|

Ideenfabrik für ganzheitliche Wohnbauentwicklung: das Institut für Lebenswelten
Gabriel Spitzner Institut für Lebenswelten® GmbH
|
| Wie müssen Immobilienunternehmen aufgestellt sein, um zugkräftige Produkte zu kreieren? Wann sind Dienstleistungen im Wohnungsbau bezahlbar und wie rechnen sie sich für den Service-Erbringer? Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung über moderne Wohnformen und zukunftsweisende Stadtentwicklung gibt es zuhauf. Was fehlt, sind wissenschaftlich fundierte und zugleich praxisnahe Umsetzungsstrategien für die Immobilienwirtschaft.
Diese will das im Januar 2008 gegründete, von Interboden initiierte, Institut für Lebenswelten (ILW) liefern, indem sie die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Lehre und Wissenschaft verzahnt. INSIGHT freut sich, dass Gabriel Spitzner, Leiter des ILW, für ein Interview zur Verfügung stand. |
INSIGHT: Gabriel Spitzner, Sie leiten das ILW – Institut für Lebenswelten. Konkreter, Sie begleiten die INTERBODEN-Gruppe im Prozess „vom Architekten zum nachhaltigen Quartiers-Entwickler“. Was steckt hinter der “Ideenfabrik für ganzheitliche Wohnbauentwicklung”?
Spitzner: Werden statt einzelne Häuser Quartiere gebaut, gelangt ein Bauträger in die Dimension städtischer Verantwortung. Nachhaltigkeit in seinen ökonomischen, ökologischen und sozialen Ausprägungen ist für Bauträger ein vermarktbarer Mehrwert. Gutes Bestehendes wird übertragen; was erforscht ist, wird angewandt. Dabei verstehen sich die Menschen in dieser Ideenfabrik als Analytiker (Forschen und Auswerten), Induzierer (Ideenschmiede, Begeisterung Dritter für kreative Ideen) und Transformator (Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis).
Wir sehen uns als Think-Tank, … … der praxisrelevante Impulse für die Zukunft des Wohnens und Arbeitens in den Städten liefern soll sowie als selbstständige Forschungs- und Entwicklungseinheit im Kontext der Interboden-Gruppe und seiner (Unternehmens-)Werte. Wir betrachten nachhaltiges Wohnen in seinen ökologischen, sozialen und gleichwohl dauerhaft wertehaltigen Dimensionen als Leitbild, aus dem aus Forschung und Wissenschaft gespeiste Handlungsempfehlungen für die o.g. Bereiche der Unternehmens-Gruppe abgeleitet werden.
Der Schwerpunkt liegt nicht in eigenen Forschungsleistungen … … vielmehr in der Transformation bestehender Forschungen aus dem Wohnungs- und Gewerbebau und vor allem seinen theoretischen Grundlagen- und Nachbardisziplinen (Soziologie, Geographie, Architektur, Umweltwissenschaften etc.) in handhabbare Unternehmensempfehlungen und adäquate Wege der Umsetzung im Unternehmen. Auftraggeber für das Institut für Lebenswelten ist (zunächst) vor allem die Interboden-Gruppe selbst. Überzeugung ist, dass ohne eine Verankerung und Verstetigung der Transformations- und Induktionsleistungen des ILW in der eigenen Unternehmensgruppe eine Beratung Dritter (Unternehmen, Kommunen, Verbände) nicht sinnvoll ist.
INSIGHT: Was passiert dort genau?
Spitzner: Im Institut für Lebenswelten arbeiten zwei Diplomgeographen an der Umsetzung des selbst entwickelten Leitbildes „vom Architekten zum nachhaltigen Quartiers-Entwickler“.
Die Bandbreite der Forschungstätigkeit und Anwendungsberatung ergibt sich aus dem gesamten Lebenszyklus einer Immobilie und reicht von Fragestellungen aus Architektur, Städtebau und Projektentwicklung bis zur proaktiven Verwaltung der Immobilie und Beratung der Bewohner. Dabei werden Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung über Immobilientrends und zukunftsweisende Quartiers- und Stadtentwicklung in wissenschaftlich fundierte und praxisnahe Umsetzungsstrategien für die Immobilienwirtschaft umgesetzt.
Es gibt genügend Erkenntnisse aus der Forschung zum Thema moderne Wohnformen und Stadtentwicklung; was fehlt, sind geeignete Umsetzungsstrategien für die Praxis.
Das ILW führt daher weniger große Trendforschungen selber durch. Es werden vielmehr die Forschungsergebnisse anderer großer Institute beachtet (wie z.B. von empirica, Analyse und Konzepte, InWIS, gewos etc.). Diese Ergebnisse werden dann auf ihre Praxistauglichkeit getestet und relevanten Ergebnisse für die Praxis anwendbar gemacht. Deshalb werden die Forschungsergebnisse, die über „Sinus-Milieus“ vorliegen, genauso (auch kritisch) beachtet, wie z.B. die neuen Ansätze des GDW über die Wohntrends 2020.
