur am Rande des Radars der Immobilienwelt aufblitzen lässt, sollte man dieses Funkeln durchaus im Blick behalten.

Bild: Heu­er Dia­log GmbH

Denn die jun­ge Stadt, die durch die Uni­ver­si­tät und die Fach­hoch­schu­len ste­tig ver­jüngt bleibt, ist durch ei­ne ho­he Ver­weil-Dau­er der Aka­de­mi­ker ge­prägt, die sich ger­ne in der Stadt nie­der­las­sen und hier ihr neue Hei­mat fin­den. Und durch das at­trak­ti­ve Um­feld, ge­prägt von Grenz­nä­he, gu­ter In­fra­struk­tur, Le­bens­qua­li­tät und nicht zu­letzt viel Grün in und um der Stadt gilt es „die Ba­lan­ce auch in der Stadt­ent­wick­lung zum Zu­sam­men­halt der Ge­sell­schaft und hin­sicht­lich der Men­schen im Blick zu be­hal­ten“, so Hil­de Scheidt, Bür­ger­meis­te­rin der Stadt Aa­chen in ih­rer Er­öff­nung des Im­mo­bi­li­en-Dia­logs Aachen.

Dem konn­te sich Wer­ner Win­gen­feld, Bei­ge­ord­ne­ter im De­zer­nat Pla­nung der Stadt Aa­chen und als ehe­ma­li­ger Amts­lei­ter des Stadt­pla­nungs­amts nach ei­nem In­ter­mez­zo in Bonn nun zu­rück­ge­kehrt zu sei­nen Wur­zeln, nur zu­stim­men. Es wird ei­ne en­ga­gier­te Dis­kus­si­on um die Fra­ge­stel­lung, was ei­ne Stadt aus­macht, ge­führt. „Das Ge­fühl, am rich­ti­gen Ort zu sein“ ist viel­leicht ei­ne Ant­wort dar­auf. Die Stadt muss ih­re Zu­kunft selbst in die Hand neh­men und als wach­sen­de Stadt die Dy­na­mik mit den Kon­stan­ten ver­knüp­fen. Dass dies in Aa­chen ge­lin­gen kann, wird auch da­durch un­ter­stützt, dass Ver­wal­tung und Po­li­tik an ei­nem Strang ziehen.

Was Stadt aus ar­chi­tek­to­ni­scher und ge­stal­te­ri­scher Sicht aus­macht, dies konn­te Ger­hard Witt­feld, Ge­schäfts­füh­ren­der Ge­sell­schaf­ter von ka­da­witt­feld­ar­chi­tek­tur an ei­ner Rei­he von Bei­spie­len dar­le­gen. So ge­hört es zu sei­ner Phi­lo­so­phie „Ge­bäu­de in die Stadt rein­zu­ho­len“ und er­leb­bar bzw. auch nutz­bar zu ma­chen, so­mit auch öf­fent­li­chen Raum zu schaf­fen bzw. Frei­räu­me, die Ge­mein­schaft mög­lich machen.

Vor die­sem Hin­ter­grund ließ sich treff­lich über die In­nen­stadt­la­gen und die an­ste­hen­den Ent­wick­lun­gen in ab­so­lu­ter Ci­ty-La­ge dis­ku­tie­ren. Nor­bert Her­manns, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Land­mar­ken AG konn­te ei­ni­ges in Aus­sicht stel­len für das Quar­tier rund um den Bü­chel – ein The­ma, das die Stadt schon lan­ge um­treibt und auf den gro­ßen Wurf war­tet. Jetzt ist er zum Grei­fen na­he und das Ge­sicht der In­nen­stadt dürf­te sich nach­hal­tig ver­än­dern, neue Lauf­we­ge und Lauf­la­gen an­bie­ten und „die lo­sen En­den in den Ein­kaufs­mei­len zu­sam­men­füh­ren.“ Noch of­fen ist da­bei, wie sich der ehe­ma­li­ge Hor­ten – heu­te al­so Kauf­hof-Ab­le­ger „Lust for life“ be­kannt, in Zu­kunft ent­wi­ckeln wird bzw. wel­cher Nut­zung er zu­ge­führt wird. Aber auch hier – so viel ließ Her­manns durch­bli­cken – wird sich et­was tun, und das er­öff­net wie­der­um neue Per­spek­ti­ven für das an­schlie­ßen­de Bus­hofquar­tier – ein „Schmuck­stück“ aus den 1970er-Jah­ren, das so­wohl hin­sicht­lich der Nutz­bar­keit als auch der Au­ßen­ge­stal­tung drin­gend auf ei­ne Auf­wer­tung wartet.

