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Aktuelle Trends und Entwicklungen im Einzelhandel und Deutschlands Position in EuropaFast scheint es, als sei der deutsche Markt für Einzelhandelsimmobilien ein Hort der Glückseligen. Während die Investitionen in deutsche Bürogebäude um fast 60 Prozent einbrachen, fiel der Rückgang des Transaktionsvolumens bei Einzelhandelsflächen mit neun Prozent vergleichsweise moderat aus. Wie geht es im Einzelhandel und den Einzelhandelsimmobilien weiter? Erreicht die Konsumentenzurückhaltung auch die Investoren? Zum Jahreswechsel 2007/2008 hatte es in Deutschland noch so gut ausgesehen: bei steigender Beschäftigung und zunehmenden Einkommen waren die Erwartungen für das Einzelhandelsjahr allgemein relativ positiv. Gut ein halbes Jahr später ist nun Ernüchterung eingekehrt: im Kontext der Finanzkrise hat sich das Wirtschaftswachstum stark verlangsamt. Zwar nimmt die Beschäftigung immer noch zu, allerdings werden die steigenden Einkommen von der – mit deutlich über 3 % höchsten Inflationsrate seit 15 Jahren – weitgehend aufgefressen. Die höheren Preise, die Finanzmarktkrise und verlangsamte Wirtschaftsentwicklung haben ihre Spuren in der Konsumstimmung der Verbraucher hinterlassen. Dementsprechend trüb ist die Stimmung im deutschen Einzelhandel, Kassandrarufe über noch schlechtere Geschäfte waren schon allerorts zu hören. Doch sind die Sorgen berechtigt? Immerhin ist ja Jammern – zumal im Handel – bekanntermaßen die Lieblingsdisziplin der Deutschen. Ein Blick ins europäische Umland zeigt durchaus Anlass zur Bescheidenheit, aber auch nach wie vor für Zuversicht. Denn Deutschland ist mit 82 Mio. Konsumenten allein schon durch sein Umsatzvolumen in Euro weiterhin der größte europäische Einzelmarkt.Kaufkraftniveau im Europavergleich Nach unseren aktuellen Berechnungen zur GfK Kaufkraft in Europa stehen den europäischen Verbrauchern für das Jahr 2008 aus dem Haushalts-Nettoeinkommen ca. 8 Billionen Euro für Konsumausgaben zur Verfügung. Staatliche Leistungen wie Arbeitslosengeld, Kindergeld oder Renten sind hier inbegriffen. Dies entspricht einer Kaufkraft beziehungsweise einem verfügbaren Einkommen von rund 12.500 Euro je Einwohner im Durchschnitt der 41 Studienländer. Die Spanne reicht aber von knapp 800 Euro je Einwohner in Moldawien bis zum gut 50-fachen in Liechtenstein (rund 44.900 Euro je Einwohner). In den Top 10 sind Island und Großbritannien im Vorjahresvergleich die Absteiger: Island lag 2007 noch auf Rang 4, in 2008 erreicht es nur noch Rang 7. Großbritannien fiel sogar ganz aus den Top 10 – von Rang 8 im Vorjahr auf Rang 11.Die Veränderungen bei Großbritannien und Island sind allerdings maßgeblich währungsbedingt. Dieses Phänomen überlagert eventuelle andere Effekte. Der Anstieg Norwegens um einen Platz ist u. a. ausgelöst durch den Abstieg von Großbritannien, wird aber zudem verstärkt durch Währungsdifferenzen. Da die GfK Kaufkraft in Euro auswiesen wird, bedeutet also eine sinkende Kaufkraft (in Euro) nicht unbedingt, dass die Einwohner im Land tatsächlich „ärmer“ werden. Deutschland klettert um einen Rang nach oben in die Top 10. Weiter in der Rangfolge nach oben geklettert sind auch die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Einzelhandels-Umsatzwachstum in Europa Eine andere aktuelle Berechnung von GfK GeoMarketing zeigt, wie viel stärker der aktuelle Wachstumstrend