Heuer Dialog

Kirchturmdenken oder nachfrageorientierte Gewerbeflächenpolitik? –
Warum Gewerbeflächenpools Kommunen und Unternehmen nach vorne bringen

Städte und Gemeinden sind auf die Ansiedlung von Unternehmen angewiesen, um im Wettbewerb der Regionen nicht unterzugehen. Die Unternehmen stellen heute allerdings hohe Ansprüche. Kreativität und Initiative ist also gefragt, wenn die Kommunen ihre Flächen erfolgreich vermarkten wollen. Kai Kröger, Dipl.-Ing. Raumplaner und Projektmanager bei Bernd Heuer Dialog, entwickelte in seiner Diplomarbeit Handlungsstrategien für interkommunale Kooperationen, die mit Gewerbeflächenpools nachfrageorientierte und erfolgreiche Gewerbeflächenpolitik in Aussicht stellen. Für INSIGHT hat er die wichtigsten Thesen zusammengefasst.

In der Regel orientiert sich eine Stadt oder Gemeinde an ihren administrativen Grenzen – daran werden Gewerbesteuereinnahmen, Erlöse aus Flächenverkäufen und nicht zuletzt der Erfolg oder Misserfolg der lokalen Wirtschaftspolitik gemessen.

Unternehmen orientieren sich aber an ihren eigenen Aktionsradien – und die haben meist mit den Stadtgrenzen nur sehr wenig gemein. Eine durch administrative Grenzen eingeschränkte Gewerbeflächenpolitik auf lokaler Ebene hat also nur geringe Chancen, die wirklichen Anforderungen von Investoren und Nutzern zu erfüllen.

Wie Städte und Gemeinden über den Ansatz interkommunaler Gewerbeflächenpools ihre Konkurrenz überwinden und nachfragegerechte Gewerbeflächen entwickeln können, zeigt Kai Kröger in seiner Diplomarbeit mit dem Titel

„Ein Gewerbeflächenpool im Bergischen Städtedreieck
Remscheid-Solingen-Wuppertal:
Handlungsempfehlungen zur Umsetzung“.


Die Diplomarbeit
bietet umsetzungsorientierte Antworten auf folgende Fragen:

  • Wie trägt ein interkommunaler Gewerbeflächenpool zur Lösung der Herausforderungen in der kommunalen Gewerbeflächenpolitik bei?
  • Wie ist dieses relativ neue, noch wenig erprobte Instrument aufgebaut, wie funktioniert es und welche Akteure sind dabei von Bedeutung?
  • Welche Handlungsmöglichkeiten zur Umsetzung gibt es?

Der Autor Kai Kröger studierte Raumplanung in Dortmund und Liverpool und ist seit März 2007 Projektmanager bei Bernd Heuer Dialog GmbH. Den INSIGHT-Lesern stellt er hier die wichtigsten Ergebnisse vor. Weiterführende Informationen bietet ein Abstract der Arbeit, das am Ende dieses Artikels zum Download bereitgestellt ist.

Warum interkommunale Gewerbeflächenpools notwendig sind


Einzelne Kommunen bilden einen zu kleinen räumlichen Maßstab. Daher müssen Lösungen bei der Zusammenarbeit der Kommunen ansetzen. Interkommunale Gewerbegebiete sind in diesem Zusammenhang hinreichend bekannt. Sie stellen jedoch nur eine Einzelfalllösung dar, die im jeweiligen Anwendungsfall ihre Berechtigung hat, aber für eine langfristige Lösung zu kurz greifen.

Die kommunale Gewerbepolitik steht heute vor vielen neuen Herausforderungen.

  • Vergrößerte Radien bei der Standortsuche von Unternehmen: Im Wettbewerb der Regionen haben Kommunen als Einzelkämpfer keine Chance.
  • Gestiegene Standortanforderungen: Große, ebene Flächen und eine gute Verkehrsanbindung sind zum Pflichtfaktor für Ansiedlungen geworden.
  • Besondere Hindernisse: Schwierige Topographie, andere Raumnutzungen und rechtliche Restriktionen schränken die Entwicklung nachfragegerechter Gewerbeflächen ein.
  • Kommunale Ausstattung: Nachfragegerechte Entwicklung, Verwaltung und Vermarktung von Gewerbeflächen scheitert in vielen Kommunen an fehlenden personellen und finanziellen Ressourcen.

 

Wie interkommunale Zusammenarbeit abläuft und was sie den Städten bringt

Relativ neu und erst in wenigen Fällen angewendet ist der Ansatz interkommunaler Gewerbeflächenpools. In einem solchen Pool gehen mehrere Kommunen eine strategische Partnerschaft ein und nehmen ihre Gewerbeflächenpolitik als Region gemeinsam in die Hand. Vorhandene und geplante Gewerbeflächen werden von den Kommunen in den Pool eingebracht und monetär bewertet. Neben Flächeneinträgen sind auch reine Geldeinträge möglich.

