Heuer Dialog

Tief im Westen: Die Route der Wohnkultur –
Ein Projekt der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010


Lars Niemann
Projektautor der
"Route der Wohnkultur"

 „Du bist keine Schönheit, vor Arbeit ganz grau, du liebst dich ohne Schminke, bist `ne ehrliche Haut, leider total verbaut, aber grade das macht dich aus.“ Verbaut einerseits, da hat Grönemeyer Recht, aber andererseits vielfältig, widersprüchlich und eigen – das ist Wohnkultur im Ruhrgebiet. Von der Fabrikantenvilla zur Gartenlaube, vom Gründerzeitviertel zum gemeinschaftlichen Wohnprojekt, von der Hochhaussiedlung der 1970er Jahre zum Fachwerkhaus im alten Dorfkern – all dies sind Beispiele, welche die Route der Wohnkultur zeigen wird. Stadtplaner Lars Niemann ist deren Projektautor und erläutert in INSIGHT das Konzept.

Tradition, Überformung und Innovation

Im Jahr 2010 werden sich Besucher der Europäischen Kulturhauptstadt RUHR.2010 auf die Reise ins Ruhrgebiet aufmachen, um eine Vielzahl an kulturellen Highlights in großem und kleinem Maßstab zu erleben. Viele werden dabei mit einer bestimmten Vorstellung über die Region von zu Hause aufbrechen, und viele werden überrascht sein, mit einem anderen Bild im Kopf zurückzukehren. Denn das Ruhrgebiet unterliegt seit Jahrzehnten einem Wandel, welcher die Lebenskultur nachhaltig prägt. Es entsteht dabei eine spannende Mischung aus Tradition, Überformung und Innovation, welche sich räumlich und sozial abbildet und im Jahr 2010 in kultureller Hinsicht durch die Europäische Kulturhauptstadt besonders herausgestellt wird.

Die „Route der Wohnkultur“…


…ist ein Projekt, welches den elementarsten Bestandteil der Lebensumwelt thematisiert: Das Wohnen. Das Vorhaben gibt authentische Einblicke in 150 Jahre Wohngeschichten und bietet Ausblicke in die Zukunft des Wohnens der Region. Neben dem baulichen Kontext geht es dabei vor allem um die Geschichten der Bewohner.

Von der Fabrikantenvilla zur Gartenlaube, vom Gründerzeitviertel zum gemeinschaftlichen Wohnprojekt, von der Hochhaussiedlung der 1970er Jahre zum Fachwerkhaus im alten Dorfkern – all dies sind Beispiele einer Wohnkultur, die so vielfältig, widersprüchlich und eigen ist, wie das Ruhrgebiet selbst. Doch es gibt bisher kaum öffentlichkeitswirksame Darstellungen, Informationen oder Nachrichten zum Wohnen im Ruhrgebiet. Die „Route der Wohnkultur“ will deshalb Bewohnern und Besuchern der Region das alltäglichste Thema mit all seinen Eigenheiten und Facetten vermitteln. Die durch geführte Touren und durch eigene Reisen erfahrbaren Projekte stellen einen Querschnitt durch Zeit und Raum dar.

1 Idee, 60 Standorte, 4 Themen

Doch wie kann das Thema der Wohnkultur in einer Region wie dem Ruhrgebiet vermittelt werden, das sich über 80 Kilometer in Ost-Westausdehnung erstreckt und bei über drei Millionen Einwohnern über mehr als eine Million Wohnungen verfügt?
Die Idee des Projektes ist so einfach wie aufregend: Die „Route der Wohnkultur“ präsentiert rund 60 Standorte zwischen Duisburg und Hamm, die repräsentativ für mindestens eins von vier ruhrgebietstypischen Wohnthemen steht: Siedlung, Urbanität, Geschichte und Moderne oder Demografie.

Siedlung: Das Ruhrgebiet ist wie kaum eine andere Stadtregion von Siedlungen geprägt. Anhand der unterschiedlichen Typen lässt sich die Geschichte des Wohnens in der Region nachzeichnen. Und auch in der Zukunft wird die Siedlung einen wichtigen Stellenwert für Konzepte des Wohnens einnehmen.

