Heuer Dialog

Nachhaltigkeit und gebaute Umwelt – Strategien der HafenCity Universität Hamburg

Längst ist der Klimawandel zu einem global diskutierten Fakt avanciert. Dennoch: der Wandel zu klimaneutralen Gebäuden vollzieht sich nur langsam; und dass, obwohl gerade bei den Gebäuden viel zu erreichen ist. Allein die technischen Lösungen zu entwickeln, reiche heute nicht mehr, meint Professor Steven Spier, Präsident der HafenCity Universität Hamburg, Universität für Baukunst und Metropolenentwicklung (HCU). Vielmehr gelte es, mit der Komplexität der Strukturen umzugehen und entsprechend komplexe Lösungen zu entwickeln. Wie die HCU dies mit einer konsequent interdisziplinären Ausrichtung ihres Studienangebots erreichen will, hat er für INSIGHT-Leser zusammengefasst.

Der Klimawandel stellt die Gesellschaft im 21. Jahrhundert vor ganz neue Herausforderungen. Bezogen auf die gebaute Umwelt wird sich die Bevölkerung darauf einstellen müssen, grundlegende Annahmen und Praktiken ihres bisherigen Handelns neu zu überdenken, denn der Energieverbrauch von Gebäuden und Verkehrssystemen gehört zu den wichtigsten Verursachern von Treibhausgasen weltweit. Diese Herausforderungen potenzieren sich insbesondere in Metropolen. Die rasant zunehmende Konzentration von Menschen, Gebäuden und Verkehr machen die großen Städte zu ‚Brenngläsern’ der globalen Erwärmung. Gleichzeitig liegen jedoch gerade in den Metropolen die Ansätze für eine nachhaltigere gesellschaftliche Praxis. Metropolen sind traditionell die Orte, in denen gesellschaftliche Zukunft ausprobiert wird und sie bieten durch ihre räumliche Dichte besondere Gelegenheiten für Energie sparende Lebensweisen. Ferner weisen Metropolen eine ähnliche Komplexität auf wie die gesellschaftlichen Anforderungen zur Erreichung nachhaltiger Entwicklung. Der gesellschaftliche Umgang mit dieser Komplexität von Metropolen könnte zu einem Beispiel dafür werden, wie Gesellschaften den Anforderungen zur Erreichung nachhaltiger Entwicklung begegnen können.


Ein Beispiel für die Komplexität nachhaltiger Entwicklung ist, dass die drastische Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes von Gebäuden aus technologischer Sicht schon heute möglich wäre – durch die Erhöhung der Effizienz und den Einsatz regenerativer Energien. Dennoch vollzieht sich der Wandel zu klimaneutralen Gebäuden nur sehr langsam. Die größte Herausforderung liegt in der Implementierung dieser Technologien, in ihrer Integration in die bzw. ihrer Interaktion mit den Systeme(n) Gebäude und Stadt. Nachhaltigkeit zu denken bedeutet daher nicht allein, technische Lösungen zu entwickeln, sondern die vielfältigen Zusammenhänge der Systeme und die mit Ihnen verbundenen Kulturen zu verstehen, in denen diese Lösungen umgesetzt werden sollen. Nachhaltigkeit zu denken bedeutet auch, die richtigen Fragen zu stellen und die Möglichkeit des Fehlers und der Alternative im Finden und Umsetzen von Lösungen mit einzubeziehen.


Mit interdisziplinärer Ausbildung die Herausforderungen der Zukunft meistern

Lehre und Forschung zu nachhaltiger Gebäude- und Stadtentwicklung an der HafenCity Universität Hamburg (HCU) verfolgen genau diesen Anspruch: Es geht uns nicht um das vorschnelle Finden von technischen Lösungen, in dem eindimensional eine kurzfristige Reduzierung des CO2-Ausstoßes im Zentrum stünde, denn das nachhaltigste Gebäude in einem solchen Sinne wäre eines, das nie genutzt wird. Lehre und Forschung an der HCU begreifen die Herausforderungen des zukünftigen Bauens und der Stadtentwicklung in ihrer Komplexität und befähigen Studierende und Forschende dazu, mit dieser Komplexität umzugehen und nachhaltige Lösungen zu entwickeln, die ökologische, ökonomische, technische, kulturelle und soziale Fragen einbeziehen. Die Absolventen der HCU sollen in der Lage sein, den komplexen Herausforderungen der zukünftigen Städte mit komplexen Antworten zu begegnen.


Das zentrale Element dieses Anspruches kommt durch ein Studium Fundamentale zum Ausdruck, in dessen Rahmen jeder/jede Studierende mit grundlegenden Formen des Wissens und der Wahrnehmung konfrontiert wird. Darüber hinaus sind alle Curricula der HCU – Architektur, Bauingenieurwesen, Geomatik und Stadtplanung – so gestaltet, dass systematisch fächerübergreifend studiert werden kann. Und schließlich geht die HCU ab dem kommenden Wintersemester mit drei neuen, fächerübergreifenden Masterstudiengängen an den Start und greift so aktuelle Herausforderungen aus der Praxis des Bauens und der Stadtentwicklung auf: der Studiengang Projektentwicklung und Immobilienmanagement, der Studiengang Städtebau, und schließlich das englischsprachige Studienangebot, Resource Efficiency in Architecture and Planning, mit dem die Fragen nachhaltigen Bauens und nachhaltiger Stadtentwicklung explizit und in all ihrer Komplexität aufgegriffen werden.


Prof. Steven Spier
Präsident
HafenCity Universität Hamburg
Universität für Baukunst und Metropolenentwicklung
Lohseplatz 1a
20457 Hamburg

www.hcu-hamburg.de



Diskutieren Sie mit Prof. Steven Spier und weiteren Experten das Thema "Wirtschaftswachstum und Nachhaltigkeit: Mit innovativer Stadtentwicklung Hamburg zukunftsfähig machen" am 08. Mai 2008 beim Standort-Dialog in Hamburg.
Prorgamm Download


Autor: Prof. Steven Spier, Präsident der HafenCity Universität Hamburg (HCU) E-Mail

Jahres-Abo

Jobs