Deutschland als "Must-Invest-Economy"?

11.11.2013

  „The trend is your friend“: Ist Deutschland eine must-invest-economy?
Die sich verschärfende ökonomische Divergenz in Europa spiegelt sich zunehmend auch an den Immobilien-Investmentmärkten wider.
„Wir beobachten ein nachhaltiges Interesse ausländischer Investoren an größeren Objekt- oder Portfoliovolumina. Dies wird auch in den verbleibenden Wochen des Jahres anhalten“, so die Einschätzung von Dr. Frank Pörschke, CEO Germany, Jones Lang LaSalle GmbH im seinem Beitrag. 


Neben Großbritannien und Frankreich ist Deutschland seit vielen Jahren der wichtigste Markt für Gewerbeimmobilieninvestitionen in der EMEA-Region. Im Durchschnitt der Jahre 2007 bis 2012 lag das Transaktionsvolumen jährlich bei rund 25 Mrd. Euro. Der vielzitierte sichere Hafen und die Hinweise auf die stabilen finanziellen, politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen haben ohne Zweifel auch weiterhin ihre Berechtigung.

Die Nutzernachfrage hat sich zuletzt stabilisiert und der Investmentmarkt steuert sein zweitbestes Ergebnis aller Zeiten an. Im Gesamtjahr ist ein Investmentvolumen von rund 30 Mrd. Euro durchaus realistisch. Wir beobachten ein nachhaltiges Interesse ausländischer Investoren an größeren Objekt- oder Portfoliovolumina. Dies wird auch in den verbleibenden Wochen des Jahres anhalten. Der Investmentmarkt zeigt sich sehr rege und die aktuell noch fehlenden großvolumigen Transaktionen sollten bis Jahresende realisiert werden können. Zumindest befinden sich zahlreiche auch sehr große Transaktionen in Vorbereitung oder stehen kurz vor Abschluss. Eine noch größere Dynamik am deutschen Investmentmarkt verhindert vor allem der Mangel an guten Investmentprodukten. Auch wenn das Fertigstellungsvolumen neuer Büroimmobilien in den sieben wichtigsten Metropolen (BIG 7) wieder ansteigt.

In den BIG 7 rechnen wir im Gesamtjahr mit einem Transaktionsvolumen von rund 16 Mrd. Euro. Die Relation zwischen dem Investmentvolumen der BIG 7 und denjenigen außerhalb dieser etablierten Märkte ist stabil. Nach wie vor fließen rund 60 Prozent des investierten Kapitals in eine der Immobilienhochburgen. Andere Städte werden vor allem dann erwogen, wenn es um Einzelhandelsimmobilien geht. Nach wie vor entfällt der höchste Anteil des Transaktionsvolumens mit über 40 Prozent auf Büroimmobilien, gefolgt von Einzelhandelsimmobilien mit knapp 30 Prozent. Lager- und Logistikimmobilien kommen auf rund 10 Prozent.

Der Transaktionsanteil ausländischer Investoren liegt nach Ablauf der ersten drei Quartale bei rund 35 Prozent und beläuft sich auf etwa 6,7 Mrd. Euro. Besonders Investoren aus Großbritannien und den USA betätigen sich als aktive Käufer. Das Interesse aus dem Ausland ist ungebrochen und nachhaltig. Wir haben nach der Finanzkrise gesehen, dass sich der Horizont vieler Investoren verengt hatte. Viele Länder sind als mögliche Ziele weggefallen. In Europa sind Deutschland und wenige weitere Kernmärkte verblieben. Verstärkt wird dieser Trend durch die anhaltend hohe Risikoaversion, auch wenn die strengen Kriterien und hohen Ansprüche in Hinblick auf Lage, Qualität und Mieter langsam aufweichen.

Bei den Spitzenrenditen sehen wir stabile Werte oder sogar eine leichte Bewegung nach unten. Im Bürobereich liegen sie in der Aggregation der BIG 7 derzeit bei durchschnittlich 4,73 Prozent. Shopping Center beziffern wir mit 4,75 Prozent, Fachmarktzentren mit 5,75 Prozent, alleinstehende Fachmärkte mit 6,25 Prozent. Logistikimmobilien liegen bei durchschnittlich 6,56 Prozent. Bis zum Jahresende ist aus unserer Sicht kaum mit Veränderungen zu rechnen.

Insgesamt passt die Entwicklung in Deutschland damit zur Situation auf den globalen Investmentmärkten für Gewerbeimmobilien. Weltweit wurden nach unseren Berechnungen in den ersten drei Quartalen des Jahres etwa 271 Mrd. Euro investiert, davon rund 91 Mrd. Euro in der EMEA-Region. Erstmals seit sechs Jahren erwarten wir für das Gesamtjahr ein Volumen von bis zu 370 Mrd. Euro. In Europa sind die Transaktionsvolumina im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal um fast ein Drittel gestiegen. Neben Großbritannien und Frankreich ist Deutschland einmal mehr der Haupttreiber dieser positiven Entwicklung. Die Stellung als „Must-Invest-Economy“ bleibt also bis auf weiteres erhalten und stützt die hohe Bedeutung der Immobilienbranche für den Wirtschaftsstandort Deutschland.


Der Autor Dr. Frank Pörschke ist CEO Germany bei der Jones Lang LaSalle GmbH und wird als Referent beim VIII. European Real Estate Forum am 19. November in Frankfurt am Main einen Vortrag zum Thema "Was spricht für Investitionen in Deutschland?" halten.


Konferenz

VIII. European Real Estate Forum

im Rahmen der 16. EURO FINANCE WEEK

Mit den Chancen und Risiken auf Augenhöhe - Mit jeder Krise wächst auch das Sicherheitsbewusstsein. Insbesondere die internationalen Kapitalmärkte haben daher das Betongold wieder für sich entdeckt. Private-Equity-Investoren, Pensionsfonds und Versicherungen suchen nach Opportunitäten – und dabei steht Deutschland ganz oben auf der Einkaufsliste. Aber warum ist Deutschland die „must-invest-economy“? Und wie lange noch? Was spricht für andere Länder? mehr
Termin: 19.11.2013, Frankfurt am Main

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