Urbanität: Neben seinen landschaftlich geprägten Teilen besteht das Ruhrgebiet auch aus urbanen Stadtkernen, die wegweisende urbane Wohnformen hervorgebracht haben. Im Zuge einer Neuaufstellung der Innenstädte werden diese Zonen wieder interessant als Standorte für neue attraktive Wohnformen.

Geschichte & Moderne: Die Wohnformen des Ruhrgebietes haben sich gewandelt, dabei wurden heutige historische Substanzen erhalten und mit modernen Elementen gemischt: in alten Fabriken entstehen moderne Wohnungen, denkmalgeschützte Häuser werden behutsam modernisiert oder neue zukunftsweisende, zum Teil experimentelle Wohnformen werden entwickelt.

Demografie: Als traditionelle Einwanderer-Region liefert das Ruhrgebiet Beispiele eines Miteinanders unterschiedlicher Kulturen. Gleichzeitig muss mit einer geringer werdenden Bewohnerschaft, mit zahlreichen alten Menschen und mit Leerständen im Wohnungsbau umgegangen werden: Möglichkeiten für die Entwicklung zahlreicher unterschiedlicher und neuer Wohnformen.

Der "Tag der Wohnkultur": 19. September 2010

Diese Themen lassen sich orientiert an einer Stadt mit lokalem Bezug in Touren erleben oder in Themenrouten über die gesamte Region verknüpfen. Am "Tag der Wohnkultur", dem 19. September 2010, öffnen Bewohner aller teilnehmenden Projekte ihre Wohnungstüren für Besucher. Alle notwendigen Informationen zur Route der Wohnkultur werden in der WohnkulturBox handlich zusammengefasst. Sie enthält: Informationen zum Projekt, Kurzbeschreibungen ausgewählter Highlights,  Führungs- und Tourenangebote und eine regionale Übersichtskarte.


 

Informationen und Projektpartner

www.routederwohnkultur.de

Zur Route der Wohnkultur gibt es einen ausführlichen Katalog der die Projekte vorstellt und sich in Aufsätzen mit dem Wohnen in der Metropole Ruhr beschäftigt.
Erscheinungsdatum: April 2010, 250 Seiten
Klartext Verlag, ISBN 978-3-8375-0328-9, ca. 25 Euro

Projektpartner Route der Wohnkultur: Büro STADTIDEE (Projektautor), Landesinitiative StadtBauKultur NRW, Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes NRW, Arbeitskreis der Denkmalpfleger im Ruhrgebiet, Architektenkammer NRW, Kommunen der Metropole Ruhr, THS Wohnen GmbH, Kooperation kommunaler Wohnungsunternehmen im Ruhrgebiet „WIR – Wohnen im Revier“

Projektförderer: RUHR.2010 GmbH, Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes NRW, NRW.BANK, LWL-Kulturstiftung, Nationale Stadtentwicklungspolitik, Arbeitsgemeinschaft der gemeinnützigen Wohnungsunternehmen in Oberhausen, Städte Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Hattingen

Hauptprojektsponsor der Route der Wohnkultur von RUHR.2010: ista International GmbH


Autor:
Lars Niemann, Stadtplaner, Dipl.-Ing. Stadt- und Regionalplanung, Mitgründer und Geschäftsführender Partner im Büro STADTIDEE, Dortmund, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Städtebau, Stadtgestaltung und Bauleitplanung der Fakultät Raumplanung an der TU Dortmund, Projektmanager und entwerfender Berater. Projektautor der „Route der Wohnkultur“.

 


Veranstaltungshinweis:

 

Im Jahr der RUHR.2010 möchten wir Sie zum Wohn-Dialog "Die Metropole Ruhr als Route der Stadt- und Wohnkultur" Adieu Tristesse. Bonjour Vitesse! am 20. Mai 2010 in Essen einladen, das Ruhrgebiet als Route der Stadt- und Wohnkultur kennen zu lernen. Das Ruhrgebiet präsentiert sich als vielfältiger Standort für hochwertiges, citynahes, familiäres und luxuriöses Wohnen. Als eine Metropolregion mit Standorten und Portfolios, die sich städtebaulich und qualitativ weiterentwickeln lassen sowie Investoren und Projektentwicklern sehr gute Chancen bieten.

Mehr Information und Anmeldung unter http://www.heuer-dialog.de/events/n10262

 


Autor: Lars Niemann, STADTIDEE Raum.Objekt.Prozess

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