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München – Stadt im Fluss: Entwicklungs- und Innovationspotenziale der Isar-Metropole, ihrer Architektur und ihrer Architekten
Alt versus neu – was bleibt und was verschwindet? München ist extremen Immobiliengelüsten ausgesetzt. Dennoch haben Städtebauer und Architekten dort an vielen bemerkenswerten Projekten gezeigt, dass qualitätsvolle Stadtentwicklung machbar ist. Publizist und Autor Jan Esche stellt sie vor, die Erbauer des Münchener Erfolgs, die gegenwärtigen, die ‚alten’ Architekten; aber er hat auch die nächste Generation im Blick, die ‚neuen’ Architekten, die Münchens Zukunft bauen. Sie alle präsentieren sich in seinem Buch „Next München“ einer breiten Öffentlichkeit. Für INSIGHT fasst Esche daraus die Entwicklungs- und Innovationspotenziale der Isar-Metropole, ihrer Architektur und ihrer Architekten zusammen.
München und seine Architektur: Was bleibt, was wird anders – und wie wird das Andere, das Neue?
Soll sich Münchens Architektur wandeln und wenn ja, wie und warum? Von Außenstehenden wurde München seit den späten sechziger Jahren wegen seiner fortschrittlichen, differenzierten und offenen Diskussionskultur immer bewundert. Kaum eine Großstadt kann in den vergangenen 40 Jahren auf so brillante Oberbürgermeister und angesehene Fachamtsleiter zurückblicken wie die bayerische Hauptstadt. Insofern ist es kleinmütig, andere Städte in puncto Architektur pauschal als fortschrittlicher, mutiger oder innovativer zur Nachahmung zu empfehlen.
Münchens Architektur ist auf ihre Art hoch attraktiv.
Die Stadt, die extremen Immobiliengelüsten ausgesetzt ist, hat in den vergangenen Jahren viele qualitätsvolle architektonische Entwicklungen hervorgebracht, die in dieser Art nur ihr gelungen sind.
Einige Beispiele:
- die vielschichtigen Neubauten auf der Schwanthaler Höhe und in Riem aufgrund der Verlagerung der Messe,
- die niveauvollen Neubauten zwischen Hauptbahnhof und Pasing im Zuge der Bahnflächenbebauung,
- die Anlage großer Parks nach dem Krieg,
- die Errichtung mehrerer großartiger Museen
- und endlich eine architektonisch sehr spannende Bebauung des Marstallplatzes, des St.-Jakobs-Platzes und des Alten Hofs.
Diese Projekte knüpfen an das an, was Münchner Städtebauer und Architekten schon immer ausgezeichnet hat: Maßstäblichkeit, Angemessenheit in Dimension und Formfindung, geistvolle Verbindung von Altem und Neuem. Die besondere Qualität, Altes und Neues zusammenzufügen, hat seit Kriegsende die besten Architekten dieses Spektrums in München konzentriert. Deren Ausstrahlung reicht weit über Bayern hinaus.
Die Liste namhafter Architekten ist lang. Ackermann, Kurt und Partner, Auer und Weber, Fink und Jocher oder Allmann Sattler Wappner Architekten, Braunfels Architekten, Henn Architekten, Hild und K Architekten, Hillmer und Sattler, Otto Steidle und Partner Architekten, Goetz und Hootz, Uwe Kiessler und Partner, Lauber Architekten: nur um einige der gegenwärtigen zu nennen.
Doch wer sind die „Unbekannten“, die „Nachkommenden“, die „40ies“? Münchens „junge“ Architekten profitieren vom Erfahrungsschatz der „Alten“. Sie definieren und entwickeln die ästhetische Gestalt der gebauten Umwelt in Kenntnis der Tradition immer wieder neu. Eine ihrer wesentlichen Stärken besteht neben der Kreativität in ihrer Flexibilität. Ihre Kompetenzen liegen in der Fähigkeit, auf die Vielzahl der disparaten unabsehbaren Situationen, Pflichten, Chancen und Möglichkeiten einzugehen – und dies mit einer soliden Substanz; sowohl als Treuhänder des Bauherren wie des Nutzers und des Prozesses, als Teamleiter ebenso wie als Netzwerker. Erstmalig haben sich nun in dieser Form einerseits etablierte und publizierte Architekten, andererseits auch die einer breiteren Öffentlichkeit noch unbekannten Arbeitenden – insgesamt 57 Architekten – vorgestellt. So sind beispielsweise bekannte Büros wie bogevischs buero, Fischer Architekten, Muck Petzet Architekten, Yes Architecture genauso vertreten wie die noch weniger bekannten Aigner Architects, Blauwerk, Brückner Architekten, Hess Thalhof Architekten und Stadtplaner, Jatsch Laux Architekten, Palais Mai, studio lot, tools of. Architecture, T. Unterlandstättner M. Schmöller Architekten.
Architekturqualität als Erfolgsfaktor
Angesichts von Architekturqualität als Erfolgsfaktor wird auf dem Markt zunehmend Klasse statt Masse und Qualität statt Quantität bestimmend. Gefragt sind Objektqualitäten – Funktion und Konstruktion eines Gebäudes, städtebauliche Integration sowie Berücksichtigung ökonomischer und ökologischer Aspekte. Gefragt sind aber auch die Qualifikation, die Authentizität und die Seriosität des Architekten und last not least: seine Bereitschaft zur ästhetischen Gestaltung der Bauqualität. Damit verbunden sind hohe Anforderungen an die Ausführung einer Bauaufgabe und damit an die Prozessqualität. Hohe Qualität und inhaltliche Vielschichtigkeit in Architektur, Städtebau, Denkmalschutz, Design und Kunst zeichnet die Arbeiten dieser „40ies“ aus. Indem sie unsere Umwelt vielschichtig verstehen, bauen sie Kultur. Sie prägen noch kein Bild eines „Neuen Münchens“; aber sie sind das Potenzial der bayerischen Landeshauptstadt – als Innovationsstandort auch in der Architektur.
Dr. phil. Jan Esche
NEXT München – 40+ Architekten um 40 Mit Beiträgen von Oliver Heiss, Markus Julian Mayer, Elisabeth Merk, Jochen Paul, Muck Petzet, Hannes Rössler und Michael Ziller, 256 Seiten, ca. 590 Abbildungen, 19,5 x 25 cm. Herausgeber: Christine Bernard, Jan Esche Ea Edition Architektur, München 2007, ISBN 978-3-00-022822-3, 19,80 EUR.
600.000 m2 Bürofläche in Neubauprojekten sollen in den kommenden Jahren in München entstehen – auch und vor allem außerhalb der Innenstadt. Beim Standort-Dialog Büromarkt München am 17. Juni 2008 stehen u.a. diese Projekte im Fokus: die Nymphenburger Höfe, der Agfa-Park in Giesing und The Seven Heaven auf dem Gelände des ehemaligen Heizkraftwerkes.
Mehr Information unter: http://www.heuer-dialog.de/events/n10093
| Autor: Dr. phil. Jan Esche, am Architekturmarketing Dr. Esche |
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