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Networking ArchitectsVera Kiltz, Primavera Publics
Ingenieure – und damit auch die Architekten – rangieren in der Allensbacher Berufsprestige-Skala im oberen Mittelfeld. Das gute Ansehen spiegelt sich bei den meisten jedoch nicht in ihrer Einkommenssituation wider. Der Grund: die hohe Architektendichte im Land. Wer im Wettbewerb bestehen will, muss mehr als nur gute Pläne erstellen können, meint Vera Kiltz, selbst Diplom-Ingenieurin der Architektur mit dem Master of Science in Architecture und einst Projektleiterin bei der Bernd Heuer Dialog GmbH. Wer nicht auf ein unmoralisches Angebot à la Hollywood warten will, erfährt in diesem INSIGHT-Beitrag, warum Kooperationen und aktives Networking für Architekten und die Immobilienwirtschaft gleichermaßen erfolgversprechend sind.
Hollywood hat die miserable Einkommenssituation der Architekten bereits vor Jahren thematisiert: Als Robert Redford "ein unmoralisches Angebot" im gleichnamigen Film machte, bot er eine Millionen Dollar für eine Nacht mit der attraktiven Demi Moore. Als Ehefrau eines Architekten in höchsten Geldnöten akzeptierte sie das Angebot, und das Unglück nahm seinen Lauf.
Während die Geldsorgen des Filmarchitekten gleich mit der Ehefrau verschwinden, lässt sich die reale Einkommenssituation der Architekten nicht mit einem "unmoralischen Angebot" verbessern. Denn dazu bräuchten wir allein in Deutschland 97.000 Robert Redfords.
Wettbewerb
Einer von Tausend Bundesbürgern ist Architekt – kein Land der Welt hat eine so hohe Architektendichte aufzuweisen. Der Wettbewerb ist groß und die Aufträge sind knapp. Lediglich acht Prozent der Architekturbüros beschäftigen mehr als zehn Mitarbeiter. Zum Vergleich: Fast sechzig Prozent der Büros haben nicht mehr als drei Mitarbeiter.
Umso mehr verwundert es, dass die Architekten sich die Netzwerke der Immobilienwirtschaft nicht stärker zunutze machen. Bisher haben nur wenige die lukrativen Betätigungsfelder in der Real Estate Industry für sich entdeckt.
Architekten in der Immobilienwirtschaft
Ein erstes Zeichen der Annäherung setzt die Bundesarchitektenkammer, die im vergangenen Jahr erstmalig auf der Expo Real vertreten war. Der Auftritt der Architekten auf Deutschlands wichtigster Immobilienmesse war ein voller Erfolg. In diesem Jahr beteiligen sich gleich zehn Länderkammern an dem Expo-Stand.
Von den Besuchern der Expo zählen bisher lediglich acht Prozent zur Architektenschaft. Auch bei immobilienwirtschaftlichen Kongressen sind nur wenige Architekten zu finden: bei den Bernd Heuer Dialogen liegt die Quote ebenfalls bei acht Prozent.
Mit gutem Beispiel voran
Zu den wenigen Architekten, die immobiliewirtschaftliche Veranstaltungen für ihr Business nutzen, zählt Kai-Uwe Lompa, Geschäftsführer, aIB Agiplan integrale Bauplanung GmbH. "Beim Standort-Dialog Duisburg haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Wir haben zum einen die bekannten Kontakte zur Stadt festigen können, haben aber auch neue Kontakte zu Investoren geknüpft.“
Wenn Kai-Uwe Lompa heute spezielle Fachleute sucht, können er und seine Kollegen auf eine Reihe von Ansprechpartnern aus dem Referenten- und Teilnehmerkreis zurückgreifen. Auch wenn ein einzelner Veranstaltungsbesuch nicht unmittelbar in einem Direktauftrag mündet, so sind mit einer Reihe von Folgeterminen die ersten Weichen gestellt. Bei der Expo Real ist die aIB Agiplan integrale Bauplanung GmbH seit vielen Jahren Partner der Stadt Duisburg. In diesem Jahr wird das Büro zum ersten Mal eine Experten-Diskussion initiieren, die dann im vierteljährlichen Rhythmus in Duisburg fortgesetzt werden soll. So können die Architekten nicht nur Präsenz im lokalen Netzwerk zeigen, sondern auch konkrete Themen mit ihrer Kompetenz besetzen.
Partner auf Augenhöhe
Der Architekt von morgen muss Managementkompetenzen besitzen und die Fähigkeit zur Kooperation - auch außerhalb der planenden Berufe. Im Dialog mit den unterschiedlichen Disziplinen der Immobilienwirtschaft lernen die Architekten die Sichtweise und Argumente ihrer Auftraggeber und Geschäftspartner en Detail kennen. So können sie auf Augenhöhe kommunizieren und sich als Dienstleister für die individuellen Bedürfnisse Ihres Gegenübers positionieren.
Abgesehen von den wenigen großen Architekturbüros, die eine Vielzahl von Aufgaben abdecken können, besteht die Chance der kleinen und mittleren Büros in einem genau definierten Profil. In der Spezialisierung liegt die Zukunft. Je nach Expertise können das einzelne Wachstumsbranchen wie die Gesundheitswirtschaft und die Logistik oder aber ausgewählte Nischen wie PPP im Schulbau oder altersgerechte Wohnraumanpassung sein. Der Erfolg am Markt steht und fällt mit einem Netzwerk von hochkarätigen Kontakten. Denn nur wer die maßgeblichen Investoren, Entwickler, Finanzierer, Betreiber und Nutzer einer Branche persönlich kennt, hat die wichtigste Voraussetzung für den nächsten Auftrag bereits in der Tasche. Dass der Architekt gestalterisch und wirtschaftlich attraktive Räume planen kann, versteht sich von selbst.
Berufsbild
Zu guter Letzt noch eine Nachricht aus dem Land des großen Kinos: Der Spielzeughersteller Mattel hat kleine und große Barbie-Fans befragt: rund 70 Prozent votierten für Barbies Traumberuf - Architektin! Übrigens hat sich die Architektin Barbie bereits spezialisiert. Sie entwirft Traumschlösser für ihresgleichen. Kontakte werden beim Pferderennen und beim Coiffeur gepflegt. Networking zahlt sich eben aus.
Die Autorin war gut zweieinhalb Jahre als Projektleiterin bei der Bernd Heuer Dialog GmbH und widmet sich nun dem Aufbau ihres eignen Unternehmens Primavera Publics in Köln. Vera Kiltz berät Architekten bei der Spezialisierung und Positionierung in der Immobilienwirtschaft und entwickelt strategische Marketingkonzepte für Immobilien und Quartiere.
Primavera Publics Strategien für Immobilien und Unternehmen Dipl.-Ing. Vera Kiltz MSc Mauritiussteinweg 74, 50676 Köln T / F +49 (0)221 8015 8800 M +49 (0)178 638 29 24 E kiltz@primavera-publics.com I http://www.primavera-publics.com
| Autor: Vera Kiltz, Primavera Publics |
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