Die Retrospektive im Sinne einer Evaluation von Firmenleistungen rund um die Planung, Entwicklung, Vermarktung und Vermietung von Immobilien gehört ebenfalls zum Spektrum der eigenen Analyseinstrumente. Ohne eine dezidierte Kenntnis und ein Verstehen bisheriger Entwicklungen und Zusammenhänge beginnt das ILW nicht mit seiner Beratungsarbeit. Dies folgt dem Leitbild des ILW, Änderungen in Wertschätzung der Partner im Dialog zu entwickeln. Mithilfe von
- firmeninternen Arbeitskreisen,
- der Moderation und Leitung des Offenen Lenkungs- und Innovationsausschusses im Unternehmen (als zentrale Einrichtung der Abstimmung inhaltlicher und betrieblicher Innovationen in der Unternehmensgruppe)
- einem (wissenschaftlichen) Kolleg „Beiträge für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung“ (mit Vertretern aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Praxis und
- eigens konzipierten Impulstagen und Workshops mit Experten aus Wissenschaft und Praxis
entwickelt das ILW praxistaugliche Qualifizierungsbausteine in den Themen „energieeffizientes Bauen und Entwerfen“, „soziale Nachhaltigkeit“ als ökonomischer Mehrwert jenseits einer Begrifflichkeit des Sozialen im Kontext des Bedarfsprinzips, „Services und Kommunikation“ als werthaltige Instrumente der Kundenbeziehung, „digitale Quartiere“ als ergänzender Mehrwert usw.
Im Folgenden kann ich Ihnen an Beispielen verdeutlichen, wie die Beiträge für eine nachhaltige Quartiersentwicklung aussehen können.
- Entwicklung von Ideen für die Vermarktung, z.B. von Lofts: Mit Strategien für die Vermarktung von Loftwohnungen werden wichtige Aspekte für das Marketing beispielsweise für Lofts aufgeschlossen.
- Wohnen in Gemeinschaft. Begleitung einer Wohngruppe in Düsseldorf-Pempelfort. Dabei werden mögliche Vertragsgestaltungen eruiert, Interessierte angesprochen, und die Wohngruppe begleitet; vom Zeitpunkt ihrer Bildung bis nach Vertragsabschluss.
- Services und Kommunikation: Service- und Betreuungskonzepte werden weiterentwickelt und Impulse für die Gestaltung und Steuerung städtischer Nachbarschaften abgeleitet. Hierbei werden sowohl die klassischen Dienstleistungen, wie auch technische und Multimedia Dienstleitungen berücksichtigt (Smarter Wohnen).
- Konzepte und Durchführung von Befragungen zur Ermittlung und Verbesserung von Kundenzufriedenheit sowie zur Ermittlung von konkreten Wohntrends an einem Standort:
- Betreuung von Diplomarbeiten in den Fachgebieten Stadtgeographie und Wohnungsmarktforschung sowie Facility Management
INSIGHT: Wer profitiert von der Ideenfabrik? Spitzner: „Vom Architekten zum nachhaltigen Quartiersentwickler“ … … - unser Ansatz und beraterisches Credo, impliziert ja, dass wir nicht nur gesamtstädtische Verantwortung übernehmen wollen, sondern auch als Privater durch die Betrachtung einer der Wohnung/dem Haus übergeordneten Ebene, dem Quartier, Beiträge für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung leisten wollen. Wir sehen entsprechend neben unserem privatwirtschaftlichen Gewinn, auf den ich gleich eingehen werde, einen städtischen, also öffentlichen in allen Dimensionen der Nachhaltigkeit:
- ökonomisch: neben der mittelfristig wirksamen Steigerung der Immobilienmarktwerte und des Unternehmensimages gesteigerte Umsätze von Serviceträgern und entsprechend neue Qualifizierungs- und Beschäftigungsoptionen im Dienstleitungssektor
- ökologisch: durch Angebote sozialen Lebens und des Wohlfühlens in Wohnortnähe, dadurch Verkehrsvermeidung und Ressourcenschonung (fossile Brennstoffe) und durch praktizierte Ansätze energieeffizienten Bauens und Entwerfens.
- sozial: durch verstärkte Quartiersidentifikation, geringere Fluktuation, Steigerung des Wohlbefindens, Entfaltungs-, Kommunikations- und Partizipationsmöglichkeiten, soziale Stabilisierung im Stadtteil durch angebotene Leistungen und induziertes bürgerschaftliches Engagement.
Entsprechend dem Ansatz, Änderungen im Dialog vorzunehmen und dabei auf eine unternehmensfremde Expertokratie zu verzichten, sind die Beiträge auch Motor für mehr Mitdenke, Partizipation und (inhaltliche) Flexibilität und Erneuerung im Unternehmen.
Gewinner der Arbeit des ILW ist also auch die Interboden-Gruppe selbst. Die in Handlungsempfehlungen, anschauliche Bilder, Expertisen und Berichte transformierte wissenschaftlichen Ergebnisse sind nicht nur manifester ökonomischer Mehrwert im Sinne einer fundierten Marktbeobachtung und Erschließung, sondern liefern auch wertvolle Beiträge für eine Unternehmenskultur, die sich dem Leitbild einer lernenden Organisation anlehnt.
Den Hochschulen liefert das ILW durch (studentische) Projektseminare Impulse für eine praxisgerechtere Ausbildung. Gerade bei den Hochschulen zeigt sich der generelle Ansatz, Brücken zu bauen und nachhaltige Quartiersentwicklung, das Bauen mit ökologischen, sozialen und ökonomisch werthaltigen Dimensionen durch seine Propagierung zum Mehrwert für alle zu machen. INSIGHT: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Spitzner!
Kontakt:Gabriel Spitzner Institut für Lebenswelten® GmbH Europaring 60 40878 Ratingen Tel.: 02102 91 94 148 Fax: 02102 91 94 37 g.spitzner@i-l-w.de
|
Jahres-Abo
Jobs
|