Als so­ge­nann­te Po­ten­zi­al-Stadt (statt B-Stand­ort, wie Klaus Fran­ken von Ca­tel­la Pro­ject Ma­nage­ment be­vor­zugt fest­stellt) bie­tet Aa­chen in Zei­ten von Zin­s­tief und der Her­aus­for­de­rung ei­ner er­trag­rei­chen An­la­ge at­trak­ti­ve Ren­di­ten, die es zu nut­zen gilt. Das sich an dem High-Tech-Stand­ort ganz neu­en Mög­lich­kei­ten bie­ten, stellt zum ei­nen der Ver­an­stal­tungs­ort und so­mit der ge­sam­te Cam­pus der RWTH  dar, wo sich die Idee ei­ner Zu­sam­men­ar­beit von Wirt­schaft, Start-ups aus der Uni-Sze­ne und Im­mo­bi­li­en­an­la­gen auf präch­tigs­te er­gän­zen.  Zum an­de­ren bie­ten die­se Mo­del­le ei­ne (Miet-)Si­cher­heit, die auch (erst­mals in die­ser rei­nen Form) für Pri­vat­an­le­ger Mög­lich­kei­ten des In­vest­ments in neue Im­mo­bi­li­en-Fonds bietet.

Ei­ne wei­te­re Fa­cet­te des High-Tech-Stand­orts bot sich durch die Er­fahr­bar­keit von BIM, wo­bei die Teil­neh­mer in den Pau­sen­be­rei­chen dank ei­ner zur Ver­fü­gung ge­stell­ten VR-Bril­le „live“ den vir­tu­el­len Raum ei­nes Ge­bäu­des in­klu­si­ve TGA-Ebe­ne er­le­ben konn­ten und im Vor­trag von den Vor­tei­len der neu­en Di­men­si­on, die Buil­ding In­for­ma­ti­on Mo­de­ling für das Pla­nen und Bau­en der Zu­kunft bie­tet, über­zeugt wer­den konnten.

Und auch BOB – das Ba­lan­ce Of­fice Buil­ding – ver­weist auf die Tech­no­lo­gie­kom­pe­tenz die von der RWTH aus­ge­hend die Stadt ein­nimmt. Hier wird Nach­hal­tig­keit auf den Punkt ge­bracht und der Ver­such un­ter­nom­men, kli­ma­tech­ni­sche (Bü­ro-)Ge­bäu­de se­ri­en­reif zu machen.

Dass die Zu­kunft auch vor dem Han­del nicht Halt macht, kann mit Blick auf das in der Adal­bert­stra­ße „ge­lan­de­te“ Aquis Pla­za fest­ge­stellt wer­den. Ein­zel­han­del mit ge­lun­ge­ner Gas­tro­no­mie zieht ein ganz neu­es Pu­bli­kum an – und gibt so den Auf­schlag für ei­ne Wei­ter­ent­wick­lung der Fu­ß­gän­ger­zo­ne am un­te­ren En­de der City-Ost.

Zum Schluss wur­de dann das The­ma auf­ge­nom­men und dis­ku­tiert, dass der­zeit al­le at­trak­ti­ven Städ­te und nicht nur die Me­tro­po­len um­treibt: Schaf­fung von (be­zahl­ba­rem) Wohn­raum. Hier kann sich Aa­chen als wach­sen­de Stadt zu den Schwarm­städ­ten zäh­len, die nicht nur Stu­die­ren­de son­dern auch jun­ge Fa­mi­li­en an­zieht. Vor die­sem Hin­ter­grund stell­te Jens Krei­ter­ling, Vor­stand der Land­mar­ken AG, ein hin­sicht­lich des En­ga­ge­ments si­cher­lich ein­ma­li­ges Pro­jekt mit dem Quar­tier „Gu­ter Freund“ vor. Hier wird Stadt ge­schaf­fen und preis­ge­bun­de­ner bzw. preis­ge­dämpf­ter Wohn­raum weit über al­le Quo­ten hin­aus in ei­nem Um­fang von 70% be­zo­gen auf das ge­sam­te Pro­jekt zur Ver­fü­gung ge­stellt. Es geht auch um Ver­ant­wor­tung, die das Un­ter­neh­men bzw. der In­ves­tor durch nut­zer­ori­en­tier­tes und blei­ben­des Wir­ken für die Stadt um­set­zen will. In der an­schlie­ßen­den Run­de wur­de die­ser An­spruch der Städ­te, der deutsch­land­weit sehr un­ter­schied­lich aus­ge­prägt ist, dis­ku­tiert. Und eins wur­de deut­lich: Egal ob Aa­chen oder an­de­re Städ­te. Die Vor­aus­set­zung für den Bau be­zahl­ba­rer Woh­nun­gen sind die (feh­len­den) Flä­chen. Wenn be­reits hier die Preis­spi­ra­le an­setzt, sind den wil­li­gen In­ves­to­ren und Pro­jekt­ent­wick­lern be­reits im na­he­zu „to­ten“ Ka­pi­tal des Grund­stücks Fuß­fes­seln an­ge­legt, die ein En­ga­ge­ment na­he­zu un­mög­lich ma­chen. An die­ser Stel­le sind dann wie­der­um Stadt und Po­li­tik ge­fragt, da­mit Aa­chen für al­le at­trak­tiv bleibt!

Die Autorin
Bild: Heuer Dialog
Petra Höfels
Projektleiterin
Heuer Dialog