des Einzelhandels in Zentral- und Osteuropa ist als in Westeuropa. Besonders die baltischen Staaten, aber auch die Türkei weisen Wachstumsraten von über 22 Prozent auf. ![]() Doch auch vergleichsweise gut erschlossene Märkte wie beispielsweise Norwegen, Schweden, Irland oder Spanien liegen über dem durchschnittlichen Wachstum von 5,3 Prozent und damit weit vor Deutschland. Im Zweifelsfall spart der deutsche Konsument Im Gefolge der derzeitigen Preissteigerungen in vielen Lebensbereichen kann es nicht verwundern, dass sich die Einzelhandelsumsätze in Deutschland nur schwach entwickeln. Nach den Zahlen der amtlichen Statistik ergibt sich für das erste Halbjahr 2008 zwar noch ein nominales Plus von gut 1 %, abzüglich der Preissteigerungsrate entspricht dies jedoch einem realen Minus von über 1 %. Es überrascht insofern nicht, dass in den Sommermonaten die Hiobsbotschaften der Insolvenzen namhafter Einzelhandels-Player wie Hertie, Wehmeyer oder SinnLeffers die Runde machten. Auf der anderen Seite kommen aber – trotz der allgemeinen derzeitigen Flaute – ausländische Anbieter, wie z.B. Primark oder TK Maxx, neu auf den Markt. Ein Beleg dafür, wie attraktiv der deutsche Einzelhandelsmarkt dank seiner Größe von rd. 82 Mio. Konsumenten nach wie vor ist. Aus Sicht unserer Einzelhandelserfahrung im Bereich Real Estate Consulting bietet der deutsche Markt durchaus weiterhin attraktive regionale und inhaltliche Nischen und gute Wachstumspotenziale, wenn auch natürlich auf einem langsameren Level als ungesättigte Märkte wie etwa die baltischen Staaten. In der Summe haben Unternehmen, die sich im Vorfeld von Neuplanungen durch qualifizierte Chancen- und Risiken-Analysen im jeweiligen regionalen Markt und durch nachhaltige Planungen absichern, weiterhin auch in Deutschland gute Chancen auf wirtschaftlichen Erfolg. Olaf Petersen, Leiter Real Estate Consulting bei GfK GeoMarketing
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Zum Jahreswechsel 2007/2008 hatte es in Deutschland noch so gut ausgesehen: bei steigender Beschäftigung und zunehmenden Einkommen waren die Erwartungen für das Einzelhandelsjahr allgemein relativ positiv. Gut ein halbes Jahr später ist nun Ernüchterung eingekehrt: im Kontext der Finanzkrise hat sich das Wirtschaftswachstum stark verlangsamt. Zwar nimmt die Beschäftigung immer noch zu, allerdings werden die steigenden Einkommen von der – mit deutlich über 3 % höchsten Inflationsrate seit 15 Jahren – weitgehend aufgefressen. Die höheren Preise, die Finanzmarktkrise und verlangsamte Wirtschaftsentwicklung haben ihre Spuren in der Konsumstimmung der Verbraucher hinterlassen. Dementsprechend trüb ist die Stimmung im deutschen Einzelhandel, Kassandrarufe über noch schlechtere Geschäfte waren schon allerorts zu hören. Doch sind die Sorgen berechtigt? Immerhin ist ja Jammern – zumal im Handel – bekanntermaßen die Lieblingsdisziplin der Deutschen. Ein Blick ins europäische Umland zeigt durchaus Anlass zur Bescheidenheit, aber auch nach wie vor für Zuversicht. Denn Deutschland ist mit 82 Mio. Konsumenten allein schon durch sein Umsatzvolumen in Euro weiterhin der größte europäische Einzelmarkt.
In den Top 10 sind Island und Großbritannien im Vorjahresvergleich die Absteiger: Island lag 2007 noch auf Rang 4, in 2008 erreicht es nur noch Rang 7. Großbritannien fiel sogar ganz aus den Top 10 – von Rang 8 im Vorjahr auf Rang 11.