Erlöse aus Flächenverkäufen und Gewerbesteuereinnahmen auf Poolflächen werden über den Pool an die Kommunen verteilt. Nicht mehr die Kommunen, sondern der Pool als gemeinsame, regionale Instanz, übernimmt nun Entwicklung, Verwaltung und Vermarktung der Flächen.

Dabei stechen mehrere Pluspunkte hervor.

  • Größere Außenwahrnehmung: Eine gemeinsame Region präsentiert sich mit einem großen, übergreifenden Angebot.
  • Vielfältiges Angebot: Ein breites regionales Portfolio verschiedener Flächen kann eine Vielzahl unterschiedlicher Nachfragen bedienen.
  • Geeignete Standorte: Die Standortanforderungen der Unternehmen und die Eignung der Fläche bestimmen die Entwicklung, nicht die administrative Grenze. „Notlösungen“ werden nicht mehr entwickelt.
  • Risikoausgleich: Die Gefahr schleppender Flächenverkäufe oder schwankender Gewerbesteuereinnahmen wird durch die Größe des Pools im Vergleich zur einzelnen Kommune relativiert.

Ein interkommunaler Gewerbeflächenpool versucht also, die scheinbaren Gegensätze der ökonomischen Fortentwicklung und der Wahrung ökologischer Belange einer Region zu verbinden und dabei für die Kommunen Synergien zu nutzen, die sich im „Einzelkämpferstatus“ nicht bieten.

Gute Voraussetzungen für einen Gewerbeflächenpool:
Das Bergische Städtedreieck Remscheid-Solingen-Wuppertal

Zwar gibt es noch keinen Gewerbeflächenpool im Bergischen Städtedreieck, aber die Region bietet viele gute Voraussetzungen für ein solches Projekt. So befinden sich Remscheid, Solingen und Wuppertal in vergleichbaren Ausgangslagen, sowohl in räumlicher als auch in organisatorischer Hinsicht.

Alle drei Städte sind geprägt durch ihre frühindustrielle Vergangenheit, durch eine schwierige Topographie, durch eine hohe Bevölkerungsdichte und die kleinteilig-polyzentrischen Siedlungsstrukturen.

Alle drei Städte sind kreisfreie Großstädte mit jeweils über 100.000 Einwohnern, weisen vergleichbare Akteursstrukturen in der Gewerbeflächenpolitik und einen ähnlichen Verwaltungsaufbau auf.

Im Bergischen Städtedreieck herrscht durch das NRW-Förderprogramm Regionale 2006 ein gutes Kooperationsklima. Mit „kompetenzhoch³“ gibt es erste Ansätze eines gemeinsamen Standort- und Gewerbeflächenmarketings.

Die Diskussion um eine regionale Bewerbung um EU-Ziel-2-Mittel und die Gründung einer regionalen Entwicklungsgesellschaft bilden inhaltlich-thematische und organisatorische Anknüpfungspunkte für einen interkommunalen Gewerbeflächenpool im Bergischen Städtedreieck.

Was Ihnen diese Diplomarbeit bringt:
Handlungsempfehlungen zur Umsetzung

Bei der Umsetzung eines Gewerbeflächenpools spielen verschiedene Akteursebenen und Projektphasen eine Rolle. In der Diplomarbeit werden am Beispiel Bergisches Städtedreieck für diese Ebenen Schlüsselakteure und deren Aufgaben und Rollen bei der Umsetzung erarbeitet.

Konkrete Handlungsempfehlungen bilden das zentrale Ergebnis der Arbeit. Zunächst beziehen sie sich auf grundsätzliche Fragen der Ausgestaltung eines „bergischen“ Gewerbeflächenpools. Zentrale Empfehlung ist hier, sich als gemeinsame Region zu positionieren, die diskutierte regionale Entwicklungsgesellschaft als zentrale, regionale Instanz zu gründen und einen interkommunalen Gewerbeflächenpool als Projekt dieser Gesellschaft umzusetzen.

Die empfohlene Gründung der regionalen Entwicklungsgesellschaft ist unter dem Namen "Bergische Entwicklungsagentur" im Juni 2007 durch die Stadträte in Remscheid, Solingen und Wuppertal inzwischen beschlossen worden.

In einem zweiten Schritt werden in der Diplomarbeit Handlungsempfehlungen zur Umsetzung eines Gewerbeflächenpools an konkrete Akteure der Region adressiert und Vorschläge gemacht, welche Schritte sie ergreifen sollten.

Abstract der Diplomarbeit (PDF Download)
http://www.heuer-dialog.de/files/10069_2/abstract_kroeger.pdf


Autor: Kai Kröger, Bernd Heuer Dialog GmbH E-Mail

Jahres-Abo

